Von Carmen Berg

Die gute Nachricht zuerst: Die Rettungsstelle am Evangelischen Krankenhaus, für deren Erhalt sich die Gartenstädter vehement stark gemacht hatten, bleibt bestehen. In jüngster Zeit hatten sich Schließungsgerüchte breit gemacht. „Da ist nichts dran“, beruhigt Dipl.-Med. Jens Graßmel, Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Visceral- und Unfallchirurgie/Orthopädie.

Wie bisher werden in der Luckauer Rettungsstelle sieben Tage in der Woche rund um die Uhr Menschen mit Erkrankungen oder Verletzungen Hilfe finden, die keinen Aufschub in der medizinischen Versorgung dulden. So beispielsweise, wenn Knochenbrüche nicht auszuschließen sind, bei hohem Fieber, anhaltendem Erbrechen, bei plötzlichen starken Schmerzen, akuten Lähmungen, Atemnot, zählt Jens Graßmel Krankheitsbilder auf. Heißer Draht für den Einsatz von Rettungswagen und Notarzt ist die Rufnummer 112. Es sei denn, der Patient ist in der Lage, sich noch selbst auf den Weg zu machen, was natürlich auch möglich sei, sagt der Chefarzt.

In leichteren Fällen, bei der Grippe am Wochenende oder dem vergessenen Rezept, greift außerhalb der Praxis-Öffnungszeiten der kassenärztliche Bereitschaftsdienst. Dieser wird landesweit neu strukturiert, was, so vermutet Jens Graßmel, zu den Gerüchten in Luckau führte.

Worum geht es? Teilten sich den Bereitschaftsdienst bisher reihum die niedergelassenen Ärzte eines Altkreises, so werden sich die Regionen künftig deutlich vergrößern. Laut Christian Wehry, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Berlin-Brandenburg, ist bis 2020 die Einrichtung von 19 Portalpraxen als feste Anlaufpunkte für Patienten geplant. Nächstgelegene für den Raum Luckau-Dahme wird die Portalpraxis an der Spreewaldklinik in Lübben sein, die am 2. Mai startet. Bereits am 1. April ging eine Bereitschaftseinrichtung in Herzberg in Betrieb. Geplanter Start in Luckenwalde ist im dritten Quartal, in Senftenberg im vierten Quartal 2019.

In Luckau ist keine Portalpraxis am Krankenhaus vorgesehen. Entgegen früherer Hoffnungen soll die Stadt auch kein Standort für fahrende Bereitschaftsärzte werden, die unter der Rufnummer 116 117 zu Hausbesuchen angefordert werden können. Sie starten stattdessen von Lübbenau.

Durch die Zentralisierung müssen niedergelassene Mediziner künftig weniger Bereitschaftsdienste absolvieren. Zugleich aber werden die Wege weiter. „Der Hausbesuchsdienst muss dann in einem Gebiet zwischen Dahme und Lieberose gefahren werden, das sind mehr als 100 Kilometer“, sagt Chefarzt Graßmel. „Man wird sehen, wie sich das in der Praxis bewährt“, bleibt der Luckauer Chefarzt skeptisch.

Bürgermeister Gerald Lehmann bringen zu wenige Fallzahlen als Argument gegen einen Bereitschafts-Standort Luckau auf die Palme. Im Landesentwicklungsplan sei Luckau als Mittelzentrum vorgesehen, dem sollte die KV Rechnung tragen. Bislang aber falle die Stadt dort durchs Sieb, ärgert er sich. Neben dem Bereitschaftsdienst führt er vergebliche Bemühungen um eine Kinderarzt-Praxis in Luckau ins Feld, nachdem nun auch Golßen keinen Kinderarzt mehr hat. „Wir werden beides nicht einfach akzeptieren“, gibt sich Lehmann kämpferisch.