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Luckauer Innovation
Maßanzug für marode Schächte

Minister Albrecht Gerber ist beeindruckt: Torsten Hansen (l.) erklärt dem Gast aus Potsdam die Schachtsanierung per Maßanzug. Bei dem gemeinsam mit der BTU entwickelten Verfahren wird ein Textilmaterial eingebracht, wo bislangr Korrosionsstellen im Beton mit Mörtel verputzt werden mussten.
Minister Albrecht Gerber ist beeindruckt: Torsten Hansen (l.) erklärt dem Gast aus Potsdam die Schachtsanierung per Maßanzug. Bei dem gemeinsam mit der BTU entwickelten Verfahren wird ein Textilmaterial eingebracht, wo bislangr Korrosionsstellen im Beton mit Mörtel verputzt werden mussten. FOTO: Carmen Berg / LR
Luckau-Alteno. Gemeinsame Forschung von Lausitzer Klärtechnik und BTU trägt in der Praxis Früchte. Von Carmen Berg

Ein textiler Maßanzug statt Mörtel macht marode Pumpenschächte wieder fit. Diese viel Zeit und Geld sparende Lösung ist eines von mehreren Projekten, das die Lausitzer Klärtechnik GmbH (LKT) gemeinsam mit der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg realisiert. Wirtschafts- und Energieminister Albrecht Gerber (SPD) hat sich im Unternehmen am Freitag einen Eindruck verschafft, wie der Strukturwandel in der Lausitz nach der Kohle gelingen kann. Von der Forschungskooperation zwischen Unternehmen und Uni ist der Minister beeindruckt: „Das hat Modellcharakter.“

Mit dem neuartigen Flex-Reha-Verfahren, das seit Ende vergangenen Jahres erfolgreich in der Praxis getestet wird, können von Betonkorrosion betroffene Pumpschächte von Abwasseranlagen effektiv saniert werden. Dazu werden in den Schacht Textillagen eingebracht und per Druckballon an die Schachtwand gedrückt, erläutert Torsten Hansen, bei LKT zuständig für den Bereich Forschung und Entwicklung. Das Textil werde mit flüssigem Harz versetzt und schmiege sich aufgrund des Vakuums überall an. Mittels 3D-Scan werde zuvor der exakte Zuschnitt des textilen Materials ermittelt. „Jeder Schacht bekommt sein maßgeschneidertes Kleid“, sagt er.

Anders als beim Sanieren mit Mörtelputz sei Flex-Reha zu jeder Jahreszeit anwendbar. Die Kosten würden gegenüber herkömmlichen Verfahren auf ein Drittel gesenkt, die Arbeitszeit halbiere sich, erklärt Torsten Hansen. Für die Wärme, die das Harz zum Aushärten braucht, sorgt wie bei einer Sitzheizung ein Geflecht aus Kupferdraht im Textilgelege. „Die Drähte können später zur Live-Überwachung der Anlage genutzt werden“, so der Fachmann.

LKT-Geschäftsführer Michael Müller spricht bei deutschlandweit 1,3 Millionen sanierungsbedürftigen Schächten von einem „riesigen Markt, den wir für uns nutzen wollen.“ Zudem könne bis hin zu Biogasanlagen alles, was einen Betonkörper hat, auf diese Weise saniert werden. Dr. Christiane Hipp, Vize-Präsidentin der BTU, nennt das Projekt „eine sehr gelungene Kooperation. Es kann was richtig Großes daraus entstehen.“

Bereits jetzt groß von China bis Lateinamerika ist das Interesse an einem weiteren Gemeinschaftsprodukt von BTU und LKT: einem mobilen Messgerät, um die Parameter des geklärten Abwassers vor Ort zu bestimmen. Es kommt in diesen Wochen auf den Markt. Bisher mussten die Proben an ein Fachlabor geschickt werden, das Ergebnis lag erst nach einer Woche vor, sagt Torsten Hansen. Das Gerät erleichtert nicht nur die Wartung eigener Anlagen, auch Behörden und Fachfirmen können es nutzen, wenn sie schnelle Ergebnisse brauchen. Nächster Schritt soll ein stationäres Messgerät sein. So werde eine ständige Kontrolle möglich, kündigt der Entwicklungsingenieur an.

Unternehmen und Universität sind sich einig, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen. „Beide Seiten profitieren davon“, sagt Dr. Christiane Hipp. Zu den jüngsten Vorhaben zählt die Entwicklung einer Nährsalzlösung für Kläranlagen, die saisonal unterschiedlich belastet sind. Die Zusatzstoffe sorgen dafür, dass beispielsweise in einer Feriensiedlung über den Winter die Anlage am Laufen bleibt. Das Projekt ist zur Förderung beantragt.