Von Carmen Berg

Mit einem Hilferuf wendet sich der SPD-Stadtverordnete an Kulturfreunde in der Stadt und dem Amt Dahme. „Ich will mich nicht damit abfinden, dass der Kulturverein stirbt“, sagt er. Obwohl selbst nicht im Vorstand, ergreift er die Initiative und lädt für Donnerstag, 7. Februar, zu einem Diskussionsabend über die Zukunft des Vereins ein. Treff ist um 19 Uhr im Heimatmuseum am Töpfermarkt.

Der Verein wurde 1991 gegründet und hat im Museum seinen Sitz. Museumsleiter Tilo Wolf ist der Vorsitzende. Er begrüße den Vorstoß von Matthias Ochs, sagt er. Die Lage sei prekär. Von den rund 50 Mitgliedern des Vereins stehe „ein Großteil nur noch auf dem Papier“. Schon öfter sei unter den verbliebenen Aktiven debattiert worden, wie der Niedergang zu stoppen sei, „aber meist blieb es bei Worten“, so Tilo Wolf. Wie Matthias Ochs beklagt, ist das Vereinsleben praktisch zum Erliegen gekommen. Die letzte Mitgliederversammlung sei schon lange her.

Einen Hauptgrund sieht er in der demografischen Entwicklung. Es werde spürbar, dass Dahme überaltert ist. Jeder Vierte gehört laut Statistik zur Generation 60 plus. „Wo erfahrene und langjährige Mitglieder aus Alters- und Gesundheitsgründen ausscheiden, rücken keine jüngeren nach“, sagt Matthias Ochs. „Das geht den meisten Vereinen so, nicht nur uns.“ Doch deshalb aufgeben – dagegen sträube sich alles in ihm.

Seit seiner Gründung war der Kulturverein eine Marke im gesellschaftlichen Leben der Stadt. Eine klassische Konzertreihe mit namhaften Künstlern ging ebenso wie die Restaurierung des Poblocki-Denkmals, ein neuer Konzertflügel für den Schütz-Saal oder manch spannender Ausflug in die Sternenkunde auf seine Initiative zurück. Zudem bot der Verein das Dach für engagierte ehrenamtliche Interessengemeinschaften in Tierpark und Schwimmbad. Vieles davon gibt es nicht mehr.

Andererseits seien in Dahme durchaus auf diversen Gebieten Menschen für Kultur und Freizeit aktiv, sagt Matthias Ochs. Stellvertretend nennt er den Feuerwehr- und Technik-Verein, den Männerchor, die Macher der Galerie „Kunstpause“, den Verein „Pro Dahme“, der den Töpfer- und den Weihnachtsmarkt organisiert oder auch die Kirche mit Konzerten, Ausstellungen und Lesungen in den Gotteshäusern. „Das Problem: jeder kämpft für sich allein, und das macht es für den Einzelnen schwer“, sagt Matthias Ochs.

Ein Anliegen für den Kulturverein sollte es aus seiner Sicht sein, vorhandene Initiativen besser zu vernetzen. „Wir sollten uns zusammenfinden, Termine aufeinander abstimmen, überlegen, wo man Dinge gemeinsam machen, wo man sich bei Aktionen gegenseitig unterstützen kann“, sagt er. Zudem könnte bei dem Abend im Museum diskutiert werden, wo zusätzlicher Bedarf besteht, beispielsweise bei der jüngeren Generation zwischen 20 und 45 Jahren. Die Analyse sei aber nur die eine Seite: „Wichtiger ist, wie es weitergeht. Wo liegen die Interessen und Talente der Menschen, die mitmachen möchten? Was können wir uns vornehmen, ohne uns zu überfordern?“, zählt er Aspekte auf.

Einig sind sich Tilo Wolf und Matthias Ochs, dass ein Neuanfang ein hartes Stück Arbeit wird. „Ich bin selbst gespannt, ob und welche Reaktionen es auf meinen Gesprächsvorschlag gibt, das ist völlig offen“, sagt Matthias Ochs. Tilo Wolf zufolge muss demnächst im Verein ein neuer Vorstand gewählt werden. „Wenn sich nicht ausreichend Leute finden, die Verantwortung übernehmen, dann war’s das für den Verein, und das wäre sehr schade“, sagt er.

Rückfragen an Matthias Ochs sind möglich unter Telefon 035451 8261 oder per Mail an: ursel.matthias.ochs@t-online.de.