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| 14:25 Uhr

Mit Bundespreis ausgezeichnet
Gelebte Nachbarschaft im „Kornkäfer Viertel“

 Zufriedene und glückliche Nachbarn, Vorbild für andere. Die „Kornkäfer“ aus Luckau haben den bundesweiten Nachbarschaftspreis des Netzwerks Nachbarschaft 2018 gewonnen. Nadine Graßmel (r.) zeigt stolz die Plakette.
Zufriedene und glückliche Nachbarn, Vorbild für andere. Die „Kornkäfer“ aus Luckau haben den bundesweiten Nachbarschaftspreis des Netzwerks Nachbarschaft 2018 gewonnen. Nadine Graßmel (r.) zeigt stolz die Plakette. FOTO: Andreas Staindl
Luckau. Gemeinsame Aktivitäten von acht Familien aus Luckau sind mit einem Bundespreis honoriert worden. Von Andreas Staindl

Das Projekt „Kornkäfer Viertel“ in Luckau ist kürzlich mit dem bundesweiten Nachbarschaftspreis des Netzwerks Nachbarschaft ausgezeichnet worden. Die Jury würdigte in der Laudatio die gute und außergewöhnliche Nachbarschaft der acht Familien, die dort wohnen. Sie honorierte die zahlreichen gemeinsamen Aktivitäten der Nachbarn. Laufen und Volleyball, Theaterbesuche, Ausflüge und gemeinsame Feste zählen dazu.

„Wir verbringen viel Zeit miteinander, sind immer füreinander da, feiern gern gemeinsam“, sagt Christiane Zimmermann. Geburtstage, Weihnachten, Halloween: Im Kornkäfer Viertel sitzt niemand allein zu Haus. Für die Jury des Netzwerks Nachbarschaft sind die Kornkäfer-Nachbarn aus der Wohnsiedlung zwischen Bahnhofstraße und Berste „ein vorbildliches Beispiel für den Aufbau und das Pflegen einer Gemeinschaft“. Luckaus Bürgermeister Gerald Lehmann (parteilos) bezeichnet das Kornkäfer Viertel als „Vorzeigeprojekt. Ich wünsche mir mehr solcher Aktivitäten in unserer Stadt.“ Dem Stadtoberhaupt imponiert vor allem, „dass die Kornkäfer ohne Vereinsklammer füreinander da sind“.

Das gefällt auch Karsten Trogant: „Man trifft immer jemanden an, wenn Hilfe nötig ist, fühlt sich nie allein. Das ist das Schöne an unserer Gemeinschaft.“ Selbstverständlich ist das nicht. „Gelebte Nachbarschaft ist nach der Wende verloren gegangen“, sagt Gerald Lehmann. „Dabei braucht es nicht viel. Einfach mal beim Nachbar anklopfen.“ Was macht für ihn gute Nachbarschaft aus? „Wenn sich Menschen auf einfacher Ebene begegnen und füreinander da sind.“

Im „Kornkäfer-Viertel“ ist das der Fall. „Wir wohnen Tür an Tür und leben Nachbarschaft im klassischen Sinn“, sagt Janine Reibig. Das weiß auch der Nachwuchs zu schätzen. „Ich habe meine Freunde in der Nähe“, erzählt Lucas Zimmermann (10). „Wenn es Probleme gibt, helfen wir uns gegenseitig. Unsere Nachbarschaft gefällt mir richtig gut.“

Der Jury des Netzwerks Nachbarschaft offensichtlich auch. Sie hat das Projekt „Kornkäfer-Viertel“ als eines von insgesamt 30 Nachbarschaftsaktionen 2018 ausgezeichnet. „Alle Projekte beeindruckten durch Einfallsreichtum, soziale Vielfalt und zupackendes Engagement“, würdigt Erdtrud Mühlens, Gründerin des Netzwerks Nachbarschaft. 125 000 Menschen aus Deutschland und Österreich hatten sich nach Angaben des Netzwerks um den Preis in diesem Jahr beworben.

Das „Kornkäfer-Viertel“ ist das einzige Projekt im Land Brandenburg, das in diesem Jahr geehrt wurde. „Wir sind sehr stolz darauf“, sagt Nadine Graßmel. „Der Preis ermutigt uns, weiterzumachen.“ Die Plakette „Ort der guten Nachbarschaft“ des Netzwerks belegt auch optisch den starken Zusammenhalt im Wohnumfeld.

In der Region sind die „Kornkäfer“, die sich 2013 gegründet haben, längst ein Begriff. Die Laufgruppe des Viertels beteiligt sich etwa am „Spreewald-Cup“. Sie startet auch bei Marathons, läuft in Polen und an der Ostsee beispielsweise. Die Läuferinnen und Läufer tragen traditionell gelbe T-Shirts.

Und weil die Farbe Gelb Kornkäfer anzieht, geht der Name des Nachbarschaftsprojekts darauf zurück. „Mit dem Laufen hat unsere gute Nachbarschaft angefangen“, erzählt Kathrin Zeibig. „Anfangs waren wir zu zweit oder dritt. Inzwischen laufen viele von uns Nachbarn mit. Erwachsene und Kinder gemeinsam.“ Das Miteinander und die Gemeinschaft im „Kornkäfer Viertel“ gehen längst über den Sport hinaus. „Das macht die Nachbarn dort so besonders und einmalig“, sagt Gerald Lehmann. „Sie sind Vorbild für gelebte Nachbarschaft in unserer Stadt.“