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| 01:28 Uhr

Geht die Schulsozialarbeit den Bach runter?

Lübbenau/Vetschau. „Kaum hat der Jugendhilfeausschuss des Landkreises OSL im jahrelangen fachlichen Diskurs sich über veränderte Leitlinien der Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit verständigt, werden diese Leitlinien aus vermeintlich fachlichen Überlegungen gerade von einer der bedeutendsten pädagogischen Institutionen im Leben des jungen Menschen, der Schule, infrage gestellt“, beklagt Ulrich Thorhauer und bezieht sich auf Gedanken von Steffen Bretschneider. Der Leiter des Vetschauer Schulzentrums „Dr. red/hk

Albert Schweitzer„ sieht mit den neuen Leitlinien die Schulsozialarbeit den Bach runtergehen (die RUNDSCHAU berichtete).

Als Sozialpädagoge, Lehrer, Schulleiter einer beruflichen Schule für die Ausbildung von Sozialberufen habe Ulrich Thorhauer als Mitglied des Jugendhilfeausschusses und seines Unterausschusses Jugendhilfeplanung aktiv an den Leitlinien mitgewirkt.

Ziel dieser Leitlinien sei es, allen Kindern und Jugendlichen in den definierten Sozialräumen Angebote zur Förderung ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu machen. Mit sozialräumlich agierenden Teams von Sozialpädagogen soll Kindern und Jugendlichen bedarfs-, aber auch bedürfnisgerecht Hilfe und Unterstützung angeboten werden. Dabei verstehe sich Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit immer auch primär als außerschulisches Angebot, so Thorhauer.

In Bezug auf die Schule ist die Jugendhilfe nach seiner Auffassung gefordert, Ansprechpartner und auch Vermittler bei Problemen zu sein. Nur Sozialarbeit an Schulen dürfe nicht dauerhaft zum Stellenprivileg einiger Schulen werden, und Schulsozialarbeiter dürften nicht Lückenbüßer für fehlende Lehrkräfte oder auch Lehrkräfte ohne sozialpädagogisches Grundverständnis sein, argumentiert der Lübbenauer Schulleiter.

Schon aus diesem Grund sei es sinnvoll, auch die Sozialarbeit an Schulen sozialräumlich zu organisieren, Zeiten für feste Ansprechpartner an allen Schulen zu entwickeln und im fachlichen Miteinander zu bearbeitende Probleme zu definieren und gemeinsam zu bearbeiten.

Damit sei aber auch gesagt, dass die Lehrer die ersten Ansprechpartner sind und über sozialpädagogische Handlungskompetenz verfügen müssen. Der Schlüssel für die Weiterentwicklung des Bildungssystems und auch des sozialen Miteinanders liege nicht in der massenhaften Bereitstellung von Schulsozialarbeitern - es sei unlogisch: Sozialarbeiter sind für das Soziale da und Lehrer für die Wissensvermittlung. Und so habe Sozialarbeit an Schulen ihren Platz mit der Arbeit an der Schnittstelle zwischen Schule, Schüler, Eltern, Territorium und Gruppe der Gleichaltrigen. Dieses Angebot müsse aber allen Schulen und Schülern, unabhängig von der Schulform und der konkreten Lebenslage, zugänglich sein. “Dieser Anspruch kann mithilfe der Leitlinien umgesetzt werden„, ist sich Thorhauer sicher.