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| 01:31 Uhr

Geheimnisse hinter Spreewälder Fließnamen

Das Jeschoa-Fließ erreicht die Goroschoa, die heute ganz pragmatisch als Südumfluter bezeichnet wird. Dabei erzählen alte Namen auch von der Vergangenheit, denn einst gab es hier Hügel. Foto: Marx
Das Jeschoa-Fließ erreicht die Goroschoa, die heute ganz pragmatisch als Südumfluter bezeichnet wird. Dabei erzählen alte Namen auch von der Vergangenheit, denn einst gab es hier Hügel. Foto: Marx FOTO: Marx
Luckau. Fließe, Gräben und Kanäle im Spreewald tragen noch immer wendische Namen. Die meisten Einheimischen haben sich zwar an die Bezeichnungen gewöhnt, doch wissen sie oftmals genauso wenig wie die Touristen, welche Bedeutungen sich dahinter verbergen. Der Burger Heimatforscher Benno Pötschke und Werner Meschkank vom Wendischen Museum in Cottbus hatten dafür umso mehr Erklärungen parat, die sie wissbegierigen Tourismusfachleuten im Burger Haus der Begegnung weitergaben. Von Bernd Marx

„Von Dorf zu Dorf kann es manchmal kleine Unterschiede zum gleichen Gewässernamen geben“, erklärte Benno Pötschke. Aber der niedersorbische Wortstamm bleibe immer erhalten. Der 74-jährige ehemalige Lehrer beschäftigt sich seit vielen Jahrzehnten mit der Deutung alter wendischer Namen im Spreewald.

Mühle sorgte für Schaum

So könne das Fließ Jeschoa zwischen Boblitz und Leipe auch Jeschowa geschrieben werden. Der Wortstamm „jesc“ deute auf Schaum hin, erklärte der Burger. So könne der Name als „schäumendes Flieߓ gedeutet werden, zumal an der Einmündung in die Raschkonitza bis 1845 eine Wassermühle gestanden habe.

„Für den Namen Raschkonitza gibt es gleich vier Erklärungen, die die Basis für den Namen bilden“, berichtete Werner Meschkank. Der 52-Jährige Regionalforscher stellte den etwa 40 Anwesenden seine vier Vorschläge auch gleich vor. „Rak“ stehe für den Krebs, „Rask“ oder „Rasko“ sei ein Familienname, „rask“ sei die Grasmücke und „resk“ die Spitzmaus. „Die Wahrscheinlichkeit ist allerdings groß, dass sich der Fließname auf den Krebs bezieht“, sagte Meschkank.

Die Raschkonitza sei ein Teil des heutigen Südumfluters, der früher den Namen Leineweberfließ getragen habe und davor Goroschoa geheißen habe. „Der Wortstamm könnte ,gora' sein – also ein Gewässer, das durch ein hügliges Gebiet fließt“, erklärte Benno Pötschke. Und so sei es tatsächlich einmal gewesen. So seien Mitte der 30er-Jahre durch den Reichsarbeitsdienst umfangreiche Dämme und Wege im Spreewald angelegt worden. „Bis auf den Schwarzen Berg in Raddusch wurden alle Hügel von Boblitz bis Raddusch für diese Arbeiten abgetragen“, so der Burger.

Der Name Quodda bezieht sich Meschkank zufolge auf „kloda“, den Baumstamm. Brodk sei dagegen auf „brozis“ – also die kleine Furt – zurückzuführen. Beide Fließe befinden sich in der Nähe von Lehde.

Die Mutnitza beim Restaurant „Wotschofska“ beziehe sich auf „mutny“, was soviel wie trübes Wasser heiße.

Tier- und Pflanzennamen

Die Tschummi könne von „tsumjen“ herrühren, vermuten die beiden Forscher. Dieser Name deute auf ein Fließ mit Strömung in sumpfiger Niederung hin. Dagegen sei es fast sicher, dass bei der Kossoa die Amsel Namenspate ist, denn auf Wendisch heißt sie „kos“. „Die Wolschina dürfte ihren Ursprung von den Erlen am Ufer haben“, so Meschkank. Auch das sei relativ eindeutig, da die wendische Bezeichnung für diese Baumart „wolsa“ sei. „Und die Kamske war früher vielleicht sehr steinig“, sagte Pötschke und fügte an: „Kamjen bedeutet nämlich Steine.“