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| 15:59 Uhr

Spektrale
Gefühle zeigen in Schwarz-Weiß

Arina Essipowitsch erklärt vor der Motivsuche im Laga-Park die Funktionsweise der nostalgischen Kamera.
Arina Essipowitsch erklärt vor der Motivsuche im Laga-Park die Funktionsweise der nostalgischen Kamera. FOTO: LR / Carmen Berg
Luckau. Künstlerinnen machen Schüler in Spektrale-Projekt vertraut mit der Sprache der Bilder. Von Carmen Berg

Aufs Smartphone getippt - und fertig ist das Bild. So sind es Annika, Mina und weitere Zehntklässlerinnen des Bohnstedt-Gymnasiums gewohnt. Bei den Fotokünstlerinnen Arina Essipowitsch und Dominique Hille lernen sie eine spannende Alternative kennen. Beide gehören zu einer Gruppe von sieben internationalen Künstlerinnen und Künstlern, die im Spektrale-Projekt „Creativquartier“ mehrere Monate in der Gartenstadt wohnen und in leeren Läden  arbeiten. Die Luckauer dabei mit ins Boot zu holen, das ist gewollt.

Für das Fotoprojekt sei die Nachfrage groß gewesen, aus geplanten neun Plätzen wurden 19, sagt Arina Essipowitsch. Sie und Dominique Hille vermitteln den Interessierten, übrigens allesamt Mädchen, was Bildersprache vermag. „Dinge, Gefühle, für die man schwer Worte findet, lassen sich durch Fotos erklären. Bilder wecken Assoziationen, so dass der andere unsere Gefühlslage verstehen wird“, sagt Arina Essipowitsch.

Um ihr Thema zu finden, schreibt jede Teilnehmerin eingangs ein Haiku, ein kurzes, dreizeiliges Gedicht. Haikus wurden ursprünglich von japanischen Dichtern entwickelt. Sie werden oft von der Natur, einem Moment der Schönheit oder einer emotionalen Erfahrung inspiriert. Die Projektleiterinnen sind überrascht von der Kreativität der Jugendlichen. „Sie bekommen von uns keine vorgefertigte Idee. Wir helfen bei der technischen Seite“, sagt Arina Essipowitsch. Die allerdings ist für die Nachwuchs-Fotografinnen eine Herausforderung. Denn gearbeitet wird mit Kameras aus den 1960er bis 1980er Jahren in Schwarz-Weiß. Die Filme werden im Labor in Lübbenau entwickelt.

Die Profis zeigen den Gymnasiastinnen, wie sie  durch das Herausheben von Details oder auch durch das mehrdimensionale Übereinanderlegen von Bildern deren Ausdruckskraft verstärken können.

Denise erzählt, sie habe bei ihrer Arbeit an den Ozean gedacht. „Ich finde das total schön.“ Sie legt sich eine Muschel auf den Arm: Das so entstehende Bild lässt an Meereswellen in Bewegung denken. Sophia fotografiert Rosen, die ihre Freundin ihr entgegenhält. Ein Tuch symbolisiert leichte Windbewegung wie sie typisch ist für einen entspannten Spätsommertag. „In Schwarz-Weiß zu fotografieren, war anfangs ungewohnt. Doch es gefällt mir, man hat andere Möglichkeiten“, sagt sie.

Ein ähnliches Projekt haben Arina Essipowitsch und Dominique Hille mit Schulabbrechern in Marseille durchgeführt. Dort sei es darum gegangen, eine sinnvolle Freizeitgestaltung anzubieten. In Luckau sei das anders. Hier wollen die Fotokünstlerinnen Neugier wecken und den Blick schärfen für die einfachen Dinge. „Es gibt in der Generation Instagram noch das Poetische“, stellt Dominique Hille fest.

Die Projektarbeiten nehmen die Gymnasiastinnen mit nach Hause. Zuvor werden sie zum Abschluss des Creativquartiers am Sonntag, 23. September,  öffentlich vorgestellt.

Auf den im Labor entwickelten Kontaktstreifen sehen die Mädchen, welche ihrer Aufnahmen gelungen sind.
Auf den im Labor entwickelten Kontaktstreifen sehen die Mädchen, welche ihrer Aufnahmen gelungen sind. FOTO: LR / Carmen Berg