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Geflügel braucht Luft und Sonne

Während des Rundgangs durch seine Freilandhaltungen legte Geflügelzüchter Frank Lehmann gegenüber dem Kreisverbandschef Eberhard Nakonzer und Brandenburgs Verbraucherschutzminister Stefan Ludwig (v.r.) dar, wie er sich eine den Zuchtbedingungen angepasste Tierhaltung während des nächsten Vogelgrippe-Ausbruchs vorstellt.
Während des Rundgangs durch seine Freilandhaltungen legte Geflügelzüchter Frank Lehmann gegenüber dem Kreisverbandschef Eberhard Nakonzer und Brandenburgs Verbraucherschutzminister Stefan Ludwig (v.r.) dar, wie er sich eine den Zuchtbedingungen angepasste Tierhaltung während des nächsten Vogelgrippe-Ausbruchs vorstellt. FOTO: Birgit Keilbach/bkh1
Jetsch. Züchter sorgen sich um Erhalt seltener Rassen. Monatelange Stallpflicht wegen Vogelgrippe-Virus hat Nachzucht in Gefahr gebracht. Birgit Keilbach / bkh1

Frank Lehmann ist Geflügelzüchter mit Leib und Seele. Wenn der Jetscher auf sein Gehege mit den wildfarbigen Warzenenten blickt, sieht er darin nur erwachsene Tiere. "Durch die lange Stallpflicht gab es keine Nachzucht", sagt er. Diese Rasse stehe bereits auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Geflügelrassen, "wie alle wildfarbigen Rassen. Wenn die weg sind, dann sind auch die Genreserven weg", sagt der Züchter. Denn die Vielfalt der Geflügelrassen werde allein durch die privaten Züchter erhalten.

Das Thema Vogelgrippe wird spätestens mit dem Vogelzug im Herbst wieder aktuell, sind sich die Geflügelzüchter sicher. "Wir wollen die Politik dafür sensibilisieren, welche negativen Auswirkungen die monatelange Einstallpflicht für die Zucht hat", sagt Eberhard Nakonzer, Vorsitzender des Kreisverbandes der Rassegeflügelzüchter Luckau-Lübben. Ziel sei es, eine Änderung im Tierseuchengesetz zu erreichen, in der die besonderen Bedingungen für die Hobbyhaltungen seltener Geflügelrassen berücksichtigt werden. Rassegeflügel brauche Freilandhaltung. "Auch ein Huhn will draußen scharren, picken, kratzen und sich im trockenen Sand baden, um damit Parasiten im Federkleid abzuwehren", sagt Frank Lehmann, der die Rassen "Deutsches Reichshuhn" und "Rodeländer Zwerge" züchtet.

Zudem stärke der ständige Aufenthalt in Licht, Luft und Sonne die Immunabwehr der Tiere. Wassergeflügel benötige vor allem Wasser für die Gefiederpflege und die Fortpflanzung. Monatelang im Stall auf sehr begrenzter Fläche eingesperrt zu sein, das widerspräche dem natürlichen Verhalten der Tiere. Und es wirkt sich auf die Gesundheit aus, wie René Fenske im vergangenen Winter bei seinen Enten der Rasse "Rouen" festgestellt hat: "Sie wurden um die Augen herum richtig schorfig, weil ihnen Wasser zum Baden und Reinigen fehlte."

Von den Haltungsbedingungen der privaten Züchter in Jetsch hat sich auch schon Brandenburgs Minister für Verbraucherschutz, Stefan Ludwig (Die Linke) informiert. Eberhard Nakonzer hatte ihn eingeladen. "Wir wollen ihm unsere ökologischen Anlagen zeigen und erreichen, dass wir im Interesse unserer Zuchten nicht wieder diesen Zwangsmaßnahmen unterliegen."

Denn inzwischen hätten viele Züchter aufgegeben, erklärte Rudi Peisker, Vorsitzender des Rassegeflügelzuchtvereins Golßen und Umgebung. Es steckten viel Arbeit drin und natürlich auch Kosten für Futter, Impfungen und das Brüten. "Wir haben hier noch einen gut funktionierenden Verein, in dem auch junge Züchter sind. Und das wollen wir erhalten. Es ist schwierig genug, Nachwuchs für dieses Hobby zu begeistern", sagt er.

Der Minister begrüßte die sehr offene Atmosphäre beim Besuch. "Die Züchter kümmern sich um ein Kulturgut, das auch international zur Biodiversität beiträgt." Deshalb lohne es sich, darüber nachzudenken, ob es für die privaten Züchter ermöglicht werden kann, Sonderlösungen zu gestalten. "Es werden aber immer Einzelfallentscheidungen in Zusammenarbeit mit den Veterinärämtern der Landkreise sein", resümierte Stefan Ludwig. Der Geflügelpestausbruch im vergangenen Winterhalbjahr sei der bisher stärkste in Deutschland gewesen. "Geflügelpest ist kein Schnupfen, die Eindämmung unterliegt nach EU-Recht der Seuchenbekämpfung", stellte er klar.