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| 01:41 Uhr

Gedenken an mysteriöse Flugzeugabstürze

Dichtes Gedränge an der Gedenktafel in Kemlitz. Fotos: Henry Blumroth/blu1
Dichtes Gedränge an der Gedenktafel in Kemlitz. Fotos: Henry Blumroth/blu1
Kemlitz. Bis heute ist unklar, warum vor genau 60 Jahren 26 russische Piloten bei Kemlitz ihr Leben ließen. Beinahe zeitgleich stürzten 13 Flugzeuge der 16. Luftarmee ab. Zur Erinnerung an die Tragödie wurde am Donnerstag auf dem Dorfplatz ein Gedenkstein und eine Gedenktafel enthüllt. Von Henry Blumroth

Was in und um Kemlitz vor 60 Jahren geschah, gibt noch heute Rätsel auf. Erich Barnack ist ein Besucher der Gedenksteinenthüllung in Kemlitz. Er war Augenzeuge. Den 14. April 1951 erlebte er so: „Ich war damals 20 Jahre alt. Ich habe gerade mit meiner Mutter auf einem Acker in Kemlitz Kartoffeln geerntet, als schwarze Unwetterwolken aufzogen. Kurz darauf knallte ein Flieger in das Silo vor Schacksdorf.“ Zwölf weitere Abstürze folgten. Fred Tzschoppe ist der Kemlitzer Chronist. Er sucht nach Antworten für die Abstürze. Doch ihm bleiben nur vage Vermutungen: „Die Piloten hatten kaum Übung im Flug nach Instrumenten. Vielleicht hat ein aufgezogenes Unwetter für die Abstürze bei der Übung im Verband gesorgt“, erklärt der Chronist.

Gerüchten zufolge war auch von falschem Benzin oder Sabotage die Rede gewesen. Bis zur Wende seien die Abstürze als Tabuthema kaum erwähnt worden, weiß der Chronist. „Glücklicherweise haben es die Piloten geschafft, nicht in einer Ortslage abzustürzen“, sagt der 49- Jährige.

Bei Schacksdorf, Altsorgefeld, Rosenthal und im Siebschen Grund sind die Flieger zu Boden gekracht. Nur wenigen der in Jüterbog stationierten Soldaten war eine Notlandung gelungen.

Zu Beginn der Gedenkveranstaltung wird es laut. Mit Feuerwehrsirenen und historischen Einsatzfahrzeugen ist die Kulisse des Absturzes vor sechs Jahrzehnten nachgestellt worden.

Unter den Zuschauern ist auch Sergey Golubyatnikov von der russischen Botschaft in Berlin. Golubyatnikov zeigt sich „froh, dass so viele Kemlitzer den russischen Soldaten gedenken“. Er sagt: „Danke, dass sie alle die Erinnerungen an meine Landsleute, ich sage bewusst nicht Soldaten, festhalten.“ Fred Tzschoppe hatte den Offizier eingeladen. Seit 2009 hätten sich mit dem Ortschronisten zahlreiche Geschichtsliebhaber, unter anderem aus Kemlitz, Dahme und Jüterbog, mit dem Massenabsturz der russischen Iljuschins beschäftigt. „Die Geschichte gehört nicht in eine verstaubte Dachkammer. Sie muss weiterleben“, so Fred Tzschoppe. So wurden der Gedenkstein und eine Tafel, auf der die Absturzstellen verzeichnet sind, von drei Jugendlichen aus der Ortswehr enthüllt.

Für Fred Tzschoppe ist mit der Enthüllung des Gedenksteins die Arbeit noch lange nicht erledigt. Im Jahr 2017 feiert Kemlitz seinen 800. Geburtstag.

Dann soll eine Chronik über den Ort veröffentlicht werden, in der viele geschichtliche Bausteine gesammelt und zusammengesetzt sind.

Sergey Golubyatnikov.
Sergey Golubyatnikov.