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Gartenvereinen fehlt junges Gemüse

Norbert Wendt ist der Vorstandsvorsitzende im Luckauer Kleingartenverein "Sonnenschein".
Norbert Wendt ist der Vorstandsvorsitzende im Luckauer Kleingartenverein "Sonnenschein". FOTO: M.-C. Zeidler
Luckau. Im Luckauer Kleingartenverein "Sonnenschein" geht die Gartenarbeit jetzt wieder richtig los. Die Pflanzen müssen in die Erde. Vorstandsvorsitzender Norbert Wendt macht sich Sorgen um die Altersstruktur der Gartenfreunde. Es fehlt das junge Gemüse. Michèle-Cathrin Zeidler

Norbert Wendt lässt den Blick über die Gärten schweifen. Erinnerungen werden wach. "Als wir angefangen haben, waren wir alle jung, aber heute ist die überwiegende Mehrheit der 91 Mitglieder Rentner", erzählt der Vereinschef. Rolf Franke, ebenfalls im Vorstand, hat die genauen Zahlen parat: "31 Gartenfreunde sind über 65 Jahre, 36 liegen altersmäßig zwischen 50 und 65. Lediglich 23 Mitglieder sind jünger als 50", sagt er.

Mitglieder meist Senioren

Rolf Franke zählt mit 84 Lenzen zu den Ältesten im Verein. "Ich bin noch fit, aber ich habe meinen Garten vor Kurzem an meinen Enkel übergeben", so der Senior. "Ich packe allerdings noch ordentlich mit an und stehe ihm mit Rat und Tat zur Seite", schmunzelt er. Franke hatte Glück, ein Interessent für sein kleines Paradies stand in der Familie bereit. Das sei nicht überall so, sagt Vereinsvorsitzender Norbert Wendt. "Alle wollen ihren Garten so lange behalten, wie es gesundheitlich machbar ist. Aber irgendwann kommt dann der Punkt, wo ein Nachfolger gesucht werden muss", beschreibt er die Entwicklung. Diese Suche gestaltet sich allerdings nicht einfach: "Meist haben die Kinder und Enkel kein Interesse an einem Garten. Manche haben ihre Oase daher auch schon an fremde Gartenfreunde verschenkt", sagt er.

Junge Familien gewinnen

Aktuell sind 59 der 60 Gärten vergeben, für einen muss ein Nachnutzer her. "Aber den müssen wir uns vorher noch ein bisschen angucken", sagt Vorstandsmitglied Helga Häusler.

Norbert Wendt versucht, mit seiner eigenen Liebe zum grünen Idyll die junge Generation anzustecken. "In den letzten drei Jahren haben wir sechs Gärten an junge Familien vergeben", sieht er kleine Lichtblicke. "Den Kindern gefällt besonders unser kleiner Fußballplatz. Außerdem gehen sie immer hinten im Graben Fische fangen", so der Chef.

Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. "Viele Jüngere arbeiten inzwischen auswärts, sodass nicht mehr viel Zeit für einen Garten bleibt", bedauert der72-Jährige. Zudem sehe mancher keinen Sinn darin, seinen eigenen Kohlrabi anzubauen,

wenn er doch im Supermarkt auch nur ein paar Cent kostet, sagt Norbert Wendt.

Garten ist das Hobby

Für ihn und seine Frau ist der Garten liebstes Hobby und ein Ort, um die Seele aufzutanken. Mit Gartenfreunden fachsimpeln sie gerne darüber, wann die Kartoffeln am besten in die Erde kommen, tauschen sich aus über Tipps und Tricks. Viele Jüngere aber wollten den Garten heutzutage nur noch zur Erholung und am liebsten gar nichts mehr anbauen, sieht Rolf Frank ein Problem. Das aber funktioniere nicht. "Laut Bundeskleingartengesetz muss ein Drittel der Gartenfläche bewirtschaftet werden", sagt er. Und an diese Vorschrift muss sich auch der Verein in Luckau halten.

"Zur Erholung" hat freie Gärten

Auch Werner Schilling vom Luckauer Kleingartenverein "Zur Erholung" hat Nachwuchssorgen. "Gut 60 Prozent der Mitglieder sind 60 plus", erklärt er. Es drohen bereits Parzellen zu verwildern. "Fünf Gärten sind schon seit zwei Jahren frei. Damit sie nicht im Unkraut versinken und Interessenten abschrecken, halten wir sie alle gemeinsam in Ordnung", beschreibt der Vorsitzende die Notlösung. Für ihn selbst sei es das Größte, im Garten zu buddeln und die Früchte eigener Arbeit zu ernten. "Aber die Interessen liegen heutzutage bei den Jüngeren anders", ist Werner Schilling Realist. Über einen Nachfolger für seine grüne Oase denkt er noch nicht nach. "Ich gärtnere auf jeden Fall, bis ich 80 bin", sagt der 68-Jährige.

Neue Wege finden

Günther Neumann war viele Jahre Vorsitzender im Gartenverein "An der Schanze" in Luckau. Auch dort dominieren die älteren Jahrgänge. "85 Prozent der Mitglieder sind schon in Rente, aber die Älteren sind gleichzeitig auch die aktivsten Mitglieder", sagt Günther Neumann. Nur vier der insgesamt 27 Mitglieder sind in den Dreißigern. "Bisher wird immer über einen Aushang im Supermarkt nach neuen Mitgliedern gesucht. Um jungen Nachwuchs zu gewinnen, muss der Verein sich künftig aber wohl Gedanken über neue Wege der Werbung machen", so der 66-Jährige.