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Gärtnereien setzen auf Tradition

Viel Handarbeit und häufiges Umsetzen der Gewächse ist bei der Züchtung von Pflanzen notwendig.
Viel Handarbeit und häufiges Umsetzen der Gewächse ist bei der Züchtung von Pflanzen notwendig. FOTO: A.Brautschek
Luckau. Discounter und Supermärkte machen es den kleinen Gärtnereien und Blumenläden mit Dumping-Preisen schwer. Manch ein Betrieb kann da nicht mithalten und setzt deshalb auf Pflanzen vom Großmarkt. Anders viele Gärtnereien aus der Region Luckau. Sie ziehen Gemüse und Blumen noch selbst. Anja Brautschek

Groß und kräftig müssen die Pflanzen sein. "Dafür nehmen die Kunden auch eine Anfahrt von 30 Kilometern in Kauf", sagt Waltraut Szafranski, Leiterin der Gärtnerei Goßmar. Dort werden vor allem Tomaten, Sommerblumen und Kräuter gesät. "Früher haben wir noch mehr angebaut, aber die Heizölpreise sind heutzutage viel zu hoch", erklärt sie. Das Saatgut brauche zum Keimen und Wachsen viel Wärme. Die hohen Energiekosten schlagen sich wiederum auf den Verkaufspreis nieder. "Mit den Preisen im Supermarkt können wir so nicht mithalten", so die Chefin der Gärtnerei Goßmar.

Über hohe Energiekosten klagt auch Gärtnerin Birgit Götze von der gleichnamigen Gärtnerei in Dahme. "Wir bekommen Heizkosten nicht gefördert und müssen genauso zahlen wie Privatpersonen", sagt sie. Götzes sind mit ihren Erzeugnissen täglich auf Wochenmärkten der Region präsent. Ohne dieses Standbein wären die Betriebsausgaben nicht zu stemmen, so die Gärtnerin. Der Abnehmerkreis werde kleiner. Die jüngere Generation machen vieles anders, ergänzt Senior-Chef Dieter Götze. Doch viele Kunden legten immer noch Wert auf Erzeugnisse aus heimischem Anbau, stellt auch er fest. Daher setzt der Familienbetrieb auf Traditionen und kultiviert einen Großteil der Pflanzen selbst. Das Gemüse sowie Beet- und Balkonpflanzen werden ausgesät und in Gewächshäusern und unter Glaskästen gezogen. Viel Freude am Beruf müsse man dabei allerdings mitbringen, so Dieter Götze. Denn die Pflanzensaat sei aufwendig. Ein Teil der Pflanzen werde als Jungpflanzen im Herbst zugekauft und über den Winter in den heimischen Gewächshäusern herangezogen. Als Beispiel nennt er Eisblumen. Sie seien eine sehr empfindliche Jungsaat. Verkaufsfertige Pflanzen vom Großmarkt bieten Götzes allerdings nicht an. "Wir wollen auf Wachstumshemmer verzichten, die bei solchen Pflanzen oft verwendet werden. Außerdem können wir die Zusammensetzung der Topferde beeinflussen", sagt Birgit Götze.

Rund 30 000 Stiefmütterchen warten derzeit in einem Gewächshaus der Drahnsdorfer Gärtnerei Leschnik auf den Kauf. Hinzu kommen zahlreiche Beet- und Balkonpflanzen, Stauden sowie etwa 40 Kräuterarten, die Lechnicks selbst züchten. "So eine Auswahl ist in Discountern nicht zu finden. Dabei sind unsere Pflanzen nicht wirklich teurer als solche im Supermarkt", erklärt Inhaber Dieter Leschnik. Zukaufen würde sein Gartenbaubetrieb lediglich Obstgehölze, denn "das ist ein ganz anderes Gebiet und stellt andere Anforderungen", erklärt der Gärtner. Die Qualität der eigenen Erzeugnisse schätzen Kunden - auch über die nahe Region hinaus. "Den Großteil an Gemüse wie Rucola, Kürbis oder Sellerie liefern wir nach Berlin", sagt Dieter Leschnik.