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Für den Abschied in Würde

Stiftungsvorsitzende Christine Theiss überreicht die Autoschlüssel an die Palliativschwestern Reinhild Schuster und Theresia Kindler (v.l.)
Stiftungsvorsitzende Christine Theiss überreicht die Autoschlüssel an die Palliativschwestern Reinhild Schuster und Theresia Kindler (v.l.) FOTO: be
Luckau/Dahme. Im Hof des Mehrgenerationenparkes "Viktoriastift" des Arbeiter-Samariter-Bundes in Dahme glänzt ein nagelneuer Pkw in der Sonne. Am Dienstagvormittag übergibt Dr. Christine Theiss, Vorsitzende der bundesweiten ASB-Stiftung, den Autoschlüssel an die Palliativschwestern Reinhild Schuster und Theresia Kindler. Carmen Berg

Die Stiftung fördert ein Projekt, mit dem der ASB-Ortsverband Luckau-Dahme Christine Theiss zufolge innerhalb des ASB-Bundesverbandes zu den Vorreitern gehört. Im März diesen Jahres ist hier der ambulante Palliativdienst für die Stadt Luckau und Umgebung an den Start gegangen.

Die speziell ausgebildeten Mitarbeiterinnen begleiten Schwerkranke, die ärztliche Kunst nicht mehr heilen kann, zu Hause in ihrer letzten Lebensphase. Sie kümmern sich darum, dass die Patienten möglichst keine Schmerzen leiden und ihr Leben bis zuletzt lebenswert bleibt. Dazu arbeiten sie mit Haus- und Palliativärzten, mit Krankenkassen, Sanitätshäusern und anderen Partnern zusammen.

Die Fachschwestern überwachen die von Ärzten verordnete Schmerztherapie, kontrollieren regelmäßig die Symptome und sorgen dafür, dass Hilfsmittel wie beispielsweise Pflegebetten schnell zur Verfügung gestellt werden, zählt Teamleiterin Reinhild Schuster einige Aufgaben auf. In Krisensituationen bis in die Sterbephase hinein sind sie für die Patienten und ihre Angehörigen da. "Wir klären auf, was passiert, leisten Beistand, hören zu", ergänzt Theresia Kindler. Rund um die Uhr sind die Fachkräfte erreichbar.

In einem Palliativteam zu arbeiten, sei kein Dienst wie jeder andere. Es brauche dafür viel Professionalität und Feingefühl, denn der Tod sei in der Gesellschaft noch immer ein Tabu, sagt Grit Hammer, stellvertretende Geschäftsführerin des ASB Luckau-Dahme. Stiftungsvorsitzende Christine Theiss erzählt, sie habe schon als Kind ihre Mutter, eine Hausärztin, auch zu Sterbenden begleitet. Dabei habe sie erlebt, wie wichtig es sei, dass jemand diese Patienten nicht nur medizinisch betreut, sondern sich auch ihrer Sorgen annimmt. Mit ihrer Förderhilfe wolle die Stiftung deshalb Projekte wie den ambulanten Palliativdienst für Luckau und Umgebung stärker in den Fokus rücken. ASB-Bundesgeschäftsführer Ulrich Bauch lobt das Projekt. "Es ist toll, was hier geleistet wird." Er kündigt an, der ASB wolle in den nächsten fünf Jahren bundesweit den Aufbau ambulanter Palliativdienste in der Fläche gezielt unterstützen, denn es bestehe Nachholbedarf.

Neben dem neuen Auto für die Palliativschwestern ist ein zweites Fahrzeug aufgestellt: der Brandenburger Wünschewagen. Landesgeschäftsführer Jürgen Haase hat ihn mitgebracht. Der Wagen ist dafür gedacht, Sterbenden letzte Wünsche zu erfüllen. Er finanziert sich ausschließlich aus Spenden. Mancher wünsche sich eine letzte Fahrt an die Ostsee, eine Frau wollte noch einmal im Frühling ihren Garten sehen, sagt Jürgen Haase. Heideblicks Bürgermeister Frank Deutschmann (parteilos), der am Dienstag zu den Gästen zählt, lässt sich vor dem Wünschewagen fotografieren. Mit dem Bild will er auf der Homepage der Verwaltung bei den Bürgern um Spenden werben. "Ich mache so etwas sonst nicht, für diese Sache aber schon", sagt er.

Zum Thema:
Jeder kann zum Erfüller letzter Wünsche werden. So manche Firma habe bei Jubiläen schon Geld statt Geschenken für diesen guten Zweck erbeten, doch auch jeder kleine Betrag sei herzlich willkommen, sagt ASB-Landesgeschäftsführer Jürgen Haase. Wer etwas geben möchte, kann dies tun auf das Konto "Brandenburger Wünschewagen" des ASB-Landesverbandes Brandenburg bei der Bank für Sozialwirtschaft, IBAN: DE 49 1002 0500 0003 5454 01,BIC: BFSWDE33BER, Verwendungszweck Wünschewagen.