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| 17:45 Uhr

Rettung in letzter Sekunde
Bröselndes Sorgenkind: Markt 13

 Der Giebel und andere Teile des historischen Gebäudes Am Markt 13 sind stark beschädigt. Rettungsmaßnahmen sollen die Sicherheit wiederherstellen. Perspektivisch will die Stadt das Gebäude sanieren und nutzen.
Der Giebel und andere Teile des historischen Gebäudes Am Markt 13 sind stark beschädigt. Rettungsmaßnahmen sollen die Sicherheit wiederherstellen. Perspektivisch will die Stadt das Gebäude sanieren und nutzen. FOTO: LR / Anja Brautschek
Das historische Gebäude ist in einem desolaten Zustand. Rettungsmaßnahmen sind notwendig. Erste Ideen zeigen dennoch: Es steckt Potenzial drin. Von Anja Brautschek

Der Giebel des Luckauer Hauses Am Markt 13 zeigt deutliche Risse im Putz und ist stark verformt. Die Stuckelemente lösen sich bereits. Auch der Schwamm breitet sich zunehmend aus. Das einst opulente Bürgerhaus ist mittlerweile in „einem kritischen Zustand“, bringt der Architekt Dr. Achim Krekeler vom gleichnamigen Büro die Situation auf den Punkt. „An manchen Stellen ist es bereits fünf nach 12“, sagt er während des Bau- und Wirtschaftsausschusses am Dienstagabend.

Um den weiteren Verfall des denkmalgeschützten Gebäudes aufzuhalten, sei schnelles Handeln gefragt. Eine Art Rettungsaktion ist nunmehr notwendig. Denn die Liste an Mängeln und Problemen ist lang. Der Giebel ist nicht mehr mit dem Dachtragwerk verbunden und droht abzustürzen. Eine Art Stützkorsett aus Balken und Ankern verhindert das seit einigen Jahren. Selbst das Fundament ist zum Teil angegriffen, fehlt an anderen Stellen sogar komplett.

Der Stucksaal im Erdgeschoss, das Herzstück des Gebäudes, ist über die Jahre des Stillstandes ebenfalls nicht vom Verfall verschont geblieben. Die Decke ist vom Schwamm geschädigt. Balken sind morsch, die Eisenträger im Keller verrostet und Außenwände haben sich über Jahrzehnte langsam verformt. Die Nebengebäude im Hof wie Speichergebäude und Eiskeller sind in ähnlich desolatem Zustand.

Genau diese Bereiche sollen nun zuerst gesichert werden. Dafür soll die Decke des Stucksaales abgefangen und mit Notstützen gesichert werden. Auch die maroden Eisenträger im Keller sollen abgefangen werden und so Entlastung schaffen. Das Speichergebäude im Hof gleiche eher einer Tropfsteinhöhle, beschreibt der Architekt. Ein Notdach soll weitere Feuchtigkeit aus dem Mauerwerk fernhalten. Entsprechende Ausschreibungen für diese Maßnahmen sind bereits vorbereitet und sollen schon in den kommenden Tagen veröffentlicht werden, bestätigt Lutz Borner vom Bauamt.

Anschließend will sich die Stadt in enger Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde und anderen Behörden dem Dachtragwerk widmen. „Auch der Stuck soll mit einer Art Gewebe wieder an die Fassade angeformt werden, sonst liegt er irgendwann auf der Straße“, beschreibt Dr. Achim Krekeler den Zustand. Diese Ordnungsmaßnahmen stellen die Statik wieder her und schaffen Sicherheit für das weitere Handeln. Erst dann kann die Sanierung angegangen werden. Weder Kosten- noch Zeitrahmen ist dafür bislang bekannt.

„Das ist wie eine Art Not-OP. Die Leistungsfähigkeit hängt vom Patienten ab“, beschreibt Bürgermeister Gerald Lehmann. Das Gebäude selbst und die einzigartigen Elemente bieten zahlreiche Potenziale für eine öffentliche Nutzung. „Ich kann mir gut vorstellen, dass es zur Belebung der Innenstädte beiträgt. Ich sehe sofort viele Möglichkeiten darin“, so Achim Krekeler.

Denkbar wäre nach Ansicht des Architekten, den imposanten Stucksaal künftig als Trauzimmer, für Veranstaltungen oder öffentliche Sitzungen zu nutzen. Das Speichergebäude im Innenhof könnte Anlaufpunkt für Bürger werden – ob als Bürgerbüro, für Energieversorger oder soziale Angebote. Auch die eine öffentliche Toilette, die bislang in der Innenstadt fehlt, könnte darin Platz finden. Großer Vorteil daran: Der Innenhof ist barrierefrei zugänglich.

Wie genau das Bürgerhaus genutzt werden könnte, ist derzeit aber noch Zukunftsmusik. Erst nachdem die Ordnungsmaßnahmen in Zusammenarbeit mit dem Architektenbüro Krekeler realisiert sind, kann die wirkliche Sanierung angeschoben werden. Dazu ist ein separates Ausschreibungsverfahren der Planungsleistungen notwendig, erklärt Bauamtsleiter Michael Krüger das weitere Vorgehen.