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| 13:39 Uhr

Dessau/Luckau
Fünf Jahre und zwei Monate Haft

Dessau/Luckau. Landgericht hat Urteil gegen Luckauer Räuberin gefällt.

Wegen besonders schweren Raubes in zwei Fällen ist eine 23-jährige Frau aus Luckau zu fünf Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt worden. In ein reguläres Gefängnis muss die junge Frau jedoch nicht einziehen. Die Zweite Strafkammer des Landgerichts Dessau-Roßlau folgte bei der Urteilsfindung den Anträgen von Staatsanwältin Marika Bahr und Verteidiger Sven Schneider, die Unterbringung in einer Bernburger Entziehungsanstalt fortzusetzen. Im Maßregelvollzug wird die drogenabhängige Frau also weiter therapiert.

Wie die Vorsitzende Richterin Uda Schmidt sagte, habe die Kammer die Strafe bewusst so bemessen, dass die Therapie nicht unterbrochen werden muss. „Da die Angeklagte bereits sieben Monate, drei Wochen und vier Tage an Untersuchungs- und Strafhaft verbüßte, war das möglich.“ Zur Rechenschaft gezogen wurde die junge Frau für Taten, die sie am 3. und 23. März 2016 im Landkreis Anhalt-Bitterfeld verübte. In beiden Fällen hatte sie zuvor synthetische Drogen konsumiert. Zunächst zwang sie ein ihr völlig unbekanntes Opfer, einen damals 14-jährigen Schüler, zur Herausgabe von 20 Euro. Dabei drohte sie, ein  Klappmesser zum Einsatz zu bringen.

Knapp drei Wochen darauf hielt sie in Pouch (Muldestausee) einem jungen Mann eine Spraydose vor das Gesicht. In der Sorge, ihm sollte Pfefferspray in die Augen gesprüht werden, händigte er der aggressiven, durch Drogengenuss enthemmten Angreiferin sein Handy und fünf Euro aus. „Ob in der Sprühdose Farbe war, ist unerheblich für uns gewesen“, erklärte die Richterin. „Wir sahen in der Art ihrer Verwendung ein gefährliches Werkzeug.“

Strafmildernd fiel hingegen ins Gewicht, dass die Luckauerin ein rückhaltloses, volles Geständnis ablegte und die Therapie mit Engagement und eisernem Willen durchzieht. Auch ihre Entschuldigung bei den Opfern floss positiv ins Urteil ein. „Negativ beeindruckt haben uns aber zum einen die massiven, zum Teil einschlägigen Vorstrafen. Zum anderen standen Sie unter einer laufenden Bewährung“, machte die Vorsitzende geltend. Gleichwohl habe man Abweichungen von einem normalen schweren Raub gesehen. So kam es zu keinem übermäßigen Gewaltausbruch, und die Beute bewegte sich auf einem niedrigen Niveau. Dadurch verschob sich der Strafrahmen.

„Wir sehen bei Ihnen positive Ansätze“, wandte sich Uda Schmidt zum Abschluss der Urteilsbegründung direkt an die gefasst wirkende 23-jährige Angeklgte. „Vor dem Hintergrund waren wir gewillt, Ihnen eine Chance zu geben. Es ist eine lange Zeit nötig und bedarf einiger Arbeit, um die Therapie zum Erfolg zu führen. Das ist die einzige Chance, die für Sie besteht. Diese sollten Sie nutzen. Wer weiß, ob Sie nochmals eine erhalten.“

Die Angeklagte verzichtete nach kurzer Beratung mit ihrem Anwalt auf eine Berufung. Auch die Staatsanwaltschaft wird kein Rechtsmittel einlegen. Damit hat das Urteil Bestand.