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| 03:04 Uhr

Frühzeitige Einblicke ins Berufsleben

Lübben. Was muss ich im Beruf alles können? Brauche ich die Prozentrechnung in Mathe später wirklich? Warum muss ich Rechtschreibung und Grammatik beherrschen? Und wofür soll ich die Tabellenkalkulation in Informatik lernen? Diese und viele weitere Fragen können die Schüler der Lübbener Spreewald-Schule schon beantworten, bevor sie sich um eine Ausbildung bewerben. Birgit Keilbach / bkh1

"Praxislernen" heißt das Fach, in dem sie sich frühzeitig mit dem künftigen Berufsleben vertraut machen. Heute endet der erste Teil für die Neuntklässler. Sechs Wochen lang haben sie an jedem Donnerstag in einem von ihnen selbst gewählten Betrieb mitgearbeitet.

Änna-Felicitas Franz absolvierte ihr Praxislernen in der Kita "Spreewald". Sie will Erzieherin werden und sammelt auf diese Weise erste Erfahrungen. "Ich freue mich jede Woche auf den Donnerstag, denn ich kann gut Kontakt zu den Kindern aufbauen und arbeite gern mit ihnen", sagt die 15-Jährige. Sie habe vor allem gelernt, wie sie die Kleinen an die Selbstständigkeit heranführen kann. "Nicht zu viel helfen, sie das machen lassen, was sie selbst schon können", sagt sie. Außerdem habe sie mit den Kindern einen Tanz einstudiert.

Kita-Leiterin Gabriele Kutzscher schätzt die Zusammenarbeit mit der Spreewald-Schule seit Jahren. Die Schüler brächten ihre Begabungen ein, wie Tanzen oder Sportspiele. "Das bereichert unsere Arbeit. Wir können weiter daran üben und das Thema noch ausbauen", erläutert die Kita-Leiterin. Die Praxiserfahrung trägt Früchte. Einige ehemalige Schülerpraktikanten sind jetzt an der AWO-Berufsschule auf dem Weg zum künftigen Erzieher.

Annika Straube-Betz hat sich den Blumenpavillon "An der Spree" ausgewählt, "weil ich Blumen faszinierend finde", sagt sie. Neben dem Binden von Sträußen, Anfertigen von Trauerschleifen und Gestaltung des Verkaufsraumes sei auch viel zu putzen, habe sie festgestellt. "Doch es macht viel Spaß und man kann eigene Ideen einbringen", resümiert Annika

Geschäftsinhaberin Birgit Koukal begrüßt diese Art der Heranführung ans Berufsleben: "Der Einblick in die Praxis ist wichtig für die Kinder, damit sie wissen, was alles dazu gehört und auf sie zukommt."

Zweimal während des neunten Schuljahres lernen die Spreewaldschüler jeweils sechs Wochen lang an einem Donnerstag die Praxis kennen. Sie suchen sich ihre Betriebe selbst aus. Die Schwerpunkte sollten einmal im Bereich Handel/ Handwerk und beim zweiten Mal im Bereich Soziales/Verwaltung liegen. "Es ist wichtig, dass sie sich in verschiedenen Berufen ausprobieren. Jungen sollten auch mal typische Frauenberufe kennenlernen und umgekehrt", nennt Elke Klatt ein Beispiel.

Die Lehrerin für Wirtschaft, Arbeit, Technik ist mit ihrer Kollegin Erika Lehmann für die Organisation des Praxislernens zuständig. Das dreiwöchige Schülerpraktikum zum Ende des Schuljahres wählten die Mädchen und Jungen dann sehr gezielt aus, aufgrund ihrer Erfahrungen. Diese können sie selbst gemacht haben oder entnehmen sie aus den Vorträgen der Mitschüler. Denn jeder habe nach dem Praxislernen ein Berufsbild anschaulich und nachvollziehbar darzustellen. Zudem hätten sie über das Praxislernen in Englisch zu berichten, denn Sprachkenntnisse spielten heute im Anforderungsprofil vieler Berufe eine wichtige Rolle, erläutert Elke Klatt.

Seit sechs Jahren wird das Praxislernen an der Spreewaldschule durchgeführt. Mit eindeutigem Ergebnis. "Jeder Schüler hat nach der zehnten Klasse entweder einen Lehrvertrag oder besucht eine weiterführende Schule", resümiert die Pädagogin. Zudem breche kaum einer der ehemaligen Schüler seine Ausbildung ab. Insgesamt habe sich auch der Leistungsdurchschnitt der Abschlussklassen verbessert, nennt Elke Klatt noch einen wichtigen Aspekt.