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| 02:49 Uhr

Frühstücken auf dem Bahnsteig

Torsten und Karola Strelow auf dem alten Bahnsteig, der zu einer idyllischen Frühstücksterrasse werden soll.
Torsten und Karola Strelow auf dem alten Bahnsteig, der zu einer idyllischen Frühstücksterrasse werden soll. FOTO: be
Dahme. Das Dahmer Bahnhofsgebäude, das zwei Jahrzehnte leer stand, hat neue Besitzer. Torsten und Karola Strelow wollen aus dem denkmalgeschützten Klinkerbau ein Domizil für Feriengäste machen. Carmen Berg

Den überwucherten Bahnsteig haben die neuen Besitzer von Erde und Gras befreit. Das Kleinpflaster ist wieder sichtbar. Ein Rosenbäumchen hat die "wilden Zeiten" überdauert und blüht. Im Grün der Bäume singen die Vögel. "Hier wird die Frühstücksterrasse für unsere Gäste entstehen", blickt Karola Strelow in die Zukunft.

Die Steuerberaterin und ihr Mann Torsten, der in Dahme eine Metallbaufirma betreibt, haben den Bahnhof im März gekauft und seither viele Stunden beim Aufräumen verbracht. Zwei Jahrzehnte Leerstand hinterließen draußen wie drinnen Spuren. "Vandalen sind durch den Keller eingestiegen, haben Kabel herausgerissen, Öfen zerschlagen und wohl alles, was sich zu Geld machen ließ, mitgenommen", erzählt Torsten Strelow. Abschrecken lassen sich die Eheleute von solchen Erfahrungen nicht. "Wir wussten, es wird eine Herausforderung, ein denkmalgeschütztes Leerstandshaus zu übernehmen", sagt Torsten Strelow. Schon 1993 wollte er den still gelegten Bahnhof erwerben. Damals hieß es, das Gebäude stehe nicht zum Verkauf, erinnert er sich. Doch bedauernd zurückschauen ist nicht sein Ding. Strelows planen die Zukunft.

Im Erdgeschoss, wo einst der Schalterraum mit Gepäckabgabe sowie eine Bahnhofsgaststätte untergebracht waren, soll ein Ferienappartement entstehen. Zudem will Karola Strelow mit ihrem Büro dort einziehen. In den beiden oberen Geschossen sind weitere Ferienwohnungen vorgesehen. "Insgesamt wollen wir drei Appartements schaffen, jedes etwa 100 Quadratmeter groß mit Küche, Wohnzimmer und getrennten Schlafmöglichkeiten für Eltern und Kinder", sagt die frisch gebackene Bahnhofsbesitzerin. Von den Denkmalschützern, die jeden Abschnitt der Sanierung begleiten werden, sei das Konzept positiv aufgenommen worden, ist Torsten Strelow nach ersten Gesprächen erleichtert. Viel Originales soll mit neuer Nutzung erhalten bleiben, von der roten Klinkerfassade bis hin zu den historischen Fenstern, sagt er.

Strelows sind zuversichtlich, dass die Idee vom Urlauben im alten Bahnhof ihre Liebhaber finden wird. Sie denken beim künftigen Gästeklientel an Radtouristen, die über die Fläming-Skate nach Dahme kommen, aber auch an Eisenbahnfreunde, für die so ein Ambiente Kult sei, sagt Karola Strelow. Bevor sie ihr Konzept entwickelten, hätten sich die Dahmenser andere zu Herbergen umgenutzte Bahnhofsgebäude angesehen. "Dort donnern noch die Züge vorbei, in Dahme sind die Gleise abgebaut. Der Gast wird das besondere Flair des Ortes erleben und hat dabei doch seine Ruhe", sieht die künftige Herbergswirtin einen Vorteil für das Angebot in der Flämingstadt.

Zwei bis drei Jahre planen die neuen Besitzer ein, "bis wir alles so haben, wie wir es uns vorstellen", sagt Torsten Strelow.

Das Interesse der Dahmenser am neuen Leben im alten Bahnhof sei von Anfang an groß. "Beinahe jeder der mittleren und älteren Generation hat Erinnerungen an diesen Ort", kennt Torsten Strelow den Grund. Leute, die vorbeischauen, erzählen davon, wie sie von hier auf Klassenfahrt nach Berlin gegangen seien oder in der Gaststätte gefeiert haben. So bleibe Geschichte in vielen kleinen Geschichten lebendig.

Zum Thema:
Im Jahr 1875 wurde die Eisenbahnstrecke Berlin-Dresden mit Halt in Uckro gebaut. Seit Beginn der 1880er Jahre habe es in Dahme Bestrebungen gegeben, einen Anschluss für die 13 Kilometer bis Uckro herzustellen. Es gründete sich eine private Eisenbahngesellschaft, damals eine der kleinsten Privatbahnen im deutschen Raum, blickt Dahmes Museumsleiter Tilo Wolf in die Geschichte. Am 31. Juli 1886 wurde die Strecke eröffnet. Zu dieser Zeit sei auch das Bahnhofsgebäude entstanden. Nach wechselvoller Geschichte fuhr am 3. Januar 1968 letztmalig ein Personenzug vom Dahmer Bahnhof ab. Fahrkarten jedoch gab es am Schalter in Dahme noch bis nach der Wende weiter zu kaufen, erzählt der Museumsleiter. Zum 31. Dezember 1993 wurde schließlich auch der Güterverkehr stillgelegt. Es folgte eine Demontage der Schienen.