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| 18:23 Uhr

RUNDSCHAU-Sommertour
Friedhof Dahme erzählt Heimatgeschichte

 Auch zur Grabstätte der Familie Schmidt, einer Tuchmacherdynastie aus dem 18. Jahrhundert, führt Tilo Wolf die Sommertour-Teilnehmer.
Auch zur Grabstätte der Familie Schmidt, einer Tuchmacherdynastie aus dem 18. Jahrhundert, führt Tilo Wolf die Sommertour-Teilnehmer. FOTO: Birgit Keilbach
Die RUNDSCHAU-Sommertour führt zu den Grabstätten verdienter Persönlichkeiten der Stadt Dahme. Und Tilo Wolf, der Leiter des Heimatmuseums, kennt auch die Anekdoten. Von Birgit Keilbach

Interessante Einblicke in das Leben und Wirken bekannter Dahmenser haben 30 Teilnehmer der RUNDSCHAU-Sommertour am Donnerstag erhalten. Zahlreiche kunsthistorisch und stadtgeschichtlich bedeutsame Grabmäler und Grabstätten befinden sich auf dem parkähnlichen Areal. Tilo Wolf, Leiter des Heimatmuseums der Flämingstadt, vermittelt während des Rundganges zahlreiche Fakten und so manch überlieferte Anekdote.

Bevor der Friedhof in städtische Hand kam, begruben hier die Karmelitermönche ihre Verstorbenen, denn „das Kloster gehörte nicht zur Kirchengemeinde“, erläuterte Tilo Wolf. Erst 1717 fanden hier die ersten drei Dahmer Einwohner ihre letzte Ruhe. Traditionelle Begräbnisstätten waren bis dahin die Kirchhöfe. 1759 habe es in Dahme noch einen weiteren Friedhof gegeben, mit rund 2000 Soldatengräbern. Dieser befand sich in der Jägerstraße/Ecke Mittelstraße, wo heute ein Spielplatz ist.

 Auf der Fläche hinter dem Grab des Heimatforschers Max Wald wurden 1945 zahlreiche zivile Opfer am Ende des 2. Weltkrieges begraben.
Auf der Fläche hinter dem Grab des Heimatforschers Max Wald wurden 1945 zahlreiche zivile Opfer am Ende des 2. Weltkrieges begraben. FOTO: Birgit Keilbach

Die Trauerhalle des städtischen Friedhofs wurde 1890 eingeweiht. Um diese Zeit sei auch die Eingangs­allee mit 17 Sandstein-Grabmalen entstanden. „Diese gehörten überwiegend der Familie Fritsche, damals eine Bäckerdynastie in Dahme – daher wurde sie auch Bäckerallee genannt“, blickte Tilo Wolf in die Geschichte.

Etwas versteckt unter Fichtenzweigen erinnert ein gusseisernes Kreuz an Amalie Haberland. Die Tochter eine wohlhabenden Kaufmannsfamilie habe erfolgreich den Gasthof „Zum Goldenen Löwen“ geführt. Heute befindet sich dort ein Einkaufsmarkt. Besonderer Verdienst der zeitlebens unverheiratet gebliebenen Dahmenserin ist der Neubau eines Hauses für die schon 1857 gegründete „Kinderbewahranstalt“. 1000 Taler habe sie dafür gestiftet. Die evangelische Kindertagesstätte „Amalienstift“ ist der älteste Kindergarten in Dahme. „1861 wurden im Kindergarten schon 60 Kinder betreut, von einer einzigen Erzieherin und einer Köchin“, fügte Tilo Wolf ein interessantes Detail an.

Auch Otto Unverdorbens Grab ist in zweiter Reihe der Eingangsallee zu finden. Es wird von der Oberschule gepflegt, die seinen Namen trägt. Der Erst-Entdecker des Anilins habe sich Mitte des 19. Jahrhunderts um die Stadt verdient gemacht, als er die Zigarrenindustrie hier angesiedelt hatte und den Einwohnern neue Einkommensquellen sicherte.

Das letzte Grabmal in der Allee erinnert an den preußischen Major von Poblocki, der am 7. September 1813 während der Befreiung Dahmes von den napoleonischen Truppen fiel. Begraben worden sei er auf dem Soldatenfriedhof. „Das Grabmal hat seine Frau gestiftet. Es ist eines der seltenen bis heute erhalten gebliebenen Grabmale aus dieser Zeit und deshalb regional- und kunstgeschichtlich sowie überregional bedeutsam“, wies Tilo Wolf die Zuhörer hin. Im Jahr 2000 sei es auf Initiative des Kulturvereins der Stadt restauriert und in der Allee aufgestellt worden.

Zwei Kriegsgräberstätten befinden sich auf dem Dahmer Friedhof. Auf einem Areal wurden zahlreiche zivile Opfer des 2. Weltkrieges begraben. Seit 2018 erinnert eine Tafel an diese Menschen. Auf dem zweiten Areal befinden sich Gräber deutscher Soldaten. „Hier versinnbildlicht sich das ganze Grauen des Krieges, wenn man erkennt, wie jung diese Soldaten waren“, macht der Museumsleiter nachdenklich.

Der Rundgang auf dem Friedhof führt zu weiteren Persönlichkeiten, die Dahmes Geschichte prägten. Der Heimatforscher und Lehrer Max Wald übernahm 1912 das Heimatmuseum. „Von seiner Sammelleidenschaft zehren wir noch heute“, sagt sein jüngster Nachfolger. Ernst Kube habe dessen Arbeit fortgesetzt. Kurt Grün war nach 1945 erster Bürgermeister der Stadt und spendete nach 1990 aus dem fernen Sao Paulo, wo er seit 1951 lebte, eine große Summe für den Erhalt der Schlossruine.

„Ich habe noch Fotos von mir aus dem Kindergarten Amalienstift“, erzählt Heidi Mähling. Für die Dahmenserin war der Rundgang „eine Auffrischung bekannter Namen wie Jacob, Haberland, Kube.“ Die Rosenthalerin Ellen Woischätzky-Heider fand es besonders interessant, „wie sich die Verbindungen zur Stadt herstellen lassen, Grünstraße und Amalienstift zum Beispiel.“ Ihr gefielen die Gedichte von Ernst Kube sehr gut. „Sie sind im Fläming-Platt geschrieben und drücken manches viel treffender aus als in Hochdeutsch.“ Hans-Georg Nerlich war überrascht von der Größe des Friedhofs. „Die großzügig ausgestatteten Grabmale zeigen, dass Dahme einst eine bedeutsame Stadt war“, sagte der Gebersdorfer.