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Friedensbotschaft über Ländergrenzen

In Vorbereitung auf das länderübergreifende Musikprojekt und die Aufführung in Litauen absolvierten die jungen und erwachsenen Musiker des Orchesters "grenzenlos" im Juli ein Probenlager im Luckauer Capitol.
In Vorbereitung auf das länderübergreifende Musikprojekt und die Aufführung in Litauen absolvierten die jungen und erwachsenen Musiker des Orchesters "grenzenlos" im Juli ein Probenlager im Luckauer Capitol. FOTO: Birgit Keilbach
Luckau. Seit vier Jahren arbeiten deutsche und polnische Musiker des Orchesters „grenzenlos“ am gemeinsamen Projekt der Friedenssinfonie. Das von der britischen Komponistin Hazel Leach geschaffene Werk wurde bereits elf Mal in beiden Ländern aufgeführt. In diesem Jahr werden die Musiker ihre Friedensbotschaft über eine weitere Ländergrenze – nach Litauen – tragen. Von Birgit Keilbach

"Die Menschlichkeit bewahren - auch in schweren Zeiten" ist der Leitgedanke. "Das Musikprojekt aktualisiert die Friedensthematik, indem es die Durchführung grenzüberschreitender kultureller Projekte demonstriert und einen Weg für europäische Zusammenarbeit in Frieden und gegenseitiger Toleranz und Achtung dokumentiert", erläutert Maret Kurrar. Dabei spielten konkrete Schicksale von Menschen und Orten der beteiligten Regionen sowie der Aufbau der Sinfonie eine entscheidende Rolle, ergänzt die Vorsitzende des Vereins "Musik und Leben" in Luckau und Lübben.

Am Projekt beteiligen sich der Partnerverein im polnischen Wschowa sowie die Musikschule im litauischen Utena. Gemeinsam werden jeweils 20 junge und erwachsene Musiker aus Deutschland, Polen und Litauen am 1. und 2. September die Sinfonie im litauischen Utena aufführen.

Für die Musiker aus dem Spreewald ist das eine Herzenssache. "Die ganze Welt verzankt sich immer mehr, überall hört man von Streit und Missverständnissen. Uns ist es ein Bedürfnis, eine andere Art der Kommunikation zu finden, als sich mit Worten gegenseitig aufzuheizen", sagt Karin Schönherz. Töne drückten Gefühle anders aus als Worte. "Wir wollen die Menschen über die Gefühlswelt erreichen." Das bringe die Sinfonie in ihren vier Sätzen nahe. Angefangen vom harmonisch-fröhlichen Leben in der Kleinstadt lässt sie den herannahenden und schließlich ausbrechenden Konflikt spüren, der zu Angst, Chaos und Leid führt. "Jedes Volk hat schon Kriege erlebt und es ist immer derselbe Ablauf. Nach jedem Krieg kommt diese große Trauer. Wir wollen ins Bewusstsein rücken, wie schlimm die Folgen von Kriegen sind. Aber am Ende auch Hoffnung geben, dass es nicht bis zum Äußersten kommen muss", erläutert Karin Schönherz das Anliegen der Musiker.

Dörte Rothes Großmutter hat im 2. Weltkrieg den Angriff auf Dresden miterlebt. "Solch ein Inferno soll nie wieder passieren. Musik verbindet, öffnet Herzen und hilft, Vorurteile abzubauen. Ich freue mich, dass nun schon drei Nationen zusammen spielen", sagt die Musikerin. Sie sieht darin einen Weg, wie die Menschen in Europa weiter zusammenwachsen und trotzdem jedes Volk seine Traditionen pflegen kann. Während des Aufenthaltes in Utena werde es auch Workshops mit Zeitzeugen litauischer Geschichte geben.

Projekt- und Orchesterleiter Holger Miertsch hatte schon Anfang der 1990er-Jahre erste Kontakte in das baltische Land geknüpft. "Ich war erstaunt über die Geschichte des Landes und habe mich besonders mit den Ereignissen des Blutsonntags in Vilnius am 13. Januar 1991 auseinander gesetzt." Dadurch sei ihm bewusst geworden, dass sich die Litauer während der Zeit der Sowjetunion immer als von russischer Seite besetzt fühlten. "Durch die Arbeit mit den Musikern in Litauen ist mir vieles klarer geworden", bilanziert er. In der aktuellen Situation, wo sich Nato und Russland genau dort direkt gegenüberstehen, wollen die Musiker mit dem trilateralen Projekt ein Zeichen setzen. Für Verein und Orchester sei diese Konzertreise eine neue Herausforderung "von der Probenarbeit über die Finanzierung, Organisation bis zu den Auftritten", so Holger Miertsch. Am Volkstrauertag, 19. November, wird die Sinfonie in der Schinkelkirche in Straupitz erklingen.

Kunstprojekt braucht Unterstützung
Wer den Verein "Musik und Leben" bei seinem anspruchsvollen Kunstprojekt unterstützen möchte, kann dafür eine Spende auf das Vereinskonto überweisen: Mittelbrandenburgische Sparkasse; IBAN: DE60 1605 0000 3682 0088 95; BIC: WELADED1PMP; Verwendungszweck: Spende Friedenssinfonie 2017.

Weitere Infos: www.verein-musik-und-leben.de