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Frevel in Luckaus Wäldern

Vandalismus, der Leben kosten kann: Siegbert Wetral und Bettina Kupke mit der zerstörten Notruftafel.
Vandalismus, der Leben kosten kann: Siegbert Wetral und Bettina Kupke mit der zerstörten Notruftafel. FOTO: be
Luckau. Nahe der Pilzheide in Walddrehna findet Revierförster Thomas Komar vor wenigen Tagen eine zerstörte Notruftafel. Vandalen haben das Metallschild gewaltsam vom Pfahl gerissen und geknickt, der Pfahl aus Aluminium ist geklaut. Carmen Berg

"Leute, die so etwas machen, wissen nicht, was sie anrichten. Im Ernstfall kann das Leben kosten", ärgert sich Bettina Kupke, Funktionsförsterin in der Luckauer Oberförsterei. Wie sie erklärt, sind Brandenburgs Wälder mit einem Netz von Rettungspunkten ausgestattet. Jeder trägt eine Zahl und ist mit einem Schild markiert. So können die Leitstellen bei einem Unfall den Notarzt präzise und schnell einweisen. "Ohne die Markierungen aber kann es dauern, bis die Retter im Wald die Unglücksstelle finden", sagt Bettina Kupke.

Ihr Kollege Siegbert Wetral verzeichnet, dass Vandalismus und auch Achtlosigkeit der Leute in den Wäldern steigen. Als ein weiteres Beispiel dafür nennt er das Verkippen von Gartenabfällen und Müll. "Sofas, Kühlschränke, Altreifen, aber auch Bauschutt, Asbestteile und alte Farben - es gibt nichts, was nicht illegal abgeladen wird", berichtet er. In der Regel einmal im Monat sind die Waldarbeiter der Luckauer Oberförsterei auf Tour, um aus den Revieren die unliebsamen Hinterlassenschaften abzufahren. 800 Arbeitsstunden brachten sie im Vorjahr dafür auf, allein die Lohnkosten für das Müll-Einsammeln beziffert Siegbert Wetral auf 20 000 Euro. Zehn große Container von jeweils zehn Kubikmetern kamen zusammen, so der Forstbeamte.

Jetzt in Herbst, wenn die Gärten winterfest gemacht werden, befürchten die Forstleute wieder verstärkt Ablagerungen von Pflanzen, Laub und Astwerk. "Mancher meint womöglich, da kommt doch Natur zu Natur", sagt Siegbert Wetral. Doch der Wald sei eine genau aufeinander abgestimmte Lebensgemeinschaft, die durch die Gartenabfälle gestört wird. Pilze würden eingeschleppt, oder es siedeln sich Pflanzen wie der Riesen-Bärenklau an, der bis zu fünf Meter hoch werden und beim Menschen schwere Hautentzündungen auslösen kann. Das Ablagern von Grünabfällen sei deshalb kein Kavaliersdelikt, erklärt der Forstmann.

Verursacher zu erwischen sei schwierig, bedauert Bettina Kupke. So bleiben die Entsorgungskosten am Steuerzahler hängen. Im Falle des zerstörten Notrufschildes erstattet die Oberförsterei Anzeige gegen Unbekannt. Manchmal aber gehe doch ein Frevler ins Netz, wie jüngst in einem besonders dreisten Fall im Raum Kasel-Golzig. Dort kippte jemand seine Gartenabfälle genau neben einem Schild ab, auf dem geschrieben stand: "Liebe Waldbesucher, an dieser Stelle dürfen Sie über das Abladen von Grünabfällen und Müll noch nicht einmal nachdenken." Den Mann kostete das 55 Euro Verwarngeld. "Und seinen Abfall wieder aufladen musste er natürlich auch", sagt Bettina Kupke.