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Freundschaft aus der Luftpost

Carino Eichler (9) aus Plaue und Ingeborg Noack-Koenigs (65) aus Luckau nach der gemeinsamen Gurken- und Himbeerernte.
Carino Eichler (9) aus Plaue und Ingeborg Noack-Koenigs (65) aus Luckau nach der gemeinsamen Gurken- und Himbeerernte. FOTO: privat
Luckau/Plaue. Brieffreundschaften sind in Zeiten von E-Mail und Handy selten geworden. Seit fünf Jahren hält dennoch ein ungleiches Paar Briefkontakt zwischen einer thüringischen Kleinstadt und Luckau. Daniel Friedrich / dfh

Alles begann im Sommer 2012: Im Kindergarten von Plaue bei Ilmenau (Thüringen) findet ein Luftballonwettbewerb statt. Die Kinder lassen mit Gas gefüllte Ballons aufsteigen, an denen eine Nachricht hängt. "Wir freuen uns über einen Brief von dem Empfänger dieser Nachricht", schreiben die Kinder auf den Zettel und hinterlassen gespannt ihre Adresse.

Einige Wochen später findet Ingeborg Noack-Koenigs aus Luckau beim Pilzesammeln den Ballon samt Nachricht auf dem Waldboden. "Ich dachte mir, das ist doch eine nette Aktion, und habe an die hinterlassene Adresse sofort zurückgeschrieben", erinnert sich die 65-Jährige. Der Absender ist der damals 4-jährige Carino. "Er hat sich sehr über die Antwort gefreut", sagt Mutter Michaela Eichler rückblickend. Zusammen schreiben sie wieder einen Brief, dieses Mal nicht per Zufalls-Luftpost, sondern mit konkreter Adresse nach Luckau. Es ist der Beginn einer bis heute andauernden (Brief-)Freundschaft.

"Nach einem Jahr Austausch wurden wir schließlich von Ingeborg nach Luckau eingeladen. Dort haben wir uns das erste Mal persönlich kennengelernt und eine Kahnfahrt im Spreewald unternommen. Die Chemie hat sofort gestimmt", berichtet Michaela Eichler. Im Jahr darauf hat ihr Sohn Einschulung - und bekommt Besuch von den Noack-Koenigs'.

Mindestens einmal im Jahr versuchen sich die beiden Brieffreunde zu sehen. Mittlerweile kann der inzwischen 9-Jährige Junge die Briefe selbst schreiben. Regelmäßig schicken sich beide auch Ansichtskarten aus dem Urlaub oder kleine Pakete, etwa zu Weihnachten oder zum Geburtstag. Beim letzten Besuch spielte Carino der Luckauerin Mozarts "Kleine Nachtmusik" auf der Gitarre vor. "Das ist so ein herzliches Verhältnis, bald wie zwischen Enkel und Oma", betonen beide unisono.

Auch wenn der Altersunterschied der Brieffreunde groß ist, verbindet die Beiden die Liebe zur Natur. Im vergangenen Jahr stand ein Besuch im Wildpark Johannismühle auf dem Programm, außerdem haben sie im Garten von Ingeborg Noack-Koenigs Himbeeren und Gurken geerntet. Beim Pilzesuchen im Luckauer Wald hat Ingeborg Noack-Koenigs Carino auch die Stelle gezeigt, an der sie einst den Luftballon mit seiner Adresse fand. Das ist nun genau fünf Jahre her: Zum Jahrestag in dieser Woche haben sich die Brieffreunde um18 Uhr wieder angerufen, über Neuigkeiten geplaudert und ganz bestimmt ihr nächstes Treffen geplant.

Zum Thema:
Brieffreundschaften wird ein besonderer Reiz nachgesagt: So haben sich auf diese Weise bereits während der deutsch-deutschen Teilung Menschen kennengelernt, aus denen später Ehepaare wurden. Manche Botschaften erreichen auch erst Jahrzehnte später einen Empfänger - etwa wenn sie per Flaschenpost versendet werden. Selbst heute noch gibt es Organisationen, die Brieffreundschaften mit Menschen in aller Welt vermitteln. (dfh)