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Frauen hauchen alten Fotos Leben ein

Erika Schaper (v.l.), Simone Sikorski und Jutta Hahn genießen die Veranstaltung innerhalb der Frauenwoche.
Erika Schaper (v.l.), Simone Sikorski und Jutta Hahn genießen die Veranstaltung innerhalb der Frauenwoche. FOTO: S. Bartholome
Luckau. Fotos aus vergangenen Zeiten flimmern am Mittwoch über die Wand im Mehrgenerationenhaus. Anfangs herrscht Stille, die Frauen schwelgen in Erinnerungen. sob

"Das bin ich als junges Mädchen", sagt die Leiterin des Mehrgenerationenhauses, Marita Kabitschke, plötzlich. Vor der Gesprächsrunde im Rahmen der 24. Brandenburgischen Frauenwoche hat die Fraueninitiative Luckau Bürgerinnen aufgerufen, Bilder aus den letzten Jahrzehnten einzuschicken.

Ob Fotos von Schulanfängen, der Arbeit auf dem Feld, Frauen in schicken Trachten oder vom Schlachtfest: Diese schwarz-weißen Zeitzeugen bringen die Frauen verschiedener Generationen ins Gespräch. "Es hat sich nicht nur die Modewelt, sondern vor allem auch die ländliche Region verändert", erzählt Erika Schaper. Einstimmig stellt die Runde fest, dass es vor über 50 Jahren - als Luckau deutlich mehr Einwohner zählte - auch beispielsweise viel mehr Theatervereine und vor allem Gaststätten gab.

Erika Schaper unterhält mit ihren Erlebnissen den ganzen Tisch. "Wenn ich bei meiner Familie Geschichten erzähle, wollen auch immer alle noch mehr hören", sagt die 88-Jährige weiter. Nur wenige Jahre ihres Lebens hat sie Luckau verlassen und in Wittstock ein Lokal geführt. "Kochen habe ich dort erst gelernt", erklärt Schaper, und ergänzt: "Die Zeit von heute ist gar nicht mehr mit der von damals zu vergleichen." Erinnerungen aus der Zeit des Krieges, ihrer Schul- sowie Kinderzeit fallen ihr wieder ein. Gespannt lauschen die Teilnehmerinnen. Das Ziel der Frauenwoche ist es, die gesellschaftlichen Bedingungen, die das Leben und Denken der Frauen geformt haben, aufzudecken. "Wir wollen uns Zeit nehmen, das kollektive Frauengedächtnis zu pflegen und zu nutzen", sagt Elke Voigt, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Dahme-Spreewald. Genau das hat die gestrige Veranstaltung geschafft.