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| 01:02 Uhr

Frau aus Sieb schickt Hilfe

Sieb.. Jedes Jahr vor dem 15. November stapeln sich in der Küche von Corinna Rudolph in Sieb Hunderte Weihnachtspäckchen. Hilfsbereite Menschen aus der Region haben sie für Kinder in Osteuropa gepackt, denen es oft am Nötigsten fehlt. Corinna Rudolph bereitet die Päckchen für ihre große Reise vor. Von Carmen Berg

Die 36-Jährige betreibt im knapp 100-Seelen-Dorf eine Sammelstelle für die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ . Initiiert vom Verein „Geschenke der Hoffnung“ mit Sitz in Berlin werde Kindern, die in Armut leben, eine Freude gemacht, erklärt Corinna Rudolph. Sie selbst habe 1999 aus einer christlichen Zeitung von der Aktion erfahren. „Mir hat diese Art der Hilfe sehr zugesagt. Etwas Praktisches zu tun, ist mir lieber gewesen, als Geld zu spenden“ , erzählt sie.
In ihrer Rosenthaler Kirchgemeinde hatte die junge Mutter davon berichtet. Dadurch seien in diesem ersten Jahr neben ihren eigenen Päckchen insgesamt 66 allein aus Rosenthal und Umgebung zusammengekommen. „Wir haben sie damals bis nach Prettin in der Nähe von Jessen bringen müssen, weil es in unserer Gegend noch keine Sammelstellen gegeben hat“ , sagt Corinna Rudolph.

Spender aus weitem Umkreis
150 Päckchen sind dafür laut Vorgaben des Trägervereins das Minimum. Diese Zahl sei zu schaffen, war die engagierte Christin überzeugt. Sie sollte Recht behalten. Inzwischen sind es in jedem November mehrere Hundert Päckchen, die bei Corinna Rudolph abgegeben werden. Sie kommen nicht nur aus der nahen Umgebung. Spender aus Golßen, aus dem Werbiger Raum, selbst aus dem mehr als 30 Kilometer entfernten Luckenwalde bringen ihre Gaben nach Sieb. In diesem Jahr werden dort auch die Päckchen aus der Luckauer Kirchgemeinde angenommen, in der diesmal keine eigene Sammelstelle eingerichtet wurde.
Für Corinna Rudolph ist es mit der Annahme allein nicht getan. „Jeder Schuhkarton muss kontrolliert werden“ , erzählt sie. „Es darf nichts Gebrauchtes eingepackt sein. Auch Süßigkeiten mit Gelatine wie Gummibärchen oder Kaubonbons sind nicht erlaubt“ , nennt sie Beispiele. Schokolade müsse gesondert vermerkt werden. „Ihre Einfuhr ist in manchen Ländern nicht gestattet“ , erklärt Corinna Rudolph. Die meisten Spender, berichtet sie, würden sich an die Vorgaben halten. Viele hätten bereits Erfahrung. Nicht nur Christen unterstützen die Aktion, erzählt Corinna Rudolph. Alte Menschen, die die Not der Nachkriegsjahre noch kennen gelernt hätten, seien ebenso darunter wie junge Familien mit Kindern, sagt sie.
Sie erinnere sich noch gut an die eigene Freude, wenn zu DDR-Zeiten die Weihnachtspäckchen aus dem Westen kamen. „Dabei war unsere Lage damals überhaupt nicht zu vergleichen mit der der Kinder, die wir jetzt beschenken. Für sie ist es oft das erste Geschenk, das sie in ihrem Leben bekommen“ , zieht Corinna Rudolph einen Vergleich.
Je näher der 15. November, der Schlusstag der Aktion, rücke, desto voller werde es in ihrer Küche, erzählt die junge Frau, der für ihr ehrenamtliches Engagement nur die Abende und Wochenenden bleiben. Tagsüber geht sie ihrer Arbeit nach im Büro einer ortsansässigen Metallbaufirma. Die Familie gebe ihr Rückenhalt, erzählt Corinna Rudolph. Die Töchter Saskia (16) und Katrin (11) packen mit zu. Mutter Erika Krüger, die mit im Hause wohnt, nimmt Spenden an, die tagsüber gebracht werden.
Die landläufige Meinung, dass mit schwieriger Wirtschaftslage die Taschen der Menschen zugeknöpfter werden, kann Corinna Rudolph für die Schuhkarton-Aktion nicht bestätigen. „Im Gegenteil. Wir haben von Jahr zu Jahr Zuwachs“ , erklärt sie.
Viele Spender würden es machen wie sie selbst, berichtet sie und verrät einen Trick: „Ich greife das ganze Jahr über zu, wenn es in Sonderaktionen gute und brauchbare Dinge günstig zu ergattern gibt.“ Schon für zehn Euro lasse sich auf diese Weise ein schönes Päckchen packen, ist sie überzeugt.

Tipps fürs Packen
Günstig sei es, eine Mischung in den Schuhkarton zu tun, erklärt die Sammlerin. „Etwas zum Anziehen oder für die Schule, eine Nascherei und ein kleines Spielzeug“ , so ihr Tipp. Die Geschenke würden vom Berliner Hilfsverein direkt vor Ort an die Kinder übergeben, sagt sie. Um die Transportkosten zu finanzieren, sei ein zusätzlicher Obolus von sechs Euro pro Paket nötig. Wer nicht selbst einen Schuhkarton packen möchte, könne zudem mit einer Geldspende einen „adoptieren“ , erklärt Corinna Rudolph.
Sie sei dankbar, dass es ihr und ihrer Familie gut gehe, so die Christin. Deshalb wolle sie gern etwas für andere Menschen tun. Einmal, erzählt sie, habe sie von einem Kind aus Bosnien-Herzegowina einen Dankesbrief bekommen. Geschrieben war er auf Papier aus ihrem Weihnachtspaket. „Da habe gespürt, wieviel Freude ein Geschenk - selbst ein kleines - bereiten kann“ , sagt sie.

Info zum Thema Kindern helfen mit „Weihnachten im Schuhkarton“
Informationen über die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ gibt es im Internet unter www.Geschenke-der-Hoffnung.org oder auch bei Corinna Rudolph in der Sammelstelle in Sieb, Am Eichengrund 7, unter Telefon 035451 / 9 00 62. Aktionsschluss ist am 15. November.