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| 09:56 Uhr

Förster gehen auf Entdeckungstour in den Wald

Prierow.. Dass Förster durch den Wald streifen, ist nicht ungewöhnlich. Wenn aber gleich mehrere Grünröcke in einem Revier unterwegs sind, noch dazu äußerst aufmerksam, muss etwas ganz Besonderes anliegen. Das war jetzt der Fall. Das Amt für Forstwirtschaft Lübben hatte Kollegen zur Exkursion in das Urstromtal bei Golßen geladen. Von Andres Staindl

Etwa 450 Hektar misst dieses Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Gebiet, davon rund 260 Hektar Wald. Es umfasst Teile des Geheges, die Werrach bei Prierow und den Reichwalder Busch.
50 bis 60 Arten Gräser und Farne sind dort zu finden, auch Bodenvegetation, die auf der Roten Liste der zu schützenden Pflanzen steht. Diese teils winzigen Exoten im Wald zu entdecken, zu erkennen und zu bezeichnen, fällt schon Fachleuten nicht leicht. Doch gerade die Förster sollen ihre Waldbewirtschaftungs- und Schutzmaßnahmen noch besser an den Erfordernissen und Ansprüchen der einzelnen Arten ausrichten.

Schulung für die Grünröcke
„Die Artenerfassung ist eine wichtige Dienstaufgabe der Förster, die dafür Kenntnisse über einzelne Arten benötigen“ , erklärt Burkhard Nass. Der Oberförster leitete die Exkursion gemeinsam mit Gunther Emmrich. Beide sind Spezialisten und damit Multiplikatoren für Pflanzen im Amt für Forstwirtschaft.

Frühjahrsblühern auf der Spur
Bei der Exkursion standen Frühjahrsblüher im Mittelpunkt der Schulungs-und Weiterbildungsmaßnahme. „Vielleicht eine Woche zu früh, da das Frühjahr in diesem Jahr sehr spät dran ist. Doch die Pflanzen sind schon da, fangen an zu blühen“ , sagt Nass. Er und seine Mitarbeiter haben im Vorjahr das FFH-Gebiet Urstromtal bei Golßen kartiert, penibel Tier- und Pflanzenwelt vermerkt. Die flächendeckende Waldbiotopkartierung ermöglicht konkrete Aussagen über Pflege, Schutz und Entwicklung von Waldflächen.
Ziel ist ein europaweites Schutzgebiet (Natura 2000). Seit der Kartierung kennt der Oberförster die Stellen noch besser, an denen besondere Frühjahrsblüher zu finden sind. Rund um „Lieschens Loch“ beispielsweise - einer kleinen Wasserstelle zwischen Prierow und Rietzneuendorf - finden sich zahlreiche Pflanzen, auf die Burkhard Nass und Gunther Emmrich die Förster aufmerksam machten. Auch eine Wildbirne zeigten sie, die schützenswert ist und am Waldrand steht. Die Revierförster sollen die Arten erkennen, sie erfassen und die Daten an das Haus des Waldes in Gräbendorf weiterleiten. Von dort aus erfolgt dann der Datenaustausch mit dem Brandenburger Landesumweltamt.
Neben Pflanzen stehen auch Säugetiere, Vögel, Lurche, Kriechtiere und Insekten unter besonderer Beobachtung. Für jede Arbeitsgruppe gibt es in den Forstämtern Spezialisten, die als Multiplikatoren Schulungen durchführen. „Besondere Konzentration gilt den Schwerpunktarten und Arten der Roten Liste“ , sagt der Oberförster. Deren Erfassung sichert ihren Schutz und ihre Ausdehnung. Die Einbeziehung von Naturschutzmaßnahmen bei der Waldbewirtschaftung ist eines der Hauptziele der Waldbaurichtlinie der Landesforstverwaltung.

Forstliches Eldorado
Das FFH-Gebiet Urstromtal bei Golßen bezeichnet Burkhard Nass als „forstliches Eldorado. Fast jede Woche werden wir hier neue Pflanzen entdecken“ , schwärmt er. Mit den Hinweisen der Exkursion werden die Förster jetzt noch aufmerksamer durch ihre eigenen Reviere streifen.