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| 02:41 Uhr

Flüssiges Gold aus dem Spreewald

Beim Rundgang durch das historische Mühlengebäude erfuhren die Gäste der Rundschau-Sommertour von Jörg Behrendt interessante Fakten und manche Anekdote aus der Mühlengeschichte.
Beim Rundgang durch das historische Mühlengebäude erfuhren die Gäste der Rundschau-Sommertour von Jörg Behrendt interessante Fakten und manche Anekdote aus der Mühlengeschichte. FOTO: Birgit Keilbach/bkh1
Sagritz. "Was macht den Spreewälder stark? Kartoffeln, Leinöl und Quark." Diesen Spruch kennen die Einheimischen seit Ewigkeiten, und wohl auch jeder Tourist probiert das Leibgericht der Region mindestens einmal. Birgit Keilbach / bkh1

Doch wie wird das Leinöl - auch flüssiges Gold des Spreewaldes genannt - eigentlich hergestellt? Antwort darauf gab die Rundschau-Sommertour mit rund 50 Teilnehmern am gestrigen Mittwoch.

Im historischen Mühlengebäude blickte Seniorchef Jörg Behrendt in die Geschichte der Mühle, die einst, mit Wasserkraft angetrieben, das Korn und auch die Ölfrüchte der Bauern aus der Umgebung verarbeitete. Dass die Mühle immer in Privatbesitz der Familie blieb, sei wohl dem glücklichen Umstand zu verdanken, "dass sie für die LPG nicht wirtschaftlich war", erzählte Jörg Behrendt.

Mit seiner Frau Christina nahm er 1998 die alte Tradition wieder auf. "Wir besuchten Märkte und stellten fest, dass es immer mehr Bedarf gibt." Bis zu fünf verschiedene Öle stellten sie mit der historischen Technik her. "Wir quetschen die Schale der Leinsaat nur auf und pressen sie dann mit der Stempelpresse aus", darin bestehe die Besonderheit des Verfahrens. Bei Verwendung einer Schneckenpresse werde das Korn bis aufs Kleinste zerstört. Der Unterschied sei deutlich am Geschmack erkennbar. Nur in der Straupitzer Mühle werde das Leinöl nach dem gleichen Verfahren hergestellt. 1935 sei die alte Presse der Kanow-Mühle nach Straupitz gekommen, das belegt ein Zeitungsausschnitt, der im Mühlengebäude ausgestellt ist. "Sie ist auch heute noch dort zu sehen", ergänzt Jörg Behrendt. Dass die Arbeit in der alten Mühle kraftaufwendig und schwer war, wird den Besuchern beim Rundgang auf den drei Etagen klar. Mit einem Seilzug wurden früher die Säcke per Hand bis unters Dach befördert. Heute wird das Mahlgut noch immer dort gelagert. Ein kleiner Elektromotor erleichtert inzwischen die Arbeit.

Moderne Technik hat im neuen Mühlengebäude Einzug gehalten. Die Maschinen wurden exakt ihren historischen Vorbildern entsprechend nachgebaut, erläutert Christian Behrendt den Besuchern, die durch eine Glasscheibe verfolgen können, wie die Leinsamen und Kürbiskerne in die verschiedenen Pressen gefüllt werden. 2014 begann hier die Produktion und auch die Herstellung von original Spreewälder Leinöl. Der Lein wächst auf den Feldern des Gurkenhofes Frehn in Schöneiche. Von dort bezieht die Ölmühle auch die Kürbiskerne, das daraus gewonnene Kürbiskernöl ist gleichfalls als Spreewald-Produkt zertifiziert. Insgesamt 17 verschiedene Öle hat die Mühle jetzt im Sortiment.

Dass es inzwischen so viele verschiedene Öle gibt, findet Alfons Senft aus Glienig interessant. Selbst esse er regelmäßig Leinöl und Schwarzkümmelöl. "Für die alten Pferde hole ich immer das Leinkuchenmehl, das tut ihnen gut." Für den achtjährigen Phillip Bergmann aus Prensdorf war "der große Mühlstein besonders interessant". Seinen Bruder Erik beeindruckte die Ölpresse. Oma Regina Bergmann hat sich schon viele Mühlen angeschaut, "doch hier war ich noch nie. Was in der Nähe liegt, übersieht man gern", resümierte die Prensdorferin. Mit Leinöl und Weizenkeim-Ölkuchen im Gepäck trat sie die Heimreise an.

Nächste LR-Sommertour ist am Dienstag, 1. August. Mit Kahnfährmann Martin Matthei und Kurator Harald Larisch geht es zu den Kunstwerken der Aquamediale rund um die Lübbener Schloss- und Liebesinsel. Treffpunkt ist um 10 Uhr am Hafen 2, Ende gegen 12 Uhr. Die Führung ist kostenfrei, die Kahnfahrt kostet 10 Euro.