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Integration in der Praxis
Schlange als Türöffner in Zützen

Gemeinsam nehmen es deutsche und Migrantenkinder beim Familienfest in Zützen auch mit einer Schlange auf und haben dabei Spaß.
Gemeinsam nehmen es deutsche und Migrantenkinder beim Familienfest in Zützen auch mit einer Schlange auf und haben dabei Spaß. FOTO: Carmen Berg / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Zützen. Deutsche und Flüchtlingsfamilien lernen sich bei einem Familienfest besser kennen. Von Carmen Berg

In der Mehrzweckhalle in Zützen „zaubern“ ein paar mutige deutsche und Migrantenkinder mit Clown Pipoline eine Schlange aus der Blechkiste. „Ist die echt?“, fragt eine kleine Zuschauerin in der ersten Reihe ungläubig. Sie ist. Die Neugier siegt schnell über das Gänsehautfeeling. Viele Jungen und Mädchen wollen das Tier berühren. Die Eltern lassen stattdessen lieber die Smartphones für Erinnerungsbilder klicken. Die „Schlangenbändigung“ ist Teil eines Familiennachmittags, den Sozialpädagogin Anke Blobel-Homagk von der DRK-Gemeinschaftsunterkunft in Zützen und die Kasel-Golziger Kita-Leiterin Carola Laqua gemeinsam vorbereitet haben.

In Zützen leben rund 110 Flüchtlinge und Asylbewerber. Um das Einleben in der fremden Kultur zu erleichtern, betreibt das Deutsche Rote Kreuz in der Unterkunft eine Eltern-Kind-Gruppe. Anke Blobel-Homagk ist seit zwei Jahren dort tätig. Sie betreut gemeinsam mit einer Erzieherin, unterstützt von Müttern und Vätern, derzeit zwölf Kinder aus fünf Nationen und bereitet die Steppkes, je nach freien Kapazitäten, auf einen Wechsel in die Kita „Zwergenland“ nach Kasel-Golzig vor. „Kinder gehen ungezwungen aufeinander zu. Den Eltern fällt das schwerer, hier gibt es Unsicherheiten, teils auch Berührungsängste“, sagt die Sozialpädagogin. Die Idee, bei Spiel und Spaß Hemmschwellen abzubauen, geht auf.

Schon am Eingang bekommen Eltern und Kinder bunt gemischt Plaketten in verschiedenen Farben. Träger derselben Farben bilden ein Team bei lustigen Staffelwettbewerben. Beim Schubkarrenrennen legen sich insbesondere die Väter ehrgeizig ins Zeug. Magomed Mintaev hat in seinem Rennen die Nase vorn, angefeuert von seiner Frau Zalina und den anderen Zuschauern. Der Vater aus Tschetschenien ist nicht nur an diesem Nachmittag ein geübter Steuermann. Wie er erzählt, bringt er mit dem Kleinbus des DRK jeden Tag Kinder aus der Gemeinschaftsunterkunft in die Kita nach Kasel-Golzig. Jeweils zwei Mütter fahren im Wechsel als Begleitung mit. „Es ist uns wichtig, dass die Kita für die Eltern nichts Anonymes ist, dass sie selbst nachvollziehen können, wo ihre Kinder den Tag verbringen“, sagt Anke Blobel-Homagk. Die Sozialpädagogin begleitet Mütter und Väter auch zu Elternversammlungen ins „Zwergenland“. Wo sie wegen der Sprachbarrieren Dingen nicht folgen können, erklärt sie ihnen alles Wichtige noch einmal in aller Ruhe im Nachhinein.

Diese Unterstützung sei ein Grund dafür, dass die Integration in der Kita gut funktioniert, sagt Kita-Leiteirn Carola Laqua. Seit eineinhalb Jahren kommen Zützener Flüchtlingskinder in ihr Haus. Sechs Plätze stehen zur Verfügung.

„Das Essen, die Sprache, anfangs wussten wir nicht, was auf uns zukommt“, erinnert sie sich. Doch die Erfahrungen seien schon bei den ersten Kindern positiv gewesen. Dass die kleinen Migranten verschiedenen Nationen angehören, erweise sich dabei als Vorteil: „Deutsch ist die gemeinsame Sprache. Beim Spiel lernen die Kinder sehr schnell“, so die Kita-Leiterin. Zudem bildete die Kita Patenschaften. Je ein deutsches und ein ausländisches Kind helfen einander bei den alltäglichen Dingen, zum Beispiel beim Anziehen vor dem Spiel im Freien.

„Die Kinder gehen sehr gern in die Kita“, sagt Magomed Mintaev. Auch Sven Kuban, Vater des zweijährigen Bennett, findet: „Es läuft gut, die Unterschiede merkt man bald gar nicht mehr.“

In gemischten Staffeln absolvieren deutsche und Migratenfamilien beim Familienfest in Zützen unterhaltame Wettbewerbe.
In gemischten Staffeln absolvieren deutsche und Migratenfamilien beim Familienfest in Zützen unterhaltame Wettbewerbe. FOTO: Carmen Berg / Medienhaus Lausitzer Rundschau