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Flickenteppich statt Landesstraße

Ein einziger Flickenteppich, die Landesstraße 71 bei Schiebsdorf im Landkreis Dahme-Spreewald bei Lucckau
Ein einziger Flickenteppich, die Landesstraße 71 bei Schiebsdorf im Landkreis Dahme-Spreewald bei Lucckau FOTO: Daniel Friedrich
Schiebsdorf. Wer mit dem Auto von Schiebsdorf nach Kasel-Golzig fährt, den schüttelt es ordentlich durch. Die Landesstraße 71 gleicht einem holprigen Flickenteppich aus zahlreichen ausgebesserten Asphaltklecksen. Daniel Friedrich / dfh

Seit neun Jahren kämpft der Schiebsdorfer Ortsvorsteher Eugen Worrich um die grundhafte Sanierung der Landesstraße - vergeblich. Auch einen Radweg habe der Ortsbeirat schon gefordert, denn immerhin neun Familien würden ihre Kinder täglich in den Kindergarten im benachbarten Kasel-Golzig bringen und würden gerne mit dem Fahrrad dorthin fahren. "Wenn schwere Lkw vom Kieswerk oder wegen einer Autobahnumleitung auf der schmalen Holperpiste fahren, beeinträchtigt das deutlich die Sicherheit der Radfahrer", sagt Eugen Worrich. Schließlich führe auch der Gurkenradweg auf diesem Abschnitt der L 71 entlang.

Die Argumente der Schiebsdorfer konnten den Landesbetrieb Straßenwesen bisher nicht überzeugen. "Wegen der geringen Verkehrsstärke bestehen derzeit keine Planungs- und Bauabsichten für einen Radweg", heißt es in einer Antwort des Landesbetriebes. Ähnlich schlecht sieht es auch für eine Grundsanierung der Straße aus: "Die geringen finanziellen Mittel der Landesregierung reichen nicht für den Ausbau der Straße aus. Wir können immer wieder nur partielle Reparaturen durchführen", sagt Horst-Peter Schulze von der Straßenmeisterei Luckau.

Genau das ist für Eugen Worrich unverständlich. "In diesem Jahr 2017 waren 450 Millionen Euro für den Straßenbau und zusätzlich 100 Millionen Euro für Verbesserung von Ortsdurchfahrten eingeplant. Was passiert denn mit dem Geld?", fragt er sich.

Die Antwort liefert das Infrastrukturministerium: Unter anderem wurde in die neue Umfahrung am Bahnübergang Altgolßen, in die Bahnüberführung Drahnsdorf und den Radweg von Zützen nach Golßen investiert. Da die L 71 jedoch zum "Grünen Netz" (siehe Infokasten) gehört, sei eine Grundsanierung nicht möglich, so ein Sprecher. Mehr noch: Kürzlich habe der Landesrechnungshof kritisiert, dass etwa 2000 Kilometer Landesstraßen ihre Funktion nicht mehr erfüllten, weil die Verkehrsbelastung gering ist und sie deshalb zur Kreisstraße abgestuft werden könnten. Der mit weniger als 1000 Fahrzeugen am Tag befahrenen Straße könnte es also bald noch schlechter gehen - Entscheidung Ende des Jahres.

Bis dahin bleibt den Schiebsdorfern weiter abzuwarten. Schließlich sind sie nicht die einzigen, deren Ortsdurchfahrt zu den 60 Prozent des "Grünen Netzes" in Brandenburg zählt, die als schlecht oder sehr schlecht bewertet wurden. An diesem Zustand wird sich auch in absehbarer Zeit nichts ändern.

Zum Thema:
In Brandenburg gibt es drei Netzkategorien: Das Leistungsnetz mit Autobahnen und einem Teil des Bundestraßennetzes mit hoher verkehrlicher Bedeutung. Das Grundnetz mit den übrigen Bundesstraßen und verkehrswichtigen Landesstraßen (ca. die Hälfte der Landesstraßen). Das "Grüne Netz" mit den Landesstraßen, die nicht zum Grundnetz gehören und eine geringe Verkehrsbelastung (weniger als 2500 Kfz/Tag) aufweisen. Sie haben eine geringe Bedeutung, weil sie keine größeren Zentren verbinden. Für sie gilt nur eine Erhaltungspflicht. (dfh)