Geführte Wanderritte, komplett zu buchen mit Übernachtung und Verpflegung, seien ein Novum im Land Brandenburg, erklärt Netzwerk-Managerin Birgit Lehmann. Im Fläming hätten Reiterhöfe vor zwei Jahren damit begonnen und den Verein "Erlebnisreisen Fläming zu Pferd" gegründet. Doch hat sich die Region laut Birgit Lehmann als zu klein erwiesen, um Gästen dauerhaft Attraktives bieten zu können. Deshalb hatte es Mitte Juli die erste Zusammenkunft der Dahmenser mit Reiterhöfen aus dem Spreewald gegeben. "Sieben Höfe aus dem Spreewald und drei aus dem Raum Baruth sind dem Verein beigetreten, der jetzt 22 Mitglieder hat", sagt Birgit Lehmann. Es gebe weitere Interessenten. Der Spreewald sei in den Vereinsnamen aufgenommen worden. Im neuen Vorstand seien Mitglieder aus beiden Regionen gleichberechtigt vertreten, so die Netzwerk-Managerin. Die Spreewälder, betont sie, hätten in den Verein nicht nur Absichtserklärungen mitgebracht. "In diesem Jahr hatten wir acht Wanderreit-Touren im Angebot, 2006 soll sich deren Zahl verdoppeln", nennt Birgit Lehmann einen ersten Effekt der Kooperation. Neben Touren durch den Niederen Fläming oder durch das Dahmetal werde es beispielsweise einen Ritt unter dem Motto "Wo die Gurken am dicksten sind" oder einen über eine ganze Woche durch den Spreewald, kombiniert mit Kahnfahrten, geben. "Wir versprechen uns davon, dass mehr Gäste auf uns aufmerksam werden", sagt Birgit Lehmann. Mit Förderhilfe der EU sei ein Prospekt in Arbeit, in dem sich alle Reiterhöfe des Vereins vorstellen. "Geplant ist eine Auflage von 30 000 Exemplaren. Das neue Material soll zur Pferdefachmesse Hippologica im Dezember in Berlin auf dem Markt sein", so die Fachfrau.Der Anfang ist schwer Birgit Lehmann bleibt dabei realistisch. "Der Aufbau von Wanderritten als touristisches Standbein kostet viel Mühe. Noch stehen wir ganz am Anfang." Bei mancher Tour habe es sich im letzten Moment entschieden, ob und mit wie vielen Teilnehmern sie stattfinden könne. So habe es Ritte mit nur vier Gästen gegeben. "Viel zu wenig, um die Unkosten zu decken", sagt Birgit Lehmann. Der Verein brauche einen langen Atem. "Wir müssen bekannter werden. Gemeinsam kann uns das eher gelingen als jedem für sich", ist sie überzeugt. Knackpunkt: Umfeld an den Strecken Lothar Wiwjorra, Geschäftsbesorger der regionalen Leader-Arbeitsgemeinschaft (LAG) Dahme-Heideblick spricht einen Knackpunkt an: "Nur Reiten ist den meisten Gästen zu wenig. Sie möchten mehr erleben. Gerade im Raum Dahme und Heideblick gibt die Infrastruktur dazu noch nicht allzu viel her." Wie LAG-Vorsitzende Ursel Ochs ergänzt, scheitere ein interessanter Zwischenstopp manchmal an einfachen Dingen wie fehlenden Anbindevorrichtungen für die Pferde. Als Beispiel nennt sie das Erholungsgebiet Körbaer Teich, wo es bisher zudem noch nicht gelungen sei, einen Kremser-Stellplatz auszuweisen. Dem stünden, sagt Birgit Lehmann, aber auch viele engagierte Ideen gegenüber. Sie erzählt vom Gedanken des Reitvereins Dahmer Land, aus der alten Badeanstalt in Wildau-Wentdorf eine Pferdeschwämme zu machen. "Pferde dürfen sonst nirgendwo zum Erfrischen ins Wasser, aber viele Reiter wünschen sich das", erklärt sie. Dass sich Unternehmen zu einem Netzwerk verbinden, sei bei allen Anfangsschwierigkeiten ein bedeutsamer Schritt, unterstreicht Lothar Wiwjorra. "Damit sind die Höfe Vorreiter für die regionale Tourismusbranche insgesamt", betont er.