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Fische fühlen sich wieder wohler

Schleusen sind nötig für die Regulierung des Wassers. Außer Wasserfahrzeuge sollten sie aber auch Fische überwinden können.
Schleusen sind nötig für die Regulierung des Wassers. Außer Wasserfahrzeuge sollten sie aber auch Fische überwinden können. FOTO: Andreas Staindl
Lübben. In den vergangenen Jahren wurde eine Vielzahl an Fischwanderhilfen gebaut. Sie stellen eine Durchgängigkeit her und verbessern damit die Lebensräume von Fischen. Andreas Staindl

Erste Erfolge sind schon nachweisbar wie der Fischereibiologe Frank Fredrich während des 13. Quappentags am Samstag in Schlepzig (Unterspreewald) sagte. Ihm zufolge werden zunehmend Fische im Spreewald gezählt, deren Bestände in den vergangenen Jahrzehnten stark rückläufig waren. "Fischwanderhilfen haben zu einer deutlichen Verbesserung geführt", sagt der Experte.

Hecht, Zander und Karpfen beispielsweise zählen zu den Hauptfischarten im Spreewald, im Unterspreewald zudem etwa Zander und Wels. Von einigen Arten wie dem Aal gebe es nur noch kleine Bestände. Langdistanzwanderer wie der Stöhr oder die Meeresforelle seien ganz aus der Lagunenlandschaft verschwunden.

Schuld am Rückgang verschiedener Arten seien die Menschen, die in früheren Jahren mit Bauwerken wie etwa Schleusen die Fließgewässer unterbrochen hätten. "Mit dem Bau von Fischwanderhilfen kleben wir quasi ein Pflaster auf diese Wunde", sagt Frank Fredrich.

Fischbestände sind ihm zufolge von vielen Faktoren abhängig. Die Verockerung der Spree wirke sich negativ auf den Bestand aus. Als Beispiel nannte der Fischereibiologe das Vetschauer Fließ, in dem 2006 noch 79 Fische pro 100 Meter gezählt wurden, fünf Jahre später aber nur noch 17,5 Fische. Zahlreiche Fische seien durch die Verockerung schon im frühen Stadium erstickt.

"Die Fische charakterisieren den biologischen Zustand eines Fließgewässers am besten", sagt Norbert Herrn vom Landesumweltamt. Er machte zudem auf die Bedeutung der Fischwanderhilfen aufmerksam: "Ohne Durchlässigkeit von Gewässern sterben als Erste die Langdistanzwanderer." Allerdings wandern ihm zufolge alle Fische, und zwar dorthin, "wo sie sich wohlfühlen". Deshalb wäre für ihn "ein Rückbau von Wehranlagen der Königsweg". Das lässt sich jedoch kaum realisieren.

Auch nicht mit dem Wehr bei Hartmannsdorf (Stadt Lübben). In den Ersatzneubau mit Kahnschleuse wird auch eine Fischaufstiegshilfe integriert. Sie werde zwei Millionen Euro kosten, wie Jörg Wiesner sagt. Der Geschäftsführer des Wasser-und Bodenverband "Nördlicher Spreewald" stellte das gesamte Projekt während des Quappentags vor. Der Ersatzneubau wird in zwei Bauabschnitten realisiert. Er kostet etwa 11,5 Millionen Euro und wird vom Bund mit 60 Prozent und dem Land Brandenburg mit 40 Prozent gefördert. Die komplette Fertigstellung der Baumaßnahme ist für 2019 geplant.

Fischwanderhilfen sind heute Standard bei jedem Ersatzneubau. Wassersportler würden gern davon profitieren. "Es sollte geprüft werden, ob auch Kanufahrer die Wanderhilfen nutzen können", sagt Rolf Sturz vom Kanu-Verband in Cottbus. Bei kleinen Anlagen sei das Norbert Herrn zufolge durchaus denkbar, bei großen allerdings nicht: "Das wäre zu gefährlich." Frank Fredrich verwies allerdings darauf, dass Fischwanderhilfen aus dem Topf des Umweltschutzes finanziert werden: "Wenn die Kanuten Wünsche haben, müssen sie sich mit eigenem Geld einbringen."

Kritisiert wurde während des Quappentags zudem, dass viel Geld für Wehranlagen ausgegeben und nichts für die Entschlammung der Gewässer getan werde. Eugen Nowak wies diesen Vorwurf zurück. Wie der Leiter des Biosphärenreservats Spreewald informierte, steht das Pilotprojekt "Entschlammung" des Landes Brandenburg kurz vor dem Abschluss. Das in der Lagunenlandschaft durchgeführte Projekt habe wichtige Erkenntnisse für künftige Entschlammungen gebracht. Laut Nowak sollen dieses Jahr drei bis vier weitere Gewässer im Spreewald entschlammt werden: "Wir sind auf einem guten Weg."

Den Quappentag soll es auch 2018 geben, so Anne Röver von der Unteren Wasserbehörde des Landkreises Dahme-Spreewald: "Wer Ideen für spannende Themen hat, kann sich gern melden."