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Filme, die zum Nachdenken und Reden anregen

Wie gewohnt hat Pfarrer Frank Gehrmann die Gäste in der Pfarrscheune auch zum 100. Film begrüßt. Seit 2003 bietet das Programmkino im Winterhalbjahr ausgesuchte Filme an.
Wie gewohnt hat Pfarrer Frank Gehrmann die Gäste in der Pfarrscheune auch zum 100. Film begrüßt. Seit 2003 bietet das Programmkino im Winterhalbjahr ausgesuchte Filme an. FOTO: Birgit Keilbach/bkh1
Langengrassau. Seit Oktober 2003 gibt es in Langengrassaur Pfarrscheune Kirchenkino im Winterhalbjahr. Filme, die sich mit den verschiedensten Fragestellungen im Leben beschäftigen, sind hier zu sehen. Seit 2009 ergänzen Dokumentarfilme das Angebot. Am Freitagvergangener Woche flimmerte der hundertste Film über die Leinwand. Birgit Keilbach / bkh1 bkh1

Ursprünglich habe hinter dem Kirchenkino die Idee gestanden, vor allem den Jugendlichen in der Region ein anspruchsvolles zusätzliches Kulturangebot zu machen, erläutert Pfarrer Frank Gehrmann. Dazu habe das Pfarramt eng mit dem Christlichen Verein Junger Menschen, CVJM, in Luckau zusammen gearbeitet.

Doch mit dem Weggang von Hans-Ulrich Dobler aus Luckau sei der Verein als Mitveranstalter weggebrochen. "Doch wir wollten ja nicht nur den Jugendlichen, sondern allen Altersgruppen in der Region ein anspruchsvolles Filmangebot mit der Möglichkeit zum anschließenden Gespräch machen", ergänzt er.

Alle Altersgruppen

Jeweils von Oktober bis März ist ein bis zweimal monatlich Kinotag in der Pfarrscheune. Zahlreiche Filme, die zum Nachdenken und zum Reden über das darin behandelte Thema anregen, ziehen Besucher aller Altersgruppen an. Inzwischen hat sich ein Stammpublikum entwickelt. Durchschnittlich kommen laut Pfarrer Gehrmann 25 Zuschauer zu jedem Kinoabend.

"Der absolute Renner war der Luther-Film im Jahr 2004, da war alles voll, bis zur Treppe", erinnert sich seine Frau Annegret.

Auch die Dokumentarfilme fänden eine gute Resonanz. "‚Unser täglich Brot' war der erste in dieser Reihe. Er lief im Frühjahr 2009", ergänzt Annegret Gehrmann, die auch die Vorauswahl trifft.

Dazu halte sie sich bezüglich des Filmschaffens auf dem Laufenden, lese viele Rezensionen und "dann schauen wir uns die Filme nach Möglichkeit gemeinsam an", berichtet sie über die Vorarbeit für eine Kirchenkino-Saison. Dabei würden auch thematische Schwerpunkte gesetzt, zum Beispiel Literaturverfilmungen oder der Umgang mit schweren Krankheiten. Um den 9. November herum stehe immer ein politisches Thema im Zusammenhang mit diesem bedeutsamen Datum in der deutschen Geschichte im Programm. Im vergangenen Jahr sei es mit "Zwei Leben" die deutsche Wiedervereinigung gewesen. "Dieses Jahr geht es um die Vorgeschichte zum ersten deutschen Auschwitz-Prozess", macht Annegret Gehrmann aufmerksam.

Film über Stephen Hawking

Am Freitagabend verfolgten die Zuschauer in der Pfarrscheune die authentische Geschichte des britischen Physikers und Kosmologen Stephen Hawking. Feinfühling und humorvoll zeigt dieser auf, wie der Wissenschaftler und seine Frau Jane einer unheilbaren Muskelerkrankung mit Liebe und Willenskraft viel Lebenszeit abtrozten, obwohl die Ärzte dem Mann bei der Diagnose nur noch zwei Jahre davon gaben. Während er Jahrzehnte weiter an schwarzen Löchern forschen kann, werden drei Kinder geboren, und Stephen Hawking lernt, im Rollstuhl zu sitzen und sich per Sprachcomputer zu verständigen.

Nachhaltige Eindrücke

"Hier werden immer Filme gezeigt, die einen ganz tiefen Sinn haben. Der heute war bisher der beste den wir gesehen haben, weil er auf wahrer Begebenheit beruht", sagt Kerstin Mache aus Kasel-Golzig. Durch eine Empfehlung seien sie auf das Kirchenkino aufmerksam geworden "und die Auswahl gefällt uns", ergänzt ihr Mann Siegfried. Winfried Matting aus Luckau gehört gleichfalls zu den Stammzuschauern: "Hier hat man die Chance, nicht weit von Luckau entfernt Filme mit Anspruch anzuschauen, die Hintergründe aufzeigen oder wahre Begebenheiten widerspiegeln."

Viktor und Christina Scholz aus Crinitz haben das Angebot im vergangenen Jahr für sich entdeckt. Ihnen gefällt die ganze Atmosphäre. "Es ist niveauvoll, sehr familiär und wir fühlen uns unter Gleichgesinnten. Hier Filme zu schauen, ist wie ein gutes Buch zu lesen", beschreibt das Ehepaar seinen Eindruck. Mindestens die Hälfte der 100 Filme hat sich Detlef Guth aus Falkenhain angeschaut.

Nachhaltigen Eindruck habe zum Beispiel "Summersby" hinterlassen. "Da hat nach dem Bürgerkrieg ein Mann die Identität eines Gefallenen angenommen und das durchgehalten, obwohl er verurteilt und hingerichtet wurde."

Dicht am Leben

Auch Elke Schober gefällt die Auswahl. "Es sind immer Themen die ganz dicht am Leben sind und einen deshalb ergriffen machen oder nachdenklich", sagt die Krossenerin.

Zum Thema:
Freitag, 11. November: "Labyrinth des Schweigens" - Der schwierige Weg zum ersten deutschen Auschwitz-ProzessFreitag, 25. November: "Der Chor -Stimmen des Herzens" - Ein Elitechor und ein junger AußenseiterFreitag, 13. Januar 2017: "A long way down" - Tragikomödie nach dem Roman von Nick HornbyFreitag, 27. Januar 2017: "Vergiss mein nicht" - Dokumentarfilm zum Thema "Alzheimer". Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr. bkh1