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Feuerwerk auf drei Saiten

Ein einmaliges Konzerterlebnis boten die Domristin Natalia Anchutina und der Pianist Lothar Freund am Sonntag in der Zieckauer Dorfkirche.
Ein einmaliges Konzerterlebnis boten die Domristin Natalia Anchutina und der Pianist Lothar Freund am Sonntag in der Zieckauer Dorfkirche. FOTO: Birgit Keilbach
Überaus beglückt und innerlich bewegt von einem außergewöhnlichen musikalischen Genuss haben die Zuhörer am Sonntagabend die Zieckauer Dorfkirche verlassen. Dargeboten haben ihnen diesen die russische Domra-Preisträgerin Natalia Anchutina und der deutsche Pianist Lothar Freund. Birgit Keilbach

Diese Kammermusik-Besetzung ist in Deutschland eher selten zu finden. In Russland zählt die mit der Balalaika verwandte Domra zu den klassischen Konzertinstrumenten, wie Lothar Freund mit seiner charmanten Moderation während des Konzertes dem Publikum nahe brachte. Seit mehr als zehn Jahren musiziert das Duo gemeinsam, und die mit den Jahren entstandene Symbiose im Zusammenspiel erschloss sich schon während der ersten Stücke.

Virtuos und in atemberaubender Geschwindigkeit brachte die international renommierte Domristin mit Plektron und Fingern die drei Saiten des bauchigen Instrumentes zum Schwingen. Sanft schwebten sehnsuchtsvolle Melodien durch das Kirchenschiff, perlengleich tropften Einzeltöne vollendet über den von ihr ausgebreiteten Klangteppich. Fließend der Übergang von zarter zu wieder anschwellender Intensität, mal leichtfüßig und melodisch, mal kraftvoll und rhythmisch betont. Das Spektrum der dargebotenen Werke reichte von klassischen Stücken in Bearbeitung für die Domra bis zu Werken russischer Komponisten, speziell für Domra und Piano geschrieben. Feinfühlig und aufs Beste harmonisch die Begleitung durch Lothar Freund an den Tasten.

Bis ins Innerste berührt und begeistert dankten die Zuhörer dem Duo in den Kirchenbänken stehend mit lang anhaltendem Beifall. Leichtfüßig nahm es seine Zuhörer daraufhin noch zu einer schwungvollen "Kalinka" mit und sorgte am Ende mit Bachs "Air" für pures Gänsehautgefühl.

"Die Virtuosität ist völlig faszinierend. Ich hätte nicht gedacht, dass man ein Volksmusik-Instrument derartig perfekt mit klassischem Inhalt spielen kann", war der Görsdorfer Frank Zelmer begeistert. Rolf-Marion Streu bewunderte, wie die Domristin die orchestralen Teile auf den drei Saiten interpretierte " in atemberaubendem Tempo Melodienfolgen spielt und dabei die Einzeltöne noch deutlich hervorhebt. Das ist phänomenal", schwärmte der Berliner. Die Luckauerin Barbara Kitzing war glücklich, solch ein Ausnahmetalent, das schon in der New Yorker Carnegie Hall spielte, in Zieckau zu erleben. "Es war ein sehr, sehr schönes Konzert, das noch lange in Erinnerung bleiben wird, denn diese Musik ging sehr zu Herzen", sagte Annegret Sallmann-Vick aus Altsorgefeld und nahm wie viele weitere Konzertgäste eine CD mit. Nicht nur das Konzert, das ganze Ambiente der kleinen, in die Natur eingebetteten Kirche war für Martina Glode sehr ansprechend. "Dieser Konzertort ist ein Geheimtipp für die Region", fügte die Langengrassauerin an. Längst für sich entdeckt hat ihn Marga Kleschnitzki. Zum dritten Mal besuchte sie mit ihrem Mann ein Zieckauer Konzert. "Uns gefällt das ganze Fluidum um die kleine Kirche herum. Diesmal war die Musik besonders beeindruckend und die Gedichte von Puschkin zwischen den Stücken waren eine Bereicherung", sagte die Golßenerin.

Von Freude erfüllt waren auch die Musiker nach dem Konzert. "Was kann es Schöneres geben, als stehende Ovationen und lachende Gesichter? Dann haben wir unser Ziel erreicht und Menschen mit unserer Musik glücklich gemacht", resümierte Lothar Freund.

Über Katharina von Bora mehr erfahren
Das nächste Konzert in Zieckau findet am Sonntag, 1. Oktober, um 16 Uhr statt. Thematisch gibt das Luther-Zitat "Ich würde meine Käthe nicht für Frankreich und Venedig hergeben…" vor, dass Katharina von Bora im Mittelpunkt steht. Das Orlando-Ensemble für Alte Musik zeichnet ein spannendes Lebensbild der entlaufenen Nonne und Ehefrau Martin Luthers in Texten und Musik. Die Kirchengemeinde richtet einen Bauernmarkt im Kirchhof aus. Der Eintritt ist frei, Spenden für die Reparatur der Kirchenglocken willkommen. (bkh1)


Ein einmaliges Konzerterlebnis boten die Domristin Natalia Anchutina und der Pianist Lothar Freund am Sonntag in der Zieckauer Dorfkirche.