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| 16:18 Uhr

Nachtexkursion
Kleine Flugkobolde hautnah erlebt

 Fledermäuse ganz nah: Maik Korreng zeigt den Teilnehmern einen Großen Abendsegler. Der protestierte lautstark und präsentierte seine kleinen spitzen Zähnchen dabei.
Fledermäuse ganz nah: Maik Korreng zeigt den Teilnehmern einen Großen Abendsegler. Der protestierte lautstark und präsentierte seine kleinen spitzen Zähnchen dabei. FOTO: Birgit Keilbach
Spannende Einblicke in tierisches Nachtleben im Görlsdorfer Wald. Von Birgit Keilbach

19 Fledermausarten sind in Brandenburg derzeit nachgewiesen. Sechs davon konnten die Teilnehmer einer Nachtexkursion der Heinz Sielmann Stiftung am Samstag ganz aus der Nähe betrachten. Unter dem Motto „Tierisches Nachtleben“ veranstaltete das Natur-Erlebniszentrum in Wanninchen eine spannende Erkundungstour für kleine und große Naturfreunde. Aus Crinitz, Dahme, Kemlitz, Finsterwalde und Schönwalde waren sie angereist.

Kernthema waren die Fledermäuse. „Unser Anliegen ist es, Menschen für diese nachtaktiven, fliegenden Säugetiere und den Erhalt ihrer Lebensräume sowie Nahrungsquellen zu sensibilisieren“, erläuterte Maik Korreng das Anliegen. Er befasst sich seit 15 Jahren in seiner Freizeit mit Fledermäusen und arbeitet in der Initiative Fledermausschutz Elbe-Elster mit, die dem Nabu Finsterwalde angegliedert ist. In einem Vortrag räumte er zunächst mit jahrhundertelang überlieferten Vorurteilen und Aberglauben auf. Zum Beispiel mit der Furcht, Fledermäuse würden in die Haare fliegen. Dafür könnten sie sich in der Dunkelheit viel zu gut per Echoortung orientieren. „Und einheimische Fledermäuse fressen nur Insekten“, entzog er auch dem Mythos des blutsaugenden Vampirs den Boden. Vorsicht sei dennoch geboten. „Eine Fledermaus niemals mit bloßen Händen anfassen“, warnte er. Denn die fliegenden Säuger seien Überträger der Tollwut. Finde jemand ein Tier, unbedingt Handschuhe anziehen, es vorsichtig in eine ausgepolsterte Kiste packen und den Nabu informieren.

Jede Fledermausart bevorzuge eine bestimmte Höhe für die Beutejagd. Der Große Abendsegler zum Beispiel den freien Luftraum über den Baumkronen, die Breitflügelfledermaus jage in Höhe der Baumkronen, die Teich- und Wasserfledermaus über Gewässern. „Das Große Mausohr, die größte heimische Art, jagt überwiegend am Boden“, sagte Maik Korreng. Spezialisiert seien sie auch. Langohr und Fransenfledermaus könnten zum Beispiel Raupen und Käfer von Blättern oder aus der Baumrinde absammeln, Wasserfledermäuse auch auf dem Wasser schwimmende Insekten herausholen. „Wasser trinken Fledermäuse wie die Schwalben am Tag.“

Die Population der nützlichen Insektenjäger sei jedoch nicht stabil, alte Quartiere mit Spalten und Ritzen in Mauerwerk und Holz würden abgerissen, Modernisierungen mit Wärmedämmung und Gittern zur Vogelabwehr verschlössen auch den Fledermäusen die Zugänge. Wie kann der Mensch helfen? Zum einen ist es möglich, Kästen am Haus oder im Garten anzubringen. Noch mehr helfe jedoch, in den Gärten wieder insektenfreundliche Pflanzen zu kultivieren. Die sinkende Zahl der Insekten wirke sich auch für die Fledermäuse negativ aus.

Im Natur-Erlebniszentrum und dem angrenzenden Görlsdorfer Wald gibt es davon noch genug. Bevor die Naturfreunde dorthin starteten, übte Wildnispädagoge Michael Hauptvogel mit ihnen das richtige Verhalten im Wald. Mit dem Eulenblick Bewegungen aus den Augenwinkeln wahrnehmen, mit zu Trichtern geformten Händen hinter den Ohren geflüsterten Zahlen lauschen und schleichen wie ein Fuchs gehörten dazu. Ganz still saßen sie dann alle im Wald, lauschten den Geräuschen und schauten nach Tieren. Spannend waren die Geschichten über Begegnungen mit Wildtieren. „Beim Zelten kam ein Fuchs, der hat einen Schuh von meiner Schwester mitgenommen“, erzählte Carolina Neuendorf aus Dahme. Mutter Birgit hat sogar schon einmal einen Wolf gesehen. „Wir waren bei Schöna Blaubeeren sammeln. Erst roch es ganz streng und dann kam ein Wolf vorbei. Er hat nur einmal zu uns geguckt und ist dann schnell weiter gelaufen.“

Inzwischen hatte Maik Korreng an den aufgestellten Netzen schon eine Reihe Fledermäuse eingefangen. Nacheinander zeigte er der Gruppe den Großen Abendsegler und die Mückenfledermaus, die kleinste Art in Deutschland. Auch die Fransen-, Rauhaut-, Wasser- und Mopsfledermaus konnten die Naturfreunde im Licht der Stirnlampe ganz aus der Nähe betrachten. Einige durften sie auch streicheln. „Das Fell ist ziemlich weich“, sagte Sean Ebeling aus Crinitz. Es sei super gewesen, ganz still im Wald zu sitzen und zu lauschen. Einen Zaunkönig hätten sie gehört und Glühwürmchen beobachtet. „So viele Arten Fledermäuse kennenzulernen, das war wirklich spannend heute“, resümierte Vater Mario Ebeling.