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| 17:29 Uhr

Fastnacht im Spreewald
Abrechnung mit dem Spreewald

Beim Versuch, den Spreewald zu entern, müssen die Piraten.die Sauerkraut-Bäuerin samt Stampffass ins Schlepptau nehmen.
Beim Versuch, den Spreewald zu entern, müssen die Piraten.die Sauerkraut-Bäuerin samt Stampffass ins Schlepptau nehmen. FOTO: Uwe Hegewald
Muckwar. Traditionelles Fastnachtstheater in Muckwar blickt hinter die Kulisse der Lagunenlandschaft Von Uwe Hegewald

Die Hände in den Schoß legen, das wollen und können sich die Einwohner von Muckwar (Gemeinde Luckaitztal) nicht erlauben. Nach dem Dorfwettbewerb ist vor dem Dorfwettbewerb sagen sie sich und werfen schon mal den Hut in den Ring. Platz zwei auf Kreisebene lässt Raum für Hypothesen. Geht vielleicht noch mehr? Können wir Raddusch hinter uns lassen? Und wie stellen wir das an? Die Schwächen der Konkurrenz aufzeigen und den Spreewald satirisch aufs Korn nehmen, lautete die Devise, beim Fastnachtstheater am Samstagabend.

„Bei der ersten Sitzung wurde die Grundidee formuliert, im Januar wurden dann mit dem rund 15-köpfigen Gros der Fastnachtstheaterleute Einzelheiten der Aufführung ausdiskutiert“, erläutert Friedhelm Bronk den Werdegang. Der inoffizielle Theater-Intendant räumt ein, dass es mitunter kontrovers zugegangen sei und sich die Frage stellte, was beim verbalen und szenischen Auskeilen überhaupt erlaubt ist.

Kompromisse wurden geschlossen, wie etwa bei der Wahl des Wirtshausnamens, in dem das Stück spielt. „Eigentlich sollte es ´Kneipe zum toten Touristen` heißen, schließlich einigten wir uns auf den Namen ´Zum scharfen Rettich´“, so Theaterleiter Bronk.

Eine unerschrockene Wirtin, alias Anne Stoffel, und ihre feschen Kellnerinnen führen Regie im Gasthaus, in das unangemeldeter Besuch Einlass begehrt. Piraten haben auf ihrem Beutezug über die Weltmeere nach einem Schlupfloch gesucht und sind im Spreewald fündig geworden.

Mit sprichwörtlich allen Wassern gewaschen, glauben die Freibeuter um ihren Kapitän Morgan, alias Benjamin Trogisch, mit den Gegebenheiten im Spreewald klarzukommen. Aber Fehlanzeige. Kommt ihr Kahn im Eisenockerschlamm nur schwerlich voran, wird die Crew auch noch von plagenden Mücken (Kinder-Ensemble) attackiert. Auf den Stufen vor dem Wirtshaus erblicken sie ein Skelett. „Ein Tourist, der seine Zeche nicht bezahlen wollte“, erklärt die Wirtin lapidar und erteilt den Piraten einen Auftrag: „Bringt mir das Edelste, was der Spreewald zu bieten hat. Sonst…!“

Weder mit Sauerkraut, Gewürz- oder grünen Gurken können die Freibeuter punkten und müssen sich zudem mit dem spartanischen Speisenangebot im Spreewald begnügen. „Wir waren monatelang auf See, haben uns von Dörrfleisch und Trockenobst ernährt und sollen uns jetzt mit Pellkartoffeln, Leinöl und Quark zufrieden geben“, keift Kapitän Morgan. Abermals macht sich die Crew auf die Suche nach dem Edelsten aus der Fließlandschaft: Meerrettich. Hätten sich die Kerle doch beim Blick auf den Gasthausnamen „Zum scharfen Rettich“ denken können, bemerken Zuschauer im proppenvollen Saal.

Durch den zieht zum Schluss ein (Beifalls-)Orkan, wie ihn die Piraten nicht einmal auf hoher See erlebt haben. Bevor auch Intendant Friedhelm Bronk per Kahn durch den Saal gleitet, spricht er allen seinen Theaterleuten ein riesiges Kompliment aus. „Wenn es wärmer geworden ist, sollten wir alle einen entspannten Ausflug unternehmen“, regt er an. Bliebe nur noch zu klären, wo es hingehen soll. „In den Spreewald“, schallt es durchs Muckwarer Gasthaus „Im Krug zum grünen Kranze“. So viel Fairness muss sein.