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Fast zu spät zur eigenen Hochzeit in der Kirche

Martin und Gerda Stahn aus Luckau feierten gestern im Kreis der Familie ihre diamantene Hochzeit.
Martin und Gerda Stahn aus Luckau feierten gestern im Kreis der Familie ihre diamantene Hochzeit. FOTO: Sophie Bartholome
Luckau. "Es ist ein Geschenk, dass wir uns noch haben", sagt Gerda Stahn freudestrahlend. Am ges trigen Donnerstag hat sie gemeinsam mit ihrem Mann Martin auf 60 gemeinsame Ehejahre zurückgeblickt. sob

Die 80-Jährige erinnert sich noch genau daran, dass sie fast zu spät zu ihrer eigenen Hochzeit kam. "Der Fahrer hat sich einfach verfahren", erklärt sie die Situation. Ihre Liebe zueinander fanden die Beiden in ihrer Heimat Sachsen. Erst 1996 ist das Ehepaar nach Luckau gekommen, um näher bei der Tochter und den zwei Enkeln zu sein.

Gefunkt hat es bei Gerda und Martin Stahn während der Arbeitszeit. Sie haben im Bahnhof Borna (bei Leipzig) gearbeitet. Da war es fast selbstverständlich, dass der Heiratsantrag des heute 86-Jährigen auch in einem Zugwaggon erfolgen sollte.

Etwa 40 Lehrlinge haben bei Eisenbahner Martin Stahn gelernt - aber auch bei seiner Frau. Sie brachte ihnen zwar nichts Technisches bei, dafür aber das leidenschaftliche Singen. Für ihre Chorarbeit bekam sie zudem eine Auszeichnung und 4000 Mark verliehen. Davon ließ sie die gesamten Chormitglieder einheitlich einkleiden. Aber auch sie selbst hat gern geschneidert. Das Hochzeitskleid ihrer Tochter Uta Tölpe und ihr eigenes Kleid zur Silberhochzeit hat sie sogar selbst angefertigt. Das Ehepaar hat nicht nur eine Zeit lang bei der Bahn gemeinsam gearbeitet, sondern ist auch gern mit dem Zug verreist. Vor allem an ihre Urlaube in der Schweiz erinnern sich die beiden Luckauer gern. "Das Matterhorn zu sehen, das war ein Erlebnis", sagt sie weiter. Aber auch die Urlaube an der Ostsee blieben in guter Erinnerung. Später arbeitete Gerda Stahn auch in der Braunkohle-Industrie in Borna.

"Meine Heimat vermisse ich nicht", sagt die 80-Jährige, die vor ihrem Umzug nach Luckau einige Bedenken hegte. Doch das Ehepaar wurde in der neuen Stadt so gut aufgenommen, dass sie sich in Luckau von Anfang an wohlfühlten. "Mit den Älteren im Haus haben wir uns auf Anhieb verstanden", erzählt sie.

Das Geheimnis ihrer 60 Jahre langen Ehe führen die Luckauer auf die Kompromissbereitschaft und gegenseitige Achtung voreinander zurück. "Heute wollen die meisten jungen Leute nur noch ihren eigenen Willen durchsetzen", findet die Ehefrau, und ergänzt: "Wir haben Höhen und Tiefen miteinander gemeistert". Zudem sei es wichtig, nicht nur den anderen von Grund auf zu verstehen, sondern auch die jeweilige Lebensweise des Partners. Auch heute noch unterstützt sich das Ehepaar dort, wo es möglich ist.