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| 02:41 Uhr

Farbkugeln statt Tierfutter

Über eine Paintballanlage, hier ein Foto von einer inoffiziellen Europameisterschaft, wird gegenwärtig in der Gemeinde Märkische Heide diskutiert. Sie soll auf dem Gelände der Gröditscher Agrargemeinschaft entstehen. Dieser Sport, bei dem auf Menschen Farbkugeln geschossen werden, ist umstritten.
Über eine Paintballanlage, hier ein Foto von einer inoffiziellen Europameisterschaft, wird gegenwärtig in der Gemeinde Märkische Heide diskutiert. Sie soll auf dem Gelände der Gröditscher Agrargemeinschaft entstehen. Dieser Sport, bei dem auf Menschen Farbkugeln geschossen werden, ist umstritten. FOTO: Kiefer/dpa
Groß Leuthen. Die Gröditscher Agrargesellschaft mbH & Co.KG will eine Paintball-Anlage errichten und betreiben. Andreas Staindl / asd

"Es wäre die erste im Landkreis Dahme-Spreewald", sagt Annett Lehmann (parteilos). Der Bürgermeisterin der Gemeinde Märkische Heide zufolge soll die Anlage auf dem Gelände des landwirtschaftlichen Betriebs entstehen: "Sie wäre eine Chance, den alten, leerstehenden Schweineställen inklusive des Außengeländes neues Leben einzuhauchen."

Paintball ist der Bürgermeisterin zufolge allerdings "politisch umstritten". Deshalb sollten sich die Gemeindevertreter während ihrer Sitzung kürzlich grundsätzlich zum Vorhaben äußern. "Wenn die Gemeinde dagegen ist, verfolgen wir das Projekt nicht weiter", sagt Matthias Nowigk. Der leitende Mitarbeiter des Betriebs in Gröditsch will die Paintball-Anlage als Standbein der Agrargesellschaft etablieren. "Wir haben lange überlegt, was wir mit der etwa 7000 Quadratmeter großen Freifläche und den leerstehenden Ställen machen", erzählt er. "Allein mit Tierhaltung ist eine wirtschaftlich sinnvolle Nutzung nicht machbar. Paintball wäre eine Chance, etwa Interessantes für die Region zu schaffen." Ihm zufolge fehlt in der Märkischen Heide "ein kleines Highlight, ein Bonbonchen".

Für Sylvia Lehmann (SPD) ist es "schwer vorstellbar, dass die Paintball-Anlage ein Bonbonchen wird, so wie etwa die Scheunenherberge in Neu Lübbenau". Dort im Amt Unterspreewald hat die Agrargenossenschaft Spreetal eG ebenfalls neue Wege bestritten, und ist erfolgreich damit. Andere Gemeindevertreter wiederum stehen dem Vorhaben in Gröditsch aufgeschlossen gegenüber. "Die Anlage würde Leute aus anderen Regionen locken", erwartet Bernd Lehmann (SPD). "Warum sollten wir diese Chance nicht nutzen?" Ronald Görick (SPD) hat Paintball "selbst schon gespielt", wie er sagt. Dass sich dabei Spieler mittels Druckluftwaffen mit Farbkugeln beschießen, hält er "nicht für kriegsverherrlichend".

Im Gegenteil: "Wenn junge Leute getroffen werden spüren sie, dass Schießen auch weh tut. Das kann ganz heilsam sein." Er ist deshalb "grundsätzlich offen für die Idee. Sie zieht bestimmt mehr Jugendliche, als das landwirtschaftliche Museum auf dem gleichen Gelände."

Matthias Nowigk könnte sich eine Kombination aus Museum und Paintball-Anlage durchaus vorstellen. Die Landwirtschaftsausstellung liege wegen fehlenden Personals derzeit im Dornröschenschlaf und könnte durch das neue Vorhaben zum Leben erweckt werden. Matthias Nowigk nennt seine Vision "Abenteuer Landwirtschaft. Wir würden einen Bogen von der Tierhaltung, über den Ackerbau, historische Arbeitsgräte bis hin zum Paintball schlagen. Besucher könnten in alle Bereiche reinschnuppern. Landwirtschaft bleibt aber unser Kerngeschäft."

Er hat die Gemeindevertreter zu einem Vor-Ort-Termin eingeladen. Die Kommunalpolitiker haben zugesagt. Der Ortsbeirat in Gröditsch hat sich schon positiv zum Vorhaben geäußert, wie Annett Lehmann sagt: "Allerdings war das Interesse der Bürger dieses Ortsteils an der Vorstellung des Projekts überschaubar." Der Gemeindevertreter Horst Möbus (SPD) hat nichts gegen Paintball: "Dieses Spiel hat sich längst etabliert. Wir sollten es versuchen." Christine Exler (Initiative Zukunft) befürchtet, "dass die Anlage missbraucht werden könnte. Allerdings gibt es tatsächlich viele junge Leute, darunter auch Frauen, die sich mit Begeisterung auf Paintball-Anlagen tummeln."

Ob das künftig auch in Gröditsch der Fall sein wird, ist noch offen. Zuvor sind mehrere Planverfahren nötig, um die Fläche umzuwidmen und sie statt als Intensivtierhaltung als Freizeitanlage auszuweisen wie die Bürgermeisterin sagt. Zudem müssen ihr zufolge alle betroffenen Flächeneigentümer mit dem Vorhaben einverstanden sein. Sie hofft, dass das "nicht das Zünglein an der Waage wird, denn einer der Eigentümer ist bisher nicht erreichbar".

Zum Thema:
Paintball ist ein Freizeitsport, bei dem sich Spieler gegnerischer Mannschaften mittels Luftdruckwaffen mit Farbkugeln beschießen. Es gibt zahlreiche Spielvarianten. Paintball hat seine Wurzeln in den USA und wird seit Jahren auch in Deutschland gespielt, inzwischen in zahlreichen Ligen.