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| 02:54 Uhr

Expertentipps zum Thema: Wie wird man Erbe?

Luckau. Der Tod eines nahen Angehörigen ist ein schmerzliches Ereignis. Die Abwicklung der Beerdigung übernimmt das Bestattungsinstitut. Die Frage, wer Erbe geworden ist, haben die Hinterbliebenen selbst zu klären. Notarin Rita Knieschke erklärt Einzelheiten. red/fri

Hatte der Verstorbene (Erblasser) ein notarielles Testament errichtet, bereitet dies meist keine Probleme, da es zwingend beim Nachlassgericht verwahrt wird. Sobald das Nachlassgericht Kenntnis vom Tod des Erblassers erlangt hat, eröffnet es das Testament und sendet es den Personen zu, die in dem Testament bedacht sind - und den Personen, die von Gesetzes wegen Erbe geworden wären. Das gilt auch, wenn der Verstorbene ein handschriftliches Testament in die amtliche Verwahrung des Nachlassgerichts gegeben hat. So erfährt man in diesem Fall die Erbfolge.

Häufig werden handschriftliche Testamente zu Hause aufbewahrt. Dies birgt die Gefahr, dass sie nach dem Tod des Erblassers nicht gefunden werden oder "verschwinden". Von Gesetzes wegen ist jeder, der ein Testament in Besitz hat, mit dem Tod des Erblassers verpflichtet, es beim Nachlassgericht abzuliefern, damit dieses die Testamentseröffnung vornehmen kann.

Ist kein Testament vorhanden, greift die gesetzliche Erbfolge. Die Klärung der gesetzlichen Erbfolge kann sich im Einzelfall als schwierig erweisen, wenn es etwa keine nahen Verwandten oder Kinder aus unterschiedlichen Beziehungen gibt. Die notarielle Erfahrung zeigt, dass häufig falsche Vorstellungen über die gesetzliche Erbfolge bestehen. Deshalb sollten Personen, die kein Testament errichtet haben oder errichten wollen, dringend die Frage klären, wie sich die gesetzliche Erbfolge nach ihrem Tod gestalten würde.

Die Erben können über den Nachlass nur dann verfügen, wenn sie ihr Erbrecht nachweisen können. Dies ist bei einer notariellen Regelung meist kein Problem, denn hierfür reicht im Allgemeinen das Protokoll über die Testamentseröffnung des Nachlassgerichtes mit dem anliegenden Testament aus. Anhand dieser Urkunden kann der Erbe etwa als Eigentümer im Grundbuch eingetragen werden. Bei einem handschriftlichen Testament oder dem Eintritt der gesetzlichen Erbfolge scheidet der vorherige einfache Weg aus. Hier muss der Nachweis der Erbfolge durch Erbschein geführt werden. Der Erbscheinsantrag kann bei einem Notar oder beim Nachlassgericht gestellt werden. Bei gesetzlicher Erbfolge muss die Erbfolge durch Vorlage der Personenstandsurkunden nachgewiesen werden. Anhand des Erbscheinantrages erteilt das Gericht den Erbschein. Sowohl der Antrag als auch der Erbschein verursachen Kosten.

Mit dem Tod einer Person (Erbfall) geht das Vermögen (Erbschaft) als Ganzes automatisch auf den oder die Erben über. Es ist also keine Erklärung über die Annahme der Erbschaft notwendig. Möchte man den Anfall der Erbfolge vermeiden, etwa weil die Erbschaft nur aus Schulden besteht, muss man die Erbschaft binnen sechs Wochen ausschlagen, nach dem der Erbe Kenntnis vom Anfall der Erbschaft erhalten hat. Diese Ausschlagung kann bei einem Notar oder beim Nachlassgericht erklärt werden. Im Falle einer wirksamen Ausschlagung wird man nicht Erbe und hat damit eventuelle Schulden des Erblassers nicht zu tragen. Mehr zum Thema Erben erfahren Sie beim Leserforum in Luckau am 6. September um 18 Uhr in der Loge, Brauhausgasse 1.