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| 02:47 Uhr

Experten sagen Algen den Kampf an

Goyatz. Der Schwielochsee gehört zu den größten und bekanntesten Gewässern Brandenburgs. Ausgerechnet im Sommer sorgen Algenplagen nicht nur bei Urlaubern für Verdruss. Experten des Landesumweltamtes wollen das Problem an der Wurzel packen. Und zwar an den Zuflüssen. Torsten Richter-Zippack / trt1

Der Schwielochsee ist brandenburgweit schon etwas Besonderes. Kaum ein anderes Gewässer seiner Größe kann mit einem ganzen Netz von knapp einem Dutzend Zuflüssen auftrumpfen. Frischwasser ist also keine Mangelware.

Woran es jedoch mangelt, ist die Wasserqualität. Denn diese wird durch einen hohen Nährstoffeintrag getrübt. Insbesondere Phosphor gelangt durch die Fließe in den See. Der Pflanzennährstoff wirkt wie ein Dünger für das Algenwachstum. Das hat zur Folge, dass Wasserpflanzen nicht mehr ausreichend Licht bekommen. Das zieht wiederum eine Verarmung der Fischfauna nach sich.

Negativ-Rekord

Experten des Landesumweltamtes Brandenburg (LUGV) wollen diesen Kreislauf unterbrechen. Dank umfangreicher Untersuchungen aus den Jahren 2009/2010 liegen entsprechende Daten und Messreihen vor. Diese besagen, dass gerade das Ressener Mühlenfließ im Südwesten, das Lieberoser Mühlenfließ im Südosten sowie das Dammühlenfließ im Norden besonders viel Phosphor in den See transportieren. Der bisherige "Rekord" liegt nach Angaben der Gewässerökologin Isabell Hiekel vom LUGV bei 0,4 Milligramm je Liter, der Zielwert für den Schwielochsee bewege sich um 0,1.

Die Ursachen der Phosphorbelastung seien vielfältig. Dazu zählten unter anderem Fischteiche auf Moorböden. Werden diese alljährlich im Herbst abgelassen, reagiere der darunter befindliche Moorkörper mit der Luft. Das setze die Nährstoffe frei. Beim folgenden Anstau der Gewässer werde der Phosphor durch das Wasser bis in den Schwielochsee transportiert. Das gleiche Phänomen trete bei entwässerten Mooren auf, die jetzt als Grün- oder Ackerland dienen.

Darüber hinaus sorge eine landwirtschaftliche Nutzung der Felder bis an die Ufer der Fließe für die Belastung mit Nährstoffen.

"Unser Hauptziel ist also, die Zufuhr von Phosphor in die Gewässer nachhaltig einzudämmen", gibt Isabell Hiekel die Marschrichtung vor. Dafür hätten die Experten aus ihrer Behörde sowie Planungsbüros eine ganze Anzahl von Projekten entwickelt. Manche sollen brandenburgweit erstmals zum Einsatz kommen, etwa Schilfpolder.

"Eine Art Schilfkläranlage"

An den Dammer Teichen nördlich von Lieberose könnte diese Methode eingesetzt werden. Das Prinzip bestehe darin, dass das Teichwasser durch eine Schilfzone fließt, die die Nährstoffe zurückhalten soll. "Also eine Art Schilfkläranlage", erklärt Isabell Hiekel. Ein ähnliches Projekt gebe es in Niedersachsen, die dortigen Ergebnisse seien vielversprechend.

Darüber hinaus sollen die Zuflüsse zum Schwielochsee durchgängiger werden. Natürlich nicht für den Phosphor, sondern vielmehr für Fische und weitere Wasserlebewesen. Denn, so hätten Untersuchungen, lasse die Fischfauna zu wünschen übrig. Es gebe nur verhältnismäßig wenige Arten. Besonders die typischen Tiere der Fließgewässer seien selten. Daher wollen die Fachleute mehrere Fischtreppen errichten, damit die Tiere Hindernisse passieren können. Solche Anlagen seien unter anderem an der Ressener Mühle sowie am Barolder Mühlenfließ in Lamsfeld vorgesehen.

Nicht zuletzt setzten die Experten auf eine Verbesserung der Selbstreinigungskraft der Fließe. Vielfältigere Gewässerstrukturen mit unterschiedlichen Strömungsverhältnissen und Nischen für Wirbellose und Fische begünstigten die Wiederansiedlung von Muscheln, die wiederum selbst Nährstoffe filtrieren. Biologische Gewässerreinigung ohne Technik, ohne Kosten. Außerdem seien Gewässerrandstreifen entlang der Fließe geplant.

Zwölf Jahre

Die meisten Vorhaben des Maßnahmenpaketes im Rahmen des "Gewässerentwicklungskonzeptes Schwielochsee/Dammühlenfließ", so der offizielle Name, befänden sich in der Planungsphase. Klappt alles wie am Schnürchen, könnten die ersten Arbeiten im Jahr 2016 anlaufen. Um alle Projekte umzusetzen, brauche es einen langen Atem: Ein Zeitraum bis 2027 scheine realistisch. Isabell Hiekel ist optimistisch: "Wenn alle mitziehen und wir die erforderlichen Genehmigungen für die Schlüsselprojekte frühzeitig bekommen, dann brauchen wir vielleicht keine zwölf Jahre, bis die Algenplagen aufhören".