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| 16:24 Uhr

Kulturland Brandenburg
Ein Schädel macht Luckau reich

Beispiele für die mittelalterliche Backsteinarchitektur sind das ehemealige Bettelkloster, später Gefängnis und heute Kulturkirche,  und die weiteren alten JVA-Bauten.  Fotos (2): be
Beispiele für die mittelalterliche Backsteinarchitektur sind das ehemealige Bettelkloster, später Gefängnis und heute Kulturkirche, und die weiteren alten JVA-Bauten. Fotos (2): be FOTO: LR / Carmen Berg
Luckau. Wie Europa die Baukunst der Stadt beeinflusst hat, ist in einer Open-Air-Schau zu sehen. Von Carmen Berg

Info-Säulen vor verschiedenen Wahrzeichen der Stadt ziehen seit Freitag die Blicke auf sich. Sie markieren Stationen eines Rundgangs, der eine spannende Zeitreise verspricht. Als Mitglied der Arbeitsgemeinschaft der Städte mit historischen Stadtkernen Brandenburgs beteiligt sich Luckau mit einer eigenen Open-Air-Schau am Kulturlandjahr unter dem Thema „Wir erben. Europa in Brandenburg – Brandenburg in Europa“. Gezeigt wird, dass Luckaus markante Backsteinarchitektur im italienischen Lucca ihren Ausgangspunkt hatte. Und das kam so: Kaiser Karl IV. schenkte der Stadt Luckau im Jahr 1373 die Schädelreliquie des Heiligen Bischofs Paulinus aus dem italienischen Lucca. Wohl auch, so heißt es in den Informationen, um die vom Kaiser erworbene Niederlausitz mit ihrer Hauptstadt gezielt aufzuwerten. Das Konzept ging auf. Luckau entwickelte sich zu einem beliebten Pilgerort und wurde reich.

Der Wohlstand drückte sich vor allem in der neuen Backsteinarchitektur aus. Einflüsse aus Böhmen, Schlesien und dem Ordensland prägten die Gebäude. Bis ins 19. Jahrhundert hinein wurden in Luckau noch zahlreiche Backsteingebäude, dann in einer zeitgemäßen Ziegelarchitektur, errichtet.

„Luckau ist eine tolle Stadt. Sie erzählt interessante Geschichte und ist immer einen Besuch wert“, macht Brigitte Faber-Schmidt, Geschäftsführerin von Kulturland Brandenburg, bei der Eröffnung am Freitag auf den besonderen Stadtrundgang neugierig. Start ist am Rathaus, wo eine Übersicht auf die weiteren Stationen verweist. Die Tour führt zur Georgenkapelle,  die um 1200 als Pfarrkirche gegründet wurde und heute unter anderem ein beliebter Ort zum Heiraten ist, zum ehemaligen Bettelkloster der Dominikaner, das später Teil eines Gefängnisses war und seit zehn Jahren die Kulturkirche beherbergt. Den Abschluss bildet die Nikolaikirche. Deren Bau wurde noch in Feld-Raseneisenstein begonnen und wechselte zur damals neuartigen Backsteinarchitektur. Wie in den Kloster- und Kirchenbauten aus Luckaus Anfängen stecke auch hinter den kunstvoll restaurierten Fassaden der Bürgerhäuser rund um den Markt Backstein, sagt Bürgermeister Gerald Lehmann.

Er gibt zu, dass ihm als „bekennendem Italien-Fan“ die Geschichte zur Schau besonders gefällt. Bei der Betrachtung der Gebäude, die die Stadt prägen, gehe es auch um Heimat, greift der Bürgermeister einen Begriff auf, der von verschiedenen politischen Lagern kontrovers gesehen wird. Der Rundgang zeige, dass „Heimat nicht vom Himmel fällt“. Sie wurzele in einem lebendigen Austausch der Kulturen. Technisches Wissen, handwerkliche Kunst anderer Völker wurden genutzt und vor Ort weiterentwickelt.

Brigitte Faber-Schmidt nennt dafür ein weiteres Beispiel aus der nahen Region: Wie der Techniktransfer in Europa funktioniert hat, sei auch an der Glaskunst im Museumsdorf Glashütte zu sehen.

Sie lädt Interessierte ein, sich auf den Weg zu machen. Bei der Stadtraumausstellung in Luckau besteht dazu bis zum 31. Oktober die Gelegenheit. Sie ist frei zugänglich und kostet keinen Eintritt. Auf eine Neuheit verweist Irina Barke von der Arbeitsgemeinschaft „Historische Stadtkerne“. Es gibt den Rundgang auch zum Hören. Dazu die App Hearonymus auf Smartphone oder Tablet laden und das Stichwort „Luckau“ oder „Historische Stadtkerne“ eingeben.

Der Rundgang startet am Rathaus und kann als Hörführung auch über eine App abgerufen werden.
Der Rundgang startet am Rathaus und kann als Hörführung auch über eine App abgerufen werden. FOTO: LR / Carmen Berg