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Essen für immer mehr Bedürftige

Ilona Liebach koordiniert die Arbeit der Luckauer Tafel mit Ausgabestellen in Lübben und Golßen.
Ilona Liebach koordiniert die Arbeit der Luckauer Tafel mit Ausgabestellen in Lübben und Golßen. FOTO: be
Luckau/Lübben. Die Luckauer Tafel mit Standorten in Lübben und Golßen versorgt Bedürftige mit Lebensmitteln. Der Andrang ist groß. Herausforderung für die Zukunft wird eine wachsende Altersarmut sein, sagt Tafelleiter Kai Noack. Carmen Berg

Schon eine Stunde vor Ausgabebeginn wird es voll in der Luckauer Tafel an der Langen Straße. Ilona Liebach, Projektkoordinatorin vor Ort, und ihre Helfer, verteilen dort zwei Mal in der Woche Lebensmittel an Bedürftige. Bei Supermärkten und Geschäften sammeln sie Backwaren, Wurst, Joghurts und Vitaminspender ein, die übrig, aber noch gut sind. In zwei Schichten legen sie von montags bis sonnabends mit zwei Kühltransportern täglich bis zu 130 Kilometer zurück, sortieren die gespendeten Waren und verteilen sie auf Tüten für die Abholer. "An die Klienten geht nur, was wir auch selbst noch essen würden", nennt Kai Noack, Projektleiter für die Tafeln beim Albert-Schweitzer-Familienwerk, die Prämisse.

Die Luckauer Tafel versorgt jeweils einmal wöchentlich auch Ausgabestellen in Lübben und Golßen. Wie voll die Tüten werden, hängt vom Aufkommen ab. "Es gibt Märkte, die ihre überschüssigen Lebensmittel offenbar lieber vernichten", bedauert der Tafelleiter.

Wer weniger als 850 Euro brutto monatlich zur Verfügung hat, kann das Angebot nutzen, erklärt er. Für eine volle Tüte zahlen die Bedürftigen zwei Euro. "Sie sollen nicht das Gefühl haben, Bittsteller zu sein", so der Leiter.

In Luckau haben sich 540 Menschen als Kunden registrieren lassen, etwa 1000 seien es in Lübben, rund 320 in Golßen. Ein leichter Rückgang nach Einführung des Mindestlohnes im Vorjahr werde durch den Zustrom von Migranten inzwischen wieder ausgeglichen, die Zahlen in Luckau und Golßen seien konstant, in Lübben Kai Noack zufolge um rund vier Prozent steigend.

Knackpunkt Altersarmut

Die größte Herausforderung sieht er jedoch in wachsender Altersarmut. "Wer für 8,50 Euro arbeitet, dabei oftmals mit reduzierten Wochenstunden, der wird später von seiner Rente kaum leben können. Die Politik aber verdrängt dieses Problem." Kai Noack befürchtet perspektivisch "eine Welle, unweit größer als momentan die Flüchtlingskrise".

Schon jetzt gehöre im Bereich Luckau-Lübben jeder zehnte Tafelkunde zur Generation 60 plus, bestätigt Ilona Liebach. Auch die über 80-jährige Inge-Maria Weingart hat nur eine kleine Rente. Deshalb sei sie dankbar, dass es die Tafel gibt. "Mit dem Angebot bin ich zufrieden, die Mitarbeiter geben sich große Mühe", lobt sie. Besucherin Petra Müller ergänzt, sie komme auch wegen der sozialen Kontakte. "Wir treffen uns meist im gleichen Kreis und freuen uns schon immer darauf", erzählt sie.

Neues Haus dringend gesucht

Ilona Liebach und weitere sechs Mitarbeiter engagieren sich ehrenamtlich gegen eine geringe Aufwandsentschädigung. Hinzu kommen vier Helfer auf Zuverdienst-Basis über die Arge sowie zwei im Bundes-Freiwilligendienst. Ziel sei es in diesem Jahr, für die Luckauer Tafel einen neuen Standort zu finden, blickt Kai Noack voraus. Die Bedingungen in dem alten Bau seien unwürdig. Morgens müssen die Mitarbeiter die Öfen heizen, die Fenster sind alt, teils brechen die Fußböden ein. Fahrkunst sei nötig, um den Transporter aus dem Hof in die enge Brauhausgasse zu lenken. Wie Kai Noack sagt, sei der Tafel von der Luckauer Wohnungsbaugesellschaft jedoch ein neues Objekt in Aussicht gestellt.

Ilona Liebach ist seit acht Jahren im Team. Die 51-Jährige war über eine geförderte Maßnahme gekommen und blieb. Die Tafel könne Armut nicht beseitigen, nur lindern. "Für mich ist es aber schön zu sehen, wenn die Leute sich freuen", sagt Ilona Liebach.

Zum Thema:
Bei der Luckauer Tafel an der Langen Straße werden montags und freitags von 11 bis 13 Uhr Lebensmittel ausgegeben. In Golßen im früheren Hortgebäude an der Schulstraße erfolgt die Ausgabe mittwochs von 9 bis 10 Uhr, in der Lübbener Breitscheidstraße donnerstags von 9 bis 11 Uhr. Bedürftigkeit muss mit entsprechenden Bescheiden nachgewiesen werden. Niemand solle den Schritt scheuen, ermutigt Tafelleiter Kai Noack. Das gesparte Geld soll Menschen die Teilhabe am kulturellen und sozialen Leben möglich machen, erklärt er einen Zweck der Tafel.