ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:10 Uhr

37. Tagung im Dahmer Ortsteil Wahlsdorf
Es hapert bei Mobilfunk, Straßen und DSL-Anschlüssen

 Während der Tagung der Enquete-Kommission in Wahlsdorf nutzten Einwohner die Gelegenheit, ihre Fragen zu verschiedensten Themen an die Mitglieder zu stellen.
Während der Tagung der Enquete-Kommission in Wahlsdorf nutzten Einwohner die Gelegenheit, ihre Fragen zu verschiedensten Themen an die Mitglieder zu stellen. FOTO: Birgit Keilbach
Wahlsdorf. Die Enquete-Kommission für ländliche Regionen informiert sich vor Ort in Wahlsdorf. Von Birgit Keilbach

Die Enquete-Kommission „Zukunft der ländlichen Regionen vor dem Hintergrund des demografischen Wandels“ hat am Freitag ihre 37. Tagung im Dahmer Ortsteil Wahlsdorf abgehalten. Seit 2015 befassen sich Landtagsabgeordnete fraktionsübergreifend in diesem Gremium damit, wie die Lebensverhältnisse in den Dörfern und kleinen Städten Brandenburgs so gestaltet werden können, dass die Menschen sich nicht abgehängt fühlen und junge Leute dort Perspektiven für sich sehen.

Wahlsdorf ist ein gutes Beispiel, wie Dorfentwicklung funktionieren kann. Gelungen sei dies durch eine Vielzahl engagierter Bürger, „und es geht nur mit einer Verwaltung, die unterstützt“, erklärte Wahlsdorfs Ortsvorsteher Thomas März. Rund zwei Millionen Euro seien seit 1990 in rund 30 Projekte geflossen, darunter in den Dorfladen, der vor einigen Jahren vor der Schließung stand. Die Fläming-Skate führt durch Wahlsdorf und habe das Dorf für Touristen interessant gemacht. Und in gemeinsamer Kraftanstrengung entstanden sei eine Wärmegenossenschaft, die ein örtliches Fernwärmenetz betreibt. Die Abwärme der Biogasanlage des örtlichen Landwirtschaftsbetriebes beheizt laut Thomas März 85 Prozent der Wahlsdorfer Haushalte. Die Folge: Es gibt wenig Leerstand, und junge Leute ziehen nach Wahlsdorf. Doch die Busverbindungen sind wie andernorts auf den Schülerverkehr beschränkt. „Wir wollen, dass andere Orte rundum auch teilhaben können, an dem guten Lebensstandard“, sagte Thomas März. Deshalb sollten ländliche Räume höhere Schlüsselzuweisungen bekommen, damit Vorhandenes erhalten bleiben kann. Mehr Finanzen vom Land für den Ausbau der Infrastruktur seien nötig. Dann sei Entwicklung möglich, wie Kornelia Wehlan am Beispiel des vierspurigen Ausbaus der B 101 darlegte. „Sie hat heute schon überregionale Bedeutung als Verbindung nach Berlin und Dresden bekommen.“ Allerdings habe der Landkreis die vierte Spur aus eigener Tasche mit einem hohen Kredit finanzieren müssen.

Ein gut ausgebautes Straßennetz ist auch für Dahmes Amtsdirektor David Kaluza unabdingbar. Im Landesentwicklungsplan müsse schon jetzt berücksichtigt werden, dass mit der Eröffnung des BER eine zweite Achse über die B 102 nötig wird. Zu einer guten medizinischen Versorgung gehörten nicht nur ausreichend Ärzte. „Die Frage ist auch: Wie schnell kommen Rettungsdienste zum Bürger?“, nannte er einen weiteren Aspekt. Schnelle DSL-Verbindungen und ein flächendeckend vorhandenes Mobilfunknetz seien entscheidende Faktoren, damit junge Leute sich ansiedeln.

In der Bürgersprechstunde bemängelte der frühere Amtsdirektor Frank Pätzig, dass die Förderpolitik heute zu kompliziert und auch finanziell sehr aufwändig sei. Anja Bruckbauer von der AG Niederer Fläming erläuterte, dass bei der Städtebauförderung die territorialen Grenzen für Förderprojekte viel zu eng gefasst werden. „Wir brauchen mehr Spielraum, zum Beispiel für ein Mobilitätskonzept oder einen Gefahrenabwehrplan.“ Claudia Engel vom Kulturblütenverein Wahlsdorf fragte nach, welche Ideen es gibt, um die Kultur auf dem Land zu stärken. Dazu gebe es einen Landtagsbeschluss. „Das wird zurzeit im Kulturministerium diskutiert“, gab Kommissionsvorsitzender Wolfgang Roick Auskunft.