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| 01:07 Uhr

„Es gibt immer was Neues zu sehen“

Beim „Insektenhotel“ am Eingang zum Waldlehrpfad erfuhren die Sommertour-Teilnehmer, wie die Kinderstube von Insekten aussieht.
Beim „Insektenhotel“ am Eingang zum Waldlehrpfad erfuhren die Sommertour-Teilnehmer, wie die Kinderstube von Insekten aussieht. FOTO: Fotos: Nicole Freyler
Kemlitz.. „Braucht jeder Förster einen Hund„“ , wollte Erik wissen. Ihm hatte es Lotte, die Hundedame von Forstanwärter Thorsten Köcher, sofort angetan. „Darf man die auch streicheln““ , wollte Lukas wissen. Dies waren nicht die einzigen Fragen, die Köcher, der gestern bei der RUNDSCHAU-Sommertour die Kindergruppe über den Waldlehrpfad führte, an diesem Vormittag beantworten sollte. Und das war ihm ganz recht. „Fragt mich alles, was euch interessiert“ , forderte er die Kinder auf. Und der neugierige Nachwuchs ließ sich das nicht zweimal sagen. Von Nicole Freyler

Fast 40 Interessierte waren gestern Morgen zum Sommertour-Treffpunkt in Kemlitz gekommen. Kein Problem, denn die Oberförsterei Dahme war mit vier erfahrenen Kräften vertreten. So konnten beim Spaziergang über den Waldlehrpfad „Alte Elbe“ mehrere kleine Gruppen gebildet werden.
Thorsten Köcher, der angehende Revierförster, der in Dahme gerade sein praktisches Jahr absolviert, scharte die Kinder um sich, um ihnen bei der gut zweistündigen Wanderung allerhand über den Wald und seine Bewohner zu erzählen. Ganz unbeleckt, was die Flora und Fauna des Waldes angeht, war der Nachwuchs aber nicht. Als der Fachmann an der ersten Station, dem „Insektenhotel“ , wissen wollte, welche Insekten einen Staat bilden, schnellte sofort zahlreiche Finger nach oben. Interessiert ließen sich die Kinder dann erklären, dass allein lebende Insekten ihre Eier oft im Schilfrohr oder in löchrigen Baumstämmen ablegen. „Es gibt immer was Neues zu sehen“ , kommentierte Marco, der sich für die Erkundungstour mit einem Fernglas ausgerüstet hatte.
Doch Spannendes gab es gestern aus allernächster Nähe zu bestaunen. So machte Thorsten Köcher die Kinder auf die Spuren der „Nonne“ aufmerksam. An einem Baumstamm entdeckten sie die Puppen und sogar eine Raupe der Schädlingsmotte. Ohne Scheu ließen sich die kleinen Naturforscher auch einen leuchtend blauen Mistkäfer über die Hand krabbeln. Dass sich weder Rehe noch Wildschweine blicken ließen, machte den Kindern wenig aus. Sie begeisterten sich genauso für die Kaulquappen im Feuchtbiotop und die vielen verschiedenen Krabbeltiere, die ihnen unterwegs begegneten.
Der fachkundige Führer erklärte bei der Wanderung, wie man an einer unterwegs aufgelesenen Feder erkennen kann, ob der Vogel, dem sie gehörte, von einem Greif oder einem Fuchs erbeutet wurde. Er erläuterte, warum ein Ameisenstaat ohne Königin nicht überleben kann und warum Waldhonig auch Läusesaft heißen könnte. Bei einem Tierrätsel erkannten alle Kinder anhand weniger Hinweise die Fledermaus. Worauf Thorsten Köcher versicherte, dass die in Deutschland lebenden Fledermäuse - entgegen ihres Rufs als Vampire - garantiert keine Blutsauger seien.
Die zehnjährige Linda, die mit Mutti und ihrer kleinen Schwester Sara zur Sommertour gekommen war, erwies sich als wahre Meisterin bei der Bestimmung von Baumarten. Eine Lärche zum Beispiel erkannte sie auf Anhieb. Sie wusste auch, dass diese im Winter ihre Nadeln abwirft, während einige Großstädter - so berichtete es Thorsten Köcher zur allgemeinen Belustigung - dies nicht selten für eine Baumkrankheit halten und die Förster alarmieren.
Nach der Tour wussten die Kinder, wie sich ein Kiefern- von einem Tannenzapfen unterscheidet und dass man anhand der Jahrringe eines Stamms viel mehr erkennen kann als nur das Alter des Baums. Ein besonderes Erlebnis war es für sie, als sie Schuhe und Strümpfe ausziehen durften, um über den „Barfußweg“ zu gehen. Die Jungen und Mädchen schienen das Pieken der Nadeln und Zapfen, den von der Sonne aufgeheizten Sand und die raue Struktur der Baumrinde unter ihren Fußsohlen zu genießen. Gelangweilt - so die einhellige Meinung am Ende der Tour - hat sich an diesem Vormittag niemand.

Sommertour Tagebau-Tour
 Bei einer Bustour können Interessierte am 23. Juli Karlheinz Nowotny auf einer etwa vierstündigen Rundreise durch die Bergbaufolgelandschaft begleiten. Von ausgewählten Aussichtspunkten werden die Teilnehmer auf die Schlabendorfer Felder blicken. Treffpunkt ist um 9 Uhr der Busplatz in Luckau. Pro Mitfahrer wird ein Unkostenbeitrag von drei Euro erhoben. Anmeldungen montags bis freitags ab 9 Uhr unter Telefon 03544/55 50 25.