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| 18:32 Uhr

Jubiläum in Zützen
Es bestehen Zweifel an 1000 Jahre Zützen

Sabine Groh hat ein Buch über die Geschichte ihres Heimatdorfes geschrieben.
Sabine Groh hat ein Buch über die Geschichte ihres Heimatdorfes geschrieben. FOTO: Sabine Groh
Golßen. Jubiläum ist nach Ansicht der Stadtverordnetenversammlung ohne wissenschaftlichen Beleg.

Golßens Ortsteil Zützen (Unterspreewald) will in diesem Jahr seinen 1000. Geburtstag feiern. Das Programm ist geplant, die Flyer sind gedruckt, erste Exemplare verteilt. Doch es bestehen Zweifel, ob der Ort tatsächlich Tausend Jahre alt ist.

„Es gibt dafür keinen wissenschaftlichen Beweis“, sagt Michael Bock (CDU). „Die geschichtliche Ersterwähnung war 1359. Es stimmt also nicht, dass Zützen Tausend Jahre alt ist. Auf Tausend Jahre Siedlungsgeschichte dagegen kann man sich durchaus berufen.“ Bock ist Hobbyhistoriker und sitzt für die Christdemokraten am Rathaustisch. Dort wurde am Montagabend über einen Zuschuss von 1500 Euro für das Ereignis in Zützen entschieden.

Die Stadtverordneten stimmten einstimmig unter der Bedingung zu, dass die Organisatoren der Feierlichkeiten nicht den Eindruck vermitteln, der Ort wäre Tausend Jahre alt. „Das hatten wir so aber auch schon mit den Verantwortlichen vor Ort besprochen“, sagt Golßens Bürgermeister Hartmut Laubisch (SPD).

Doch die Realität sieht anders aus. Inzwischen liegt ein Flyer vor mit der Aufschrift „Programm zur 1000-Jahrfeier Zützen 2018“. Vermerkt ist dort allerdings auch: „Anlass des 1000-jährigen Jubiläums ist die Erinnerung an die 950-Jahrfeier im Jahr 1968 in Zützen“. Damals sei das Jubiläum mit der Befestigungsanlage auf dem „Horstberg“ bei Zützen begründet worden. Diese Burganlage soll die 1018 in der Chronik des Bischofs Thietmar von Merseburg genannte Burg „Sciciani“ gewesen sein. Dass „Sciciani“ tatsächlich mit dem heutigen Ort im Unterspreewald zu tun hat „wird wissenschaftlich in Frage gestellt“, sagt Michael Bock.

„Wenn wir jetzt das 1000. Jubiläum feiern, machen wir uns lächerlich oder werden sogar angezählt.“ Er begrüßt allerdings ausdrücklich, dass Zützen ein so attraktives Programm mit vielen Höhepunkten auf die Beine stellt. Auch Hartmut Laubisch befürchtet „einen schlechten Ruf, wenn wir die Geschichte verfälschen“.

Genau das könnte jedoch durch die Innschrift des Gedenksteins passieren, der am Abzweig nach Gersdorf in Zützen aufgestellt werden soll. Der Standort ist derzeit noch in der Diskussion. Auf dem Gedenkstein soll untereinander zu lesen sein: Sciciani 1018, Zchuczini 1359 und Zützen (Zytcen) 2018. Eine separate Info-Tafel soll zusätzliche Erklärungen liefern.

Das Taschenbuch von Sabine Groh jedoch könnte zur Verwirrung beitragen. Die Tochter des früheren Dorfpfarrers Heinz Schulz hat ein Buch zur Geschichte ihres Heimatorts geschrieben und sich dabei vom 1000-jährigen Bestehen des Dorfs inspirieren lassen (die RUNDSCHAU berichtete). „Es ist nicht auszuschließen, dass Sciciani tatsächlich Zützen ist“, sagt Michael Bock. Ich finde es deshalb gut, dass die Diskussion darüber wieder aufgenommen wird.“