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| 02:50 Uhr

Erste Flüchtlingsfamilien in Zützener Blöcken

In diese Zützener Blöcke ziehen demnächst Flüchtlinge ein.
In diese Zützener Blöcke ziehen demnächst Flüchtlinge ein. FOTO: dsf
Zützen/Groß Leuthen. Die ersten Flüchtlingsfamilien sind zu Wochenbeginn in Wohnblöcke im Golßener Ortsteil Zützen eingezogen. Unterdessen gibt es beim Landkreis Dahme-Spreewald erste Überlegungen zu einer möglichen weiteren Flüchtlingsunterkunft in der früheren Groß Leuthener Schule. Carmen Berg und Ingvil Schirling

In Zützen plant der Landkreis die Unterbringung von rund 100 Flüchtlingen und Asylbewerbern in vier Wohnblöcken eines privaten Vermieters. Die ersten 22 sind am Montag eingetroffen. Laut Kreisverwaltung Dahme-Spreewald handelt es sich um vier Familien, jeweils zwei aus Syrien und Afghanistan, die bis dahin in der Gemeinschaftsunterkunft in Massow untergebracht waren. Die Belegung der insgesamt 25 Wohnungen soll dem Landkreis zufolge Zug um Zug erfolgen.

Ein in Golßen gegründetes Willkommensbündnis will beim Neuanfang in der Fremde helfen. Vom örtlichen Rewe-Markt seien Pakete mit haltbaren Lebensmitteln und Zutaten übergeben worden, sagt Daniela Maurer, Koordinatorin des Bündnisses. Für Sonnabend, 15. August, ist von 10 bis 12 Uhr an der alten Schule in Golßen, Schulstraße 12, eine Spendenaktion geplant. Gebraucht würden anfangs Bettwäsche, Handtücher sowie Spielzeug für draußen. Wie Daniela Maurer sagt, soll es monatlich eine Sammlung geben. Dazu arbeite das Bündnis eng mit den Sozialarbeitern der Einrichtung zusammen, die vom Deutschen Roten Kreuz Fläming-Spreewald betrieben wird.

Heißer Draht für Hilfsangebote

"Wir wollen dort unterstützen, wo Bedarf besteht", sagt die Koordinatorin. So sei eine Kleidersammlung erst vorgesehen, "wenn wir wissen, welche Kleidung in welchen Größen gebraucht wird". Stehe die Zahl der Schulkinder fest, würden Zuckertüten vorbereitet, so Daniela Maurer. Die Hilfsbereitschaft sei groß. Für Anfragen und Angebote gibt es die Hotline 0151 53622147 sowie die Mailadresse: ehrenamt@leben-pflegen.de.

Dass die Neubürger nicht jeder gern sieht, machen indes Plakate deutlich, die die Bürgerinitiative "Pro Zützen" an der Bundesstraße 96 platziert hat. Die Initiative wehrt sich gegen die hohe Zahl der Flüchtlinge im 300-Seelen-Ort und beklagt mangelnde Einbeziehung der Bürger im Vorfeld. "Beteiligung statt Bevormundung" steht an der B 96 beispielsweise zu lesen, aber auch: "Was du tust, bedenke das Ende".

Bürger-Info von Anfang an

Noch in den Kinderschuhen stecken Überlegungen des Landkreises und der Gemeinde Märkische Heide, Flüchtlinge in der ehemaligen Schule von Groß Leuthen unterzubringen. Dennoch haben sie die Einwohner bereits zu einer Versammlung eingeladen. Ob, ab wann und wie viele - das alles ist für die Schule in Groß Leuthen noch unklar. Grundsätzlich aber sieht die Kreisverwaltung die Möglichkeit, dort Flüchtlinge unterzubringen. Und auch die Gemeindeverwaltung kann sich das vorstellen. Die Schule wird nicht mehr als solche genutzt. Doch sie steht auch nicht komplett leer. Räume haben dort unter anderem das DRK-Mehrgenerationenhaus, die Feuerwehr und der Sportverein des Ortes.

Mit ihnen sei bereits gesprochen worden, heißt es aus der Gemeindeverwaltung Märkische Heide. Mehr will man dort allerdings noch nicht sagen - zu vieles steckt noch in den Anfängen.

Zunächst muss geklärt werden, ob die Räume baurechtlich überhaupt geeignet sind. Davon geht der Landkreis im Moment zwar aus, doch die Prüfung ist noch nicht abschließend erfolgt, erfuhr die RUNDSCHAU auf Nachfrage. Dennoch sollen die Anwohner schon jetzt einbezogen werden. Die Groß und Klein Leuthener sind für den 19. August zu einer Versammlung eingeladen.

Landkreis unter Druck

Die Kreisverwaltung steht unter großem Druck, weil sie verpflichtet ist, in diesem Jahr fast 1000 Flüchtlinge unterzubringen. Zusätzlich zu den bestehenden Unterkünften werden daher mit Hochdruck weitere Unterbringungsmöglichkeiten gesucht. "Die Groß Leuthener Schule ist - wie mehrere andere Objekte - in der Prüfung", so Vize-Landrat Carl-Heinz Klinkmüller (CDU).

Weniger als in Luckau

Wie viele Flüchtlinge dort eine Bleibe finden könnten, ist noch ebenso unsicher wie der Zeitpunkt eines möglichen Bezuges. Die Zahl ergibt sich daraus, wie viele Räume die Schule hat und wie viele davon für die Flüchtlinge nutzbar wären. "So viele wie an der ehemaligen Luckauer Förderschule können wir in der Groß Leuthener Schule nicht unterbringen", sagt Klinkmüller. Dort werden Ende 2015 fast 200 Bewohner einziehen. "In dieser Größenordnung bewegen wir uns nicht", versichert er.

Wer die Schule in Groß Leuthen kennt, kommt über den Daumen gepeilt auf eine Zahl von möglichen 70 bis 85 Plätzen. Aus der Erfahrung heraus, dass die Einrichtung anderer Flüchtlingsunterkünfte Monate in Anspruch nahm, könnte davon ausgegangen werden, dass die Groß Leuthener Schule erst 2016 bezogen würde. Doch auch das ist bisher nicht offiziell bestätigt.