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Nach der Stammzellenspende
Eric dankt allen für die große Unterstützung

Der 18-jährige Eric Gatzke (3.v.l.) war nach erfolgreicher Stammzellentransplantation am Mittwoch zur Herbstakademie ins Luckauer Krankenhaus gekommen. Auf dem Foto ist er im Gespräch mit Undine Schulz von der Stammzellenspenderdatei Ost und Georg Schulz aus Fürstlich Drehna, der selbst schon Stammzellen für einen an Leukämie Erkrankten gespendet hat.
Der 18-jährige Eric Gatzke (3.v.l.) war nach erfolgreicher Stammzellentransplantation am Mittwoch zur Herbstakademie ins Luckauer Krankenhaus gekommen. Auf dem Foto ist er im Gespräch mit Undine Schulz von der Stammzellenspenderdatei Ost und Georg Schulz aus Fürstlich Drehna, der selbst schon Stammzellen für einen an Leukämie Erkrankten gespendet hat. FOTO: Birgit Keilbach / Keilbach Birgit
Luckau. Ursachen und Therapie der Leukämie mittels Stammzellspende war Thema der Herbstakademie im Evangelischen Krankenhaus Luckau. Dabei bedankte sich Eric Gatzke. Er hat eine Stammzellenspende erhalten.

 Mehr als 1000 Menschen aus Luckau und Umgebung hatten sich am 19. Juli an einer Typisierungsaktion im Evangelischen Krankenhaus beteiligt. Sie galt Eric Gatzke aus Schlabendorf. Der 18-Jährige erkrankte 2015 an Blutkrebs. Nach einer ersten erfolgreichen Behandlung mit Chemotherapie hatte er im Mai 2017 einen Rückfall. Nur eine Stammzellspende konnte ihm noch helfen. Gemeinsam mit der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS), Mitarbeitern des Luckauer Krankenhauses und freiwilligen Helfern fand die Typisierungsaktion statt.

Eric Gatzke lag zu dieser Zeit bereits im Krankenhaus und wartete darauf, dass ein passender Spender gefunden wird. Am 1. September war es soweit. Er erhielt die dringend notwendige Stammzellen-Transplantation. 47 Tage später stand er vor den Zuhörern der Herbstakademie im Luckauer Krankenhaus. Es sei alles erfolgreich verlaufen. „Ich danke allen, die mich unterstützt und diese Aktion auf die Beine gestellt haben und bei allen, die sich typisieren ließen“, sagte der 18-Jährige. Besonders berührt habe ihn das Spenderalbum mit den vielen Eintragungen. „Es war für mich beeindruckend, wie weit die Leute gefahren sind, um sich als Spender registrieren zu lassen“, sagte er.

Vor knapp zwei Wochen habe er das Krankenhaus verlassen können, doch die kritischste Zeit seien die ersten 200 Tage nach der Transplantation. So lange nehme er Tabletten ein, um das körpereigene Immunsystem einzudämmen, damit das neue Knochenmark nicht abgestoßen wird, wie er erläuterte. „Doch die Ärzte sind optimistisch und ich bin es auch“, sagte Eric Gatzke.

Seit Juli haben sich die Mitarbeiter im Krankenhaus und auch viele Luckauer mit dem Thema Stammzellspende befasst. „Ein Thema wird für uns erst wichtig, wenn wir selbst irgendwie davon betroffen sind. Und wir haben in den vier Monaten viele Emotionen erlebt und noch viele Fragen“, sagte Thomas Hartmann. Eine Reihe davon wurde in der Herbstakademie beantwortet. Thomas Brokmeier vom Medizinischen Labor zeigte detailliert auf, wie gesunde und kranke Blutzellen aussehen und erläuterte die Unterschiede. Tilo Krieg, Oberarzt der Klinik für Innere Medizin, brachte nahe, wann eine Stammzelltransplantation erforderlich ist.

Undine Schulz leitet die Stammzellspenderdatei Ost des Deutschen Roten Kreuzes in Cottbus. Denn auch bei Blutspende-Aktionen könne sich jeder als Stammzellspender typisieren lassen, machte sie aufmerksam. Die Aktion in Luckau fand bei ihr große Anerkennung. „Das hilft Patienten in Deutschland und auch im Ausland“, sagte die Diplom-Biologin. Die Suche nach geeigneten Spendern erfolge weltweit. „Es ist eine Suche nach der Nadel im Heuhaufen, denn es gibt 50 Millionen verschiedene Kombinationen der spezifischen Gewebemerkmale“, verdeutlichte sie.

Doch was erwartet einen Spender eigentlich, wenn es soweit ist? Zwei Methoden der Stammzellspende gebe es. Erstens die Knochenmarkspende. Dabei werde dem Spender im Krankenhaus unter Vollnarkose etwa ein Liter Knochenmark-Blutgemisch entnommen. Nach einem Tag könne er das Krankenhaus wieder verlassen. Für kurze Zeit könnten Schmerzen an der Entnahmestelle auftreten. Häufiger werde inzwischen die periphere Blutstammzellenentnahme praktiziert, erläuterte die Biologin. Sie erfolge ambulant und dauere etwa vier Stunden. Dabei werde das Blut entnommen, die Stammzellen in einer speziellen Maschine extrahiert und das Blut dem Spender wieder zugeführt. „Vor der Entnahme muss sich der Spender mit einem Wachstumsfaktor spritzen, damit Stammzellen aus seinem Knochenmark in den Blutkreislauf wandern“, erklärte Undine Schulz. Nachfolgende Symptome seien grippeähnliche Abgeschlagenheit und Gliederschmerzen.

Deutschlandweit sind laut Undine Schulz derzeit rund 7,5 Millionen Menschen als Stammzellspender registriert. Ein großes Problem sei die Altersbegrenzung. „Spender werden mit 61 Jahren aus der Datei gelöscht, denn mit zunehmendem Alter nimmt der Anteil blutbildender Zellen im Körper ab.“ Daraus resultiert ein großes Problem für die Zukunft, denn rund 40 Prozent der registrierten Spender seien zwischen 47 und 60 Jahre alt. „Jährlich werden bis zu 3000 registrierte Spender aus der Datei ausscheiden“, sagte Undine Schulz. Deshalb sei es wichtig, dass insbesondere junge Leute die Bedeutung einer Registrierung als Stammzellspender erkennen und sich typisieren lassen. Georg Schulz aus Fürstlich Drehna unterbreitete einen Vorschlag: „Wenn wir fragen, was Oma oder Opa zum Geburtstag haben wollen, wünschen sie sich doch immer Gesundheit. Den Wunsch können wir mit einer Typisierung erfüllen“, sagte er. Denn 7,5 Millionen Spender bei 80 Millionen Einwohnern, das seien noch zu wenige. Im Jahr 2014 habe er selbst mit einer Stammzellspende einem an Leukämie erkrankten Menschen helfen können, ergänzte der Krankenpfleger.