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Erfüllte Jahre mit vielen Aufgaben

Elf Jahre lang waren die Golßener Stadtkirche sowie die Dorfkirchen in der Umgebung Wirkungsstätte von Pfarrer Martin Nikolitsch. Am Sonntag wird er sich in der Stadtkirche um 14 Uhr verabschieden.
Elf Jahre lang waren die Golßener Stadtkirche sowie die Dorfkirchen in der Umgebung Wirkungsstätte von Pfarrer Martin Nikolitsch. Am Sonntag wird er sich in der Stadtkirche um 14 Uhr verabschieden. FOTO: Keilbach/bkh1
Golßen. "Es war in jeder Hinsicht eine erfüllende Zeit hier in Golßen. Wir haben uns akzeptiert und angenommen gefühlt", resümiert Pfarrer Martin Nikolitsch. Birgit Keilbach / bkh1

In den vergangenen elf Jahren sind ihm und seiner Frau Annette die Menschen vertraut geworden. Viele schöne Erlebnisse und wertvolle persönliche Begegnungen nimmt das Paar mit nach Berlin.

Dort hatte Martin Nikolitsch 25 Jahre lang im evangelischen Kirchenkreis Neukölln gearbeitet und kam im August 2006 nach Golßen. "Der neue Pfarrsprengel war eine Riesenumstellung", blickt er zurück. In Berlin waren die Aufgaben mit seinen Kollegen untereinander abgestimmt und die Gemeinden hatten hauptamtliche Mitarbeiter.

"Hier war das ganz anders. Als Pfarrer war ich jetzt allein für acht Kirchen und sieben Gemeinden in 16 Ortsteilen zuständig." Dazu kamen zahlreiche administrative Aufgaben, beispielsweise das Führen der Kirchenbücher, die Pflege der einzelnen Kirchenbauten und die Verantwortung für die Gemeindehäuser. Als Pfarrer in Golßen war Martin Nikolitsch nicht nur Seelsorger, sondern zugleich Bauherr und Gemeindesekretär.

Andererseits fand er viel Unterstützung von den Kirchengemeinden. "Wenn etwas praktisch, technisch oder organisatorisch auf die Beine zu stellen war, dann gab es immer Leute, die zupackten." Besonders faszinierend war für ihn, dass nach einem Fest alles innerhalb kurzer Zeit wieder tiptopp aufgeräumt war. "Da haben die Leute hier toll mitgemacht", sagt er.

Auch die Zusammenarbeit mit anderen Aktiven außerhalb der Kirchengemeinden funktionierte sehr gut. "Von Anfang an wurde ich zum Vereinsring eingeladen, auch zu Treffen der Geschäftsleute. Bei Vorbereitungen verschiedener Höhepunkte in der Stadt wurde die Kirche stets mit einbezogen und wir haben uns auch eingebracht, mit Gottesdiensten oder Konzerten in der Golßener Stadtkirche."

Ein echter Glücksfall war die Ökumenische Junge Gemeinde, die etwa bis 2012 in Golßen aktiv war. Jugendliche aus christlichen Häusern in der Stadt und dem Umland fanden sich regelmäßig im Keller des Pfarrhauses zusammen und führten dort ihr eigenes geistliches Leben. Jedes Jahr organisierten sie selbstständig eine Rüste und hielten einen Jugendgottesdienst, mit dem sie auch andere junge Leute anzogen. "Wie selbstständig sie ihre christliche Gemeinschaft lebten, habe ich bewundert. Das hatte ich vorher so noch nie erlebt", sagt Martin Nikolitsch.

Auch baulich konnte er einiges auf den Weg bringen sowie Kirchengemeinden bei ihren Anstrengungen unterstützen. So erhielt die Dorfkirche in Jetsch eine Turmsanierung, die Mahlsdorfer Kirche eine sanierte Sakristei und die Zützener Dorfkirche ihre Barockkanzel in neuer Schönheit zurück. Besonders freut er sich über die gelungene Restaurierung der Orgel in der Golßener Stadtkirche. "Nachdem sie ihren ursprünglichen Klang zurück erhalten hatte, kamen viele Anfragen von Organisten, hier spielen zu dürfen."

Bei allen Aufgaben war ihm seine Frau Annette stets eine große Stütze. "Die umfangreiche Arbeit hier konnte ich nur gemeinsam mit ihr bewältigen", betont der Pfarrer. Sie begleitete nicht nur die Gottesdienste musikalisch. Als ausgebildete Grundschul- und Religionslehrerin gab sie Unterricht an der Grundschule, was sich auch auf die Arbeit in der Kirche auswirkte, beispielsweise bei der Vorbereitung auf die Christvesper zu Weihnachten. Schon im Herbst begannen die Proben mit den Kindern, für die es eine hohe Herausforderung war. "Wir haben mit den Kindern die Verkündigung über Musik praktiziert und ihnen biblische Inhalte nahe gebracht." Denn es sei wichtig, dass sie richtig singen und auch den Hintergrund kennen. Den Kindern habe das viel Spaß gemacht. Schon im Frühjahr begannen die ersten zu fragen, wann denn wieder die Proben beginnen.

In den letzten Tagen hat Martin Nikolitsch in Golßen alles Organisatorische geordnet. "Jetzt wollen wir unsere freie Zeit genießen. Pläne haben wir keine gemacht. Wir lassen die Dinge auf uns zukommen", blickt der 63-Jährige entspannt in die Zukunft als Pfarrer im Ruhestand.

Den Gottesdienst mit Verabschiedung hält Pfarrer Martin Nikolitsch am Sonntag, 27. August, ab 14 Uhr in der Golßener Stadtkirche.