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| 17:02 Uhr

Kommt sie ins Gesetz?
Eine Chance für Eiche und Co.

Kaum auszumachen auf dem Waldboden ist die von Verbiss geschädigte kleine Kiefer, die die Förster Minister Jörg Vogelsänger (2.v.r.) zeigen.
Kaum auszumachen auf dem Waldboden ist die von Verbiss geschädigte kleine Kiefer, die die Förster Minister Jörg Vogelsänger (2.v.r.) zeigen. FOTO: LR / Carmen Berg
Lübben/Luckau. Förster sehen verkürzte Jagdzeit in der Rochauer Heide als Erfolgsmodell beim Waldumbau. Von Carmen Berg

Am Rande seines Reviers in der Rochauer Heide zeigt Revierförster Mario Harbarth eine kleine Eiche inmitten von Nadelbäumen. Sie hat schon mehrere Jahre auf dem Buckel, will trotzdem nicht wachsen. „Das Wild frisst die Knospe immer wieder ab“, sagt der Förster. Ein ganz anderes Bild bietet sich wenig später im Inneren des Reviers. Hier ragen kräftige junge Laubbäume in die Höhe. Sie haben sich aus herabfallenden Samen auf natürliche Weise ausgebreitet. Der Grund für den Unterschied liegt für die Forstleute der Landeswald-Oberförsterei Lübben auf der Hand: die unterschiedliche Jagd-
strategie.

70 Prozent der Waldfläche in Brandenburg sind reiner Kiefernwald. Der ist extrem anfällig gegenüber Schadinsekten und Waldbränden. Gerade der trockene und heiße Sommer 2018 habe den dringend notwendigen Waldumbau deutlich gemacht, sagt Teresa Seliger, Leiterin nachhaltige Nutzung in der Landeswald-Oberförsterei. Das Problem: Das Wild liebt die jungen Triebe. Jedoch Neuanpflanzungen auf eingezäunten Arealen sind teuer. Teresa Seliger beziffert die Kosten für einen Hektar auf 10 000 Euro. Deshalb setzen die Forstleute auf eine Jagdstrategie, bei der der Wald ohne Schutzzaun wachsen kann – die zielorientierte Jagd.

Auf Landeswald-Flächen in der Rochauer Heide wachsen Laubgehölze durch natürliche Verjüngung zwischen Nadelbäumen heran.
Auf Landeswald-Flächen in der Rochauer Heide wachsen Laubgehölze durch natürliche Verjüngung zwischen Nadelbäumen heran. FOTO: LR / Carmen Berg

In einem Modellprojekt wurde sie von 2012 bis 2015 auf Landesflächen in der Rochauer Heide erprobt. So erfolgreich, dass sie aus Sicht der Förster nun dauerhaft Teil der gesetzlichen Rahmenbedingungen werden sollte. Dafür warben sie auch bei Brandenburgs Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD). In seinem Ministerium ist der Entwurf einer Durchführungsverordnung für die Jagdzeiten in Arbeit und noch für das vierte Quartal angekündigt.

Im Kern geht es bei der zielorientierten Jagd um eine Verkürzung der Jagdzeit auf begrenzte Zyklen, was den Abschuss effektiver macht. Bei der Einführung des Modells wehrten sich die Jäger heftig. Sie warfen den Förstern vor, Billigforst ohne Wild anzustreben.

Die Sorge, das Wild würde verschwinden, habe sich nicht bestätigt, bilanziert Mario Harbarth. Die Vorteile für den Baumbestand hingegen seien offensichtlich, fügt Teresa Seliger an. Am Rande des Landeswald-Reviers sind junge Laubbäume spärlich. In der Nachbarschaft, dort wird traditionell gejagt, sieht es anders aus, erklärt Teresa Seliger. Soll heißen: Das Wild wird ganzjährig erlegt, wobei detailliert geregelt ist, welche Tiere zu welcher Zeit geschossen werden dürfen.

Je weiter man ins Innere kommt, desto grüner wird es, Eichen und andere Laubbäume haben sich zahlreich zwischen Nadelgehölzen ausgebreitet. Auch nach dem langen Sommer ist es auf diesen Flächen längst nicht so braun und trocken wie anderswo, die Luft ist angenehm kühl.

„Wer so einen Wald haben will, braucht entsprechende Rahmenbedingungen“, sagt Mario Harbarth. Was aber nicht heiße, dass dann jeder auf seinen Flächen die zielorientierte Jagd praktizieren müsse. Für den Revierförster steht fest: dauer-
haft stabilere Wälder zu erhalten, „das geht nur mit den Jägern“.