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| 14:46 Uhr

Tag der offenen Gärten
Entdeckungstour in grünen Oasen

Über ihre Ideen für die Gestaltung der grünen Oase als Ort der Erholung kam Christiane Schmidt (r.) in Schlepzig mit immer neuen Besuchern ins Gespräch.
Über ihre Ideen für die Gestaltung der grünen Oase als Ort der Erholung kam Christiane Schmidt (r.) in Schlepzig mit immer neuen Besuchern ins Gespräch. FOTO: Birgit Keilbach
Damsdorf/Schlepzig. Gärten der Region luden zum Entdecken, Staunen und Fachsimplen ein. Von Birgit Keilbach

Stimmungsvolle Paradiese hingebungsvoller Hobbygärtner waren am Wochenende wieder Ziel zahlreicher Gartenfreunde. Zum 17. Mal fanden die von der Volkshochschule Dahme-Spreewald und dem Naturpark Dahme-Heideseen veranstalteten „Tage der offenen Gärten“ statt. Einmal jährlich bietet sich Gelegenheit, in Privatggärten stimmig gruppierte Anpflanzungen zu betrachten, Gestaltungsideen zu entdecken und Anregungen für die eigene grüne Idylle mitzunehmen.

Auf dem 1,5 Hektar großen Grundstück am Ortsrand von Damsdorf in der Gemeinde Steinreich verwirklichen Diane und Michael Blüthner seit zehn Jahren ihre Vorstellungen. Eine Hecke mit verschiedenen Gehölzen rundum war 2006 die erste Anpflanzung. Danach entstanden schrittweise verschiedene Areale, durch die Michael Blüthner die Besuchergruppen am Samstag führt. Ein Nadelwald als Wind- und Sichtschutz fürs Haus, in dem sich manch einstiger Weihnachtsbaum entdecken lässt, „eignet sich gut für Osterverstecke. Eine Schoko-Tüte suchen wir noch“, erzählt er schmunzelnd.

Über die exakt geplante Anlage des Bauerngartens mit dem Apfelbaum als Zentrum informierte Michael Blüthner in diesem Teil des Damsdorfer Grundstücks.
Über die exakt geplante Anlage des Bauerngartens mit dem Apfelbaum als Zentrum informierte Michael Blüthner in diesem Teil des Damsdorfer Grundstücks. FOTO: Birgit Keilbach

An der Längsseite öffnet sich der Blick in die Landschaft, verschiedene Bäume wachsen hier und sind den Bewohnern des Hauses namentlich zugeordnet. Sie bilden einen germanischen Baumkreis. „Jeder Baum hat eine bestimmte Wirkung“, erläutert Michael Blütner. Ein Hügel grenzt dieses Areal zu Bauerngarten, Streuobstwiese und Obstbaumallee sowie den Arbeitsflächen hin ab. Auf einer entsteht Schnellhumus. Das weckt bei den Besuchern Interesse und sie erhalten Auskunft, wie innerhalb von acht Wochen nährstoffreiche Erde entsteht, mit der die Familie seit zwei Jahren insbesondere den Bauerngarten zum Gedeihen bringt. „Vorher war das Maisacker, es fehlten die Würmer und Mikroorganismen“, erfahren die Besucher und bewundern im Gemüsegarten prächtigen Blumenkohl, Rote Beete, Möhren, Porree und viele weitere Pflanzen. Statt nackter Erde bedeckt Weißklee die Wege um die Beete. Die feuchtehaltende Wirkung ist am heißen Sommertag spürbar. Verschiedene Kartoffelsorten gedeihen hier mit und ohne Unkraut dazwischen, „wir probieren vieles aus.“ Dass die mit Schilfrohrmatten ummantelten ursprünglichen Kompostsammelorte ideale Bedingungen für die selbst gezogenen Bäumchen und Sträucher bieten, fanden sie auf diese Weise heraus.

„Alles für den Bauerngarten wird auf dem Computer geplant, das macht meine Frau. Und dann setzt sie das genau so um“, erläutert Michael Blüthner. „Wir gestalten hier unseren Lebensraum.“ Dazu gehören außerdem ein lichtes Birkenwäldchen, ein weiterer Nadelwald, am Wegesrand verschiedene Beerensträucher und die alten Obstbäume im ursprünglichen Gartenteil. Ein natürlicher Schwimmteich ist die Aufgabe, die sich Michael Blüthner für die nächsten Jahre gestellt hat.

„Hut ab vor der vielen Arbeit und wie durchdacht die ganze Anlage ist. Das hat mir gut gefallen“, resümierte Joachim Stabenau aus Lübbenau. Friedhelm und Bärbel Scholz aus Schäcksdorf waren ebenso beeindruckt: „Die Kompostherstellung ist eine interessante Idee zum Nachmachen. Gut gefallen hat uns, dass es hier viele Ecken für Insekten gibt.“

Ständiges Kommen und Gehen herrscht am Samstag auch im Garten von Christiane Schmidt und Andreas Willsch in Schlepzig. Seit 2014 gestalten sie den Mietgarten nach ihren Vorstellungen. Eine Klinkermauer mit altem Fensterrahmen und seitlich angeordneten Gardinenschals, daneben eine großblütige Hortensie sind von der Terrasse aus Blickfänge. Auf der anderen Seite setzen verschiedene Gehölze, Blumenkübel, Wurzeln und mit Klinkern eingefasste Hochbeete im Kies rustikale Akzente. Weit kann der Blick über die Wiese mit Pflanzeninseln in den Garten schweifen, unter Apfelbäumen lässt es sich gut ausruhen. Davor gedeihen in einem Beet Blumen und Gemüse, Findlinge geben dem Auge zwischen der Blütenpracht Ruhe. Zwei Oleander, die Töpfe in der Erde versenkt, ziehen die Blicke ebenso auf sich, wie die Pergola im hinteren Teil des Gartens, an der Grün rankt, ein Wasserspiel in einem alten Fass plätschert, und ein Fahrrad – wie vergessen – steht dazwischen. Zum dritten Mal öffnet das Paar seinen Garten für die Besucher. „Ich staune immer wieder, wie viele Leute sich Zeit nehmen, andere Gärten anzuschauen“, sagt Christiane Schmidt, die den Erfahrungsaustausch mit den Gästen schätzt. Sven Blümel und Ute Fischer sind aus Lübbenau gekommen. „Wir wollen uns Anregungen holen, und die Idee mit dem Wasserspiel und den kleinen Rabatten-Inseln und dem Mix aus Stauden- und Gemüsegarten gefällt uns.“ Auch für Touristen ist der Gartenbesuch interessant. „Wir waren schon überall in der Lausitz, denn Gartengestaltung interessiert uns. Das ist hier ein schönes Anwesen, die Mischung aus Stauden und Gemüse gefällt mir“, sagt Brigitte Ungermann aus Großenhain. Ihrer Tochter Heike Bethke gefällt das Ziegelmauerwerk besonders. „Die Idee mit dem Fensterrahmen und den Vorhängen nehme ich mit“, sagt die Altenbergerin.