Von Carmen Berg

Mini-Windenergieanlagen, etwa für die Stromversorgung von Eigenheimen,  könnten schon bald aus der Gartenstadt kommen. In einem gemeinsamen Forschungsprojekt, das vom Bund gefördert wird,  entwickeln die BTU Cottbus-Senftenberg und die EAB Gebäudetechnik Luckau GmbH eine neuartige Anlage, die auf die hiesigen Windverhältnisse zugeschnitten ist. „Die Innovation steckt dabei im Flügel“, wie EAB-Geschäftsführer Christian Beloch erklärt.

Doch von vorn. Das Luckauer Unternehmen ist in Sachen Smart Home unterwegs, was auch die effiziente Nutzung regenerativer Energien im Haushalt beinhaltet. Die Idee von Mini-Mühlen sei ihm schon seit Längerem im Kopf herumgegangen, erinnert sich Christian Beloch.  Das Problem: Die Niederlausitz ist nicht die Nord- oder  Ostseeküste. Es gibt hier zu wenig Wind, was solche Anlagen für Häuslebauer und andere potenzielle Nutzer bislang kaum interessant machte. Durchschnittliche Windgeschwindigkeiten von drei bis vier Metern pro Sekunde in zehn Metern Höhe und ein Wirkungsgrad von 15 Prozent rechneten sich für den Betreiber einfach nicht, sagt Christian Beloch. Zum Vergleich: Bei den großen Windtürmen liegt der Wirkungsgrad bei mehr als 50 Prozent. „Energiewende ist gut und richtig, aber sie muss auch wirtschaftlich sein“, so der EAB-Geschäftsführer.

Um eine Mini-Windkraftanlage für hiesige Verhältnisse anzubieten, musste demnach die Leistung trotz des vergleichsweise geringen Windes gesteigert und damit die Betriebsdauer erhöht werden, erklärt der Luckauer.

Bei der Suche nach einer Lösung fand er einen Partner in Prof. Holger Seidlitz, Leiter des Fachgebietes Leichtbau mit strukturierten Werkstoffen an der BTU Cottbus-Senftenberg, den er aus gemeinsamen Studienzeiten in Senftenberg kennt. „Ohne das wissenschaftliche Know How und die technischen Möglichkeiten der Uni hätte ein Unternehmen wie unseres mit 27 Mitarbeitern eine solche Herausforderung nie angehen können“, sagt Christian Beloch.

„Ausgangspunkt war die Idee, über die Rotorblätter den Wirkungsgrad zu verbessern“, blickt er zurück und erklärt: „Herkömmliche Flügel bestehen aus einem relativ unbeweglichen Glasfasermaterial, das per Hand ausgerollt wird und in der Stärke differiert.“ Die von den BTU-Forschern aus Faserverbundstoffen und Metall ähnlich wie Carbon kombinierten Mini-Flügel seien „um die Hälfte leichter und biegsam dort, wo man es haben will“. Werkstoffaufbau und das  aeorodynamische Design sorgten dafür, dass sich das Rotorblatt immer optimal im Wind dreht. Es rotiere auch bei schwachem Wind und erzeuge Energie. Bei Sturm könne es sich selbst aus dem Wind drehen, die Anlage vor Überlastung schützen und dabei weiter Strom erzeugen, beschreibt der EAB-Geschäftsführer den Unterschied zum herkömmlichen Windrad.

Die Forschungsarbeiten am Material gehen in die Zielgerade, so Christian Beloch zum Sachstand. Er gerät angesichts der technischen Ausstattung an der BTU ins Schwärmen. Dort bestünden beispielsweise die Voraussetzungen für Zerstörungstests unter extremen Bedingungen, zudem sei es möglich, den Alterungsprozess zu simulieren. „So können wir zeigen, dass unsere Anlage langfristig ihre Leistung halten kann“, sagt er. Hergestellt wird der Prototyp des leichten Mini-Flügels auf einer High-Tech-Fertigungsmaschine, über die der Fachbereich von Prof. Seidlitz verfügt.

Christian Beloch zufolge soll Ende 2019, Anfang 2020 ein Langzeittest auf einem Standort in Cahnsdorf beginnen. Die Vorbereitungen laufen. Der Unternehmer ist zuversichtlich, dass spätestens Anfang 2021 die Luckauer Mini-Windanlage marktreif sein wird. Forscher und Unternehmen rechnen sich am Markt gute Chancen aus. „Denn es gibt viele Gebiete, die die gleichen Probleme mit dem Wind haben wie wir“, weiß Christian Beloch. Neben privaten Haushalten könnten etwa Landwirtschaftsbetriebe und Kleinunternehmen profitieren. Denkbar seien die neuen Mini-Windräder als Insellösung zur autarken Energieversorgung in strukturschwachen Regionen. Seit das gemeinsame Forschungsprojekt bekannt wurde, spüre die Luckauer Firma wachsendes Interesse.

Als Unternehmer will der Luckauer in erster Linie Arbeitsplätze sichern. „Doch es geht um mehr. Das Engagement der BTU in der Fläche stärkt die Region“, so sieht es Christian Beloch. Er selbst war nach sieben Jahren Arbeit in einem Konzern im Westen in die Heimat zurückgekehrt.  Jetzt reize es ihn zu beweisen: „Auf dem Land heißt nicht hinterm Mond.“