Ein Dorf wird unabhängig von Energie- und Wärmnetzen und versorgt sich selbst. Die Einwohner können selbstbestimmt leben und sind unabhängig von den großen Energiekonzernen. Was noch wie Zukunftsmusik klingt, könnte in Drahnsdorf schon bald Realität werden. Davon ist zumindest der Student Bernd Paarmann der Beuth-Universität in Berlin überzeugt. Er hat einen Bachelor im Bereich der Haustechnik abgeschlossen und arbeitet derzeit in einem Planungsbüro, dass sich unter anderem auf Energiekonzepte für Stadtquartiere spezialisiert hat. Im Rahmen seiner Masterthesis für den Abschluss seines Master-Studiums untersucht er, inwiefern Drahnsdorf ein energieautarkes Dorf werden könnte. Am Ende soll ein Energiekonzept stehen.

Energiebedarf von Drahnsdorf soll ermittelt werden

Die Untersuchung steht bislang jedoch noch am Anfang. Zunächst will Bernd Paarmann den Energiebedarf im Ort ermitteln, wie er kürzlich der Gemeindevertretung von Drahnsdorf erklärte. Dazu hofft er auf Unterstützung der Einwohner. Mittels Fragebogen will er herausfinden, welche Nutzungsformen im Dorf bereits vorhanden sind und wie viel Energie derzeit verbraucht wird.

Auf dieser Basis sollen Potenziale erschlossen werden. „Ich sehe in der Energieautonomie die größte Chance, Geld in der Region zu belassen. Die Bürger werden dadurch selbstbestimmt“, zählt er einen Vorteil des Projektes auf. Ziel der Untersuchung sei es aus diesem Grund, eine dezentrale Energieversorgung in Drahnsdorf zu etablieren. Dazu will Paarmann die einzelnen Gebäude im Ort, so genannte Zellen, betrachten.

Jede der Zellen verbraucht Energie, sowohl Wärme als auch Strom, erzeugt aber mitunter auch selbst welche, beispielsweise durch Photovoltaik oder einer Erdwärmepumpe. Beispielhaft will Bernd Paarmann im Rahmen seiner Masterthesis insbesondere den Projektraum Drahnsdorf im ehemaligen Gutshof als eine Zelle näher betrachten und dafür ein stimmiges Energiekonzept entwickeln. „Mehrere Zellen sind miteinander vernetzt und ergänzen sich gegenseitig“ erklärt der Student das System der Energieautarkie. „Der Vorteil ist, dass es flexibel und ausbaufähig ist“, erklärt Bernd Paarmann weiter.

CO2-Neutralität in Drahnsdorf bis 2050

Anwohner können durch die Vernetzung von mehreren Technologien profitieren. Zugleich kann mit dieser Betrachtungsweise jeder selbst entscheiden, ob und welche Technologie er auf seinem Grundstück nutzen möchte. „Ziel ist es, bis 2050 die CO2-Neutralität in Drahnsdorf zu erreichen“, sagt der Student. Das kann durch eine höhere Energieeffizienz und die Nutzung erneuerbarer Energien erreicht werden.

Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg. Die Masterarbeit könnte künftig als Leitfaden dienen. „Es soll Anhaltspunkte für Potenziale liefern, die hier schlummern und dabei helfen, Entscheidungen zu treffen“, sagt der Student.

Das Thema Energieautarkie angeregt hat Andrea Weigt vom Projektraum Drahnsdorf. Sie sieht darin eine große Chance und den Beginn weiterer möglicher Projekte für ein nachhaltiges Dorfleben. Denkbar wäre, neben der Energie auch weitere Kreislaufsysteme wie E-Mobilität, Car-Sharing oder Recycling zu etablieren. Drahnsdorf würde dabei zu einer Art Modell-Projekt im Landkreis Dahme-Spreewald werden. In der Kreisentwicklungskonzeption sind laut Andrea Weigt dafür bereits erste Mittel vorgesehen, sofern der Kreistag dem Entwurf zustimmt.

„Die Grundidee ist eine klasse Sache. Doch es steht alles noch ganz am Anfang. Wann geht es von der Theorie in die Praxis über?“, fragt sich Robert Krowas (WG Drahnsdorf). Eine genaue Strategie dazu gebe es noch nicht. „Wir können die weiteren Schritte erst planen, wenn das Konzept fertig ist. Dann werden Maßnahmen deutlich“, erklärt Andrea Weigt (WG Drahnsdorf). Die Masterarbeit soll bis April dieses Jahres fertiggestellt werden. Anschließend will Bernd Paarmann die Ergebnisse in der Gemeinde vorstellen.