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| 18:23 Uhr

FFH-Managementplanung
Angeln mit besonderer Rücksicht

 Das Landesamt für Umwelt sieht besondere Maßnahmen für die Bornsdorfer Teiche vor, um seltene Tiere und Pflanze zu erhalten und deren Lebensräume zu verbessern. Entsprechende Vorschläge wurden mit Eigentümern und Nutzern des Gebietes diskutiert.
Das Landesamt für Umwelt sieht besondere Maßnahmen für die Bornsdorfer Teiche vor, um seltene Tiere und Pflanze zu erhalten und deren Lebensräume zu verbessern. Entsprechende Vorschläge wurden mit Eigentümern und Nutzern des Gebietes diskutiert. FOTO: LR / Anja Brautschek
Vorschläge zum Erhalt des Bornsdorfer Teichgebietes sind erarbeitet. Von Anja Brautschek

Angeln auf den Bornsdorfer Teichen? Das wird auch weiterhin möglich sein. Dennoch könnten bald besondere Schutzmaßnahmen zu beachten sein. Entsprechende Vorschläge wurden am Mittwoch gegenüber Eigentümern, Landwirten, Jägern und Interessierten vorgestellt. Das etwa 95 Hektar große Bornsdorfer Teichgebiet ist ein schützenswertes Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (FFH). Der erste Entwurf des Maßnahmenplans zum Erhalt der besonderen Lebensraumtypen ist nun ausgearbeitet. Im Kern geht es darum, das nährstoffarme Gewässer mit der typischen Vegetation zu erhalten und damit Lebensräume für seltene Tierarten wie Kammmolche oder den Großer Feuerfalter zu begünstigen. Derzeit sei das Bornsdorfer Teichgebiet in gutem Zustand. Verbessert sich die Situation weiter, biete es sogar eine großes Potenzial für die Ansiedlung des stark gefährdeten Hirschkäfers.

Dabei stoßen aber nicht alle Vorschläge auf Zustimmung. Vor allem Angler fürchten um zu starke Beschränkungen. Nachdem die Neue Grube vor einigen Jahren als Folge des Bergbaus versauert ist, haben sie sich in enger Absprache mit dem Naturwächter Ulf Bollack um die Bekalkung des Teiches gekümmert. Seitdem ist der ph-Wert des Gewässers kontinuierlich gestiegen und hat sich bei 6,6 eingepegelt. Laut Experten schaffen ein niedrigerer ph-Wert jedoch einen geeigneteren Lebensraum für schützenswerte Arten. „Wir haben aus Tierschutzgründen mit der Bekalkung begonnen. Wenn wir damit aufhören, habe ich Angst, dass der Teich wieder versauert und Fische sterben“, äußert Thomas Grünthal von den Bornsdorfer Fischfreunden seine Bedenken.

Die Bekalkung soll aus diesem Grund optimiert werden. „Wir müssen die optimale Kalkart für das Bornsdorfer Teichgebiet finden. Ich schlage vor, dass wir dazu für die kommenden zwei bis drei Jahren eine umfassende Wasserprobe veranlassen. Die Kosten dazu übernimmt der Naturpark“, schlägt Udo List, Leiter des Naturparkes Niederlausitzer Landrücken, vor.

Auf den Besatz mit Karpfen wollen die Angler jedoch nicht verzichten. „Wir haben kein Problem damit, dass Austragen von Lockfutter oder den Karpfenbesatz zu reduzieren, aber wir werden nicht darauf verzichten“, erklärt Daniel Müller vom Landesanglerverband.

Auch ein Waldeigentümer  fragt sich, ob eine Enteignung zur Schaffung von Totalreservaten möglich wäre. „Das kann ich nicht akzeptieren.“ Um die bodensauren Eichenwälder im Gebiet zu erhalten, empfiehlt das Landesamt für Umwelt (LfU) vor allem den Erhalt von Alt- und Hohlbäumen. Auch ein beträchtlicher Anteil von Totholz (20 bis 40 Kubikmetern pro Hektar) seien ratsam. Das LfU strebe jedoch Lösungen in Absprache mit den Eigentümern an. „Unser Ziel ist es, Kompromisse zu finden. Wenn der Vorschlag eines Bewirtschaftungsverbotes nicht umsetzbar ist, so suchen wir Alternativvorschläge wie die Entnahme von Einzelstämmen“, erklärt der zuständige Sachbearbeiter Daniel Witt.

Aus diesem Grund werde der erste Entwurf nach Einsicht der Stellungnahmen von Eigentümern, Nutzern und Naturinteressierten noch einmal überarbeitet. Auch Fördermöglichkeiten für die Umsetzung von Schutzmaßnahmen sind möglich. „Die Hürden sind zum Teil jedoch recht hoch und die Anträge umfassend“, räumen die Sachbearbeiter ein. Der Naturparkleiter ergänzt: „Maßnahmen, die der Eigentümer ablehnt, kommen auf die kritische Liste. Das bedeutet nicht, dass wir diese auf Biegen und Brechen durchsetzen. Im Fall des Eigentümerwechsels werden sie dann neu diskutiert.“