| 14:16 Uhr

Einzigartige Stuckverzierungen
Spannende Entdeckungen im Bürgerhaus Luckau

Das denkmalgeschützte Haus am Markt 13 in Luckau.
Das denkmalgeschützte Haus am Markt 13 in Luckau. FOTO: Carmen Berg
Luckau. Einzeldenkmal „Am Markt 13“ hatte Vorgängerbau im Mittelalter. Luckauer hoffen auf Erhalt des vom Verfall bedrohten Gebäudes.

Das frühbarocke Bürgerhaus „Am Markt 13“ in Luckau ist eines der repräsentativsten Gebäude der Stadt. Viele kennen es noch aus der Zeit, als hier „Dunkelschulze“ Bier ausschenkte, wohnten in Internatszimmern der früheren EOS „Karl Liebknecht“ oder wirkten in den verschiedenen Zirkeln des DDR-Kulturbundes mit.

Doch seit 1989 steht das Gebäude leer und das vor dem Giebel angebrachte Gerüst ist sichtbares Zeichen für den immer weiteren Verfall. Der Luckauer Heimatverein rückte die Aufmerksamkeit auf dieses wertvolle Einzeldenkmal, dessen kulturhistorische Bedeutung weit über die Stadtgrenzen hinaus reicht.

Anna Bartrow erklärte die Baugeschichte dieses besonderen Gebäudes. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg unternahm mit den Zuhörern im Klostersaal der Kulturkirche eine Entdeckungsreise vom Keller bis zum Dach – Ergebnisse aus der in ihrer Magisterarbeit vorgenommenen Bauforschung.

Demnach wurde das Grundstück bereits im Mittelalter genutzt, worauf die Funde mehrerer Schachtungen im Keller, dem nachweislich ältesten Teil des Hauses, schließen lassen. Mauerzüge aus Feldsteinen sowie regelmäßige frühere Fenster- und Türöffnungen deuten laut Anna Bartrow darauf hin, dass hier im Mittelalter Waren verkauft wurden. Eine Besonderheit war die Entdeckung eines gemauerten Wandtresors, das sind nur durch eine kleine quadratische Öffnung zugängliche im Mauerwerk eingelassene Hohlräume. 

Seine heutige Gestalt erhielt das Grundstück laut der Untersuchungen erst nach dem Luckauer Stadtbrand von 1644. Bauherr des neu errichteten und 1699 fertiggestellten Hauses sei vermutlich Ehrenfried Herrmann, von 1709 bis 1712 Bürgermeister Luckaus, Landesältester und zudem Zoll- und Steuereinnehmer.

Errichtet wurde das Haus als Fachwerkbau, im Erdgeschoss mit Massivmauerwerk, in den oberen Etagen innen mit Lehmstaken, außen mit Ziegeln ausgefacht. Dass der Bauherr großen Wert auf ein repräsentatives Bürgerhaus legte, komme nicht nur in der mit flächigem floralem Stuck reich verzierten Fassade mit dem Volutengiebel zum Ausdruck. Auch der große Raum im Erdgeschoss mit seiner Stuckdecke deute darauf hin. „Es ist ein herausgehobenes Detail, das sonst nur in Schlossbauten oder anderen repräsentativen Gebäuden zu finden ist“, ordnete Anna Bartrow ein. In der oberen Etage sei über diesem großen Raum die ganze ursprüngliche Fachwerkkonstruktion noch erhalten.

Die Liste der Besitzer lässt sich in Quellen bis zum Jahr 1668 zurückverfolgen. 1900 erwarb es Alfred Schulze, der dort eine Schankwirtschaft betrieb. „Daher der Name ‚Zum Dunkelschulzen‘, der auch nach 1945 vom Sohn Wilhelm Schulze weitergeführt wurde“, erläuterte Anna Bartrow. 1953 sei das Gebäude als Volkseigentum verstaatlicht worden. Schon zu DDR-Zeiten habe es zu den bedeutenden Baudenkmälern gehört. 

Beim Gebäude Markt 13 handele es sich um eines der wertvollsten Profanbauten der Stadt. „Die wenig überprägte Bausubstanz macht den kulturgeschichtlichen Wert des Gebäudes aus, dessen Erforschung nicht nur von stadtgeschichtlicher sondern überregionaler Bedeutung ist“, resümierte Anna Bartow. Die Luckauer hoffen nun, dass diese Bedeutung auch über Fachkreise und Heimatinteressierte hinaus bekannter wird und „uns das hilft, dieses Haus zu retten“, sagte die Luckauerin Marita Riems.